Staats­se­kre­tär warnt vor chi­ne­si­schen Über­nah­men

Chi­ne­si­sche In­ves­to­ren grei­fen zu­neh­mend nach deut­schen High­techFir­men - der Bund will nun ge­nau­er hin­schau­en. Wirt­schafts­Staats­se­kre­tär Ba­reiß sagt, war­um und wie ei­ne Ge­gen­stra­te­gie aus­se­hen könn­te.

Amerika Woche - - Nachrichten -

Wirt­schafts-Staats­se­kre­tär Tho­mas Ba­reiß (Fo­to) hat drin­gend da­vor ge­warnt, die zu­neh­men­de Ein­kaufs­tour chi­ne­si­scher In­ves­to­ren zu un­ter­schät­zen und sich für eu­ro­päi­sche Al­li­an­zen stark ge­macht. „Deutsch­land ist ein Land, das sehr of­fen ist für In­ves­ti­tio­nen und das soll auch so blei­ben“, sag­te Ba­reiß. Zu­gleich sag­te der CDUPo­li­ti­ker: „Wir dür­fen nicht na­iv oder leicht­sin­nig sein, im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb wird mit har­ten Ban­da­gen ge­kämpft. Wir stel­len uns dem, aber dann zu fai­ren und glei­chen Spiel­re­geln. Da­von sind wir lei­der noch ent­fernt, weil die Be­din­gun­gen für In­ves­ti­tio­nen in der Welt sehr un­ter­schied­lich sind.“

Po­li­ti­sche Ein­fluss­nah­me

Chi­na ver­sucht seit Jah­ren, ei­ner­seits über Fir­men­käu­fe aus­län­di­sche Spit­zen­tech­no­lo­gie zu über­neh­men und an­de­rer­seits über In­ves­ti­tio­nen in die eu­ro­päi­sche In­fra­struk­tur po­li­ti­schen Ein­fluss zu ge­win­nen. Ba­reiß sag­te: „Wir spü­ren, dass Chi­na gro­ßes In­ter­es­se an be­stimm­ten Tech­no­lo­gi­en hat.“Er ge­he da­von aus, dass des­halb der Wunsch nach Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen und Über­nah­men eher zu­neh­men wer­de, vor al­lem im tech­no­lo­gie­star­ken Mit­tel­stand.

„In sen­si­blen Be­rei­chen müs­sen wir recht­zei­tig prü­fen, wo Ge­fah­ren und Ri­si­ken lä­gen, um dann auch im Aus­nah­me­fall die Brem­se zie­hen zu kön­nen. Das gilt ge­ra­de auch für den sehr sen­si­blen Be­reich der Strom­net­ze.“

Ve­rän­de­run­gen

Es sei da­her wich­tig, dass nun ent­spre­chen­de Ve­rän­de­run­gen im Au­ßen­wirt­schafts­recht ge­plant sei­en, sag­te der par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. „Wir wol­len zum Bei­spiel die Schwel­le, ab der ge­prüft wer­den kann, von der­zeit 25 auf 15 Pro­zent re­du­zie­ren und da­mit schon frü­her die Chan­ce ha­ben, Über­nah­men oder Be­tei­li­gun­gen an be­stimm­ten, sen­si­blen Wirt­schafts­be­trie­ben in Deutsch­land auf Herz und Nie­ren zu prü­fen.“

Zwar hät­ten we­der Wirt­schaft noch Po­li­tik In­ter­es­se an lang­wie­ri­gen Ver­fah­ren. „Aber es ist rich­tig und wich­tig, dass wir ge­ra­de bei kri­ti­schen In­fra­struk­tu­ren und ver­tei­di­gungs­re­le­van­ten Un­ter­neh­men ein le­gi­ti­mes na­tio­na­les Si­cher­heits­in­ter­es­se ver­fol­gen“, sag­te Ba­reiß.

Ge­nau­er prü­fen

„Und hier wol­len wir als Staat, als Po­li­tik, in­ner­halb der ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Fris­ten, künf­tig ge­nau­er prü­fen kön­nen. Das ist nicht nur im In­ter­es­se des Un­ter­neh­mens, son­dern auch im In­ter­es­se un­se­res Lan­des.“

Strom­über­nah­me

Zu­letzt hat­te die ver­such­te Be­tei­li­gung chi­ne­si­scher In­ves­to­ren an ei­nem der vier gro­ßen Strom­netz­be­trei­ber Schlag­zei­len ge­macht: Die Bun­des­re­gie­rung ver­hin­der­te mit ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Schritt ei­nen sol­chen Ein­stieg Chi­nas in die deut­sche Strom­ver­sor­gung.

Die Staats­bank KfW wird nun ei­nen An­teil von 20 Pro­zent am Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber 50Hertz er­wer­ben und sticht da­mit den chi­ne­si­schen Staats­kon­zern SGCC aus. Es ge­he um den Schutz kri­ti­scher In­fra­struk­tur, be­grün­de­te die Re­gie­rung die­se Maß­nah­me.

Ein Drit­tel

Die Bun­des­re­gie­rung wol­le und be­grü­ße In­ves­ti­tio­nen in Deutsch­land, selbst­ver­ständ­lich auch aus Chi­na, sag­te Ba­reiß. „Wir ha­ben seit un­se­rer letz­ten No­vel­le in ver­gan­ge­nen Jahr über 80 Prü­fun­gen von Über­nah­men be­zie­hungs­wei­se Be­tei­li­gun­gen ge­macht. Da­von wa­ren rund ein Drit­tel Prü­fun­gen bei chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men. Ins­ge­samt gab es seit 2004 noch kei­ne Un­ter­sa­gung, le­dig­lich ei­ne, wo wir kri­ti­scher wa­ren. Das zeigt klar: Wir be­grü­ßen In­ves­ti­tio­nen und ge­hen mit dem In­stru­ment acht­sam um.“

Deutsch­land kön­ne und wol­le sich nicht ab­schot­ten. „Chi­na ist ein gro­ßer und in­ter­es­san­ter Markt mit über 1,4 Mil­li­ar­den Men­schen. Für ei­nen er­folg­rei­chen Stand­ort sind aber vor al­lem Ge­schwin­dig­keit und In­no­va­ti­ons­kraft, nicht Grö­ße ent­schei­dend. Des­halb müs­sen wir im­mer ei­nen Schritt vor­aus sein und in Zu­kunfts­bran­chen die Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft be­hal­ten oder zu­rück­er­obern. Das kön­nen wir durch­aus auch selbst­be­wusst tun.“

Schlag­kraft

Da­für sei­en aber auch zu­künf­tig schlag­kräf­ti­ge Un­ter­neh­men not­wen­dig, sag­te Ba­reiß: „Es macht durch­aus Sinn, auch eu­ro­päi­sche Al­li­an­zen zu bil­den und Kräf­te zu bün­deln, des­halb be­grü­ße ich Zu­sam­men­schlüs­se, zum Bei­spiel den von Sie­mens und Al­st­om. Das er­höht die Schlag­kraft.“Der deut­sche ICE-Her­stel­ler Sie­mens und der franz­söi­sche TGV-Her­stel­ler Al­st­om wol­len da­mit vor al­lem der star­ken neu­en Kon­kur­renz aus Chi­na Pa­ro­li bie­ten.

Newspapers in German

Newspapers from USA

© PressReader. All rights reserved.