Adieu Ha­lo­gen­lam­pe - das nächs­te EU-Op­fer nach der Glüh­bir­ne

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Als vor sechs Jah­ren die Pro­duk­ti­on der ver­bo­ten wur­de, war der Auf­schrei rie­sig. Mitt­ler­wei­le hat sich die Auf­re­gung ge­legt. Nun

Ei­gent­lich hät­te die­ses Licht schon vor zwei Jah­ren aus­ge­hen sol­len. Da­mals gab es für die Ha­lo­gen­lam­pe je­doch noch ei­ne Gna­den­frist. Jetzt ist wirk­lich Schluss. Seit dem 1. Sep­tem­ber dür­fen die meis­ten Ha­lo­gen­leuch­ten in der EU nicht mehr pro­du­ziert wer­den - die letz­te Stu­fe der EU-Lam­pen­ver­ord­nung tritt in Kraft. Wird der öf­fent­li­che Auf­schrei ähn­lich laut wie bei der Glüh­lam­pe?

Hin­ter dem jet­zi­gen Aus­lau­fen der Ha­lo­gen­lam­pe steckt die so­ge­nann­te Öko­de­sign-Richt­li­nie der EU. Sie legt An­for­de­run­gen an die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Pro­duk­ten fest. Nach und nach sol­len vor al­lem je­ne Pro­duk­te vom Markt, die be­son­ders viel Strom fres­sen - al­so schlecht für die Um­welt sind. Bei der Glüh­lam­pe wur­den nur et­wa fünf Pro­zent der auf­ge­nom­me­nen Ener­gie in Licht um­ge­wan­delt - ein Trau­er­spiel für al­le Ener­gie­bi­lanz. Der Ver­brauch ei­ner Ha­lo­gen­lam­pe ist nach An­ga­ben der EU-Kom­mis­si­on von 2015 im­mer noch fünf mal hö­her als der ei­ner LED.

Seit der No­vel­lie­rung 2009 geht es bei der Öko­de­sign-Richt­li­nie zu­dem um Pro­duk­te, die den Ener­gie­ver­brauch be­ein­flus­sen, et­wa Dusch­köp­fe oder Fens­ter. Der Strom­ver­brauch der Pri­vat­haus­hal­te soll so ge­senkt und strom­spa­ren­den Ge­rä­ten zum Durch­bruch ver­hol­fen wer­den.

An­stel­le der Ha­lo­gen­lam­pen wer­den ab Sep­tem­ber al­so haupt­säch­lich Ener­gie­spar­lam­pen und LEDs in den Re­ga­len lie­gen. Da­durch soll nach An­ga­ben der EU-Kom­mis­si­on jähr­lich so viel Strom ge­spart wer­den, wie Por­tu­gal in ei­nem Jahr ver­braucht.

Ne­ben der Glüh­lam­pe muss­ten des­halb un­ter an­de­rem schon be­stimm­te Staub­sau­ger, Back­öfen, Koch­fel­der, Dun­st­ab­zugs­hau­ben und Dusch­köp­fe dran glau­ben. Da­bei wird nach An­ga­ben der EUKom­mis­si­on nur vom Markt ge­nom­men, wo­für es ei­nen ver­nünf­ti­gen Er­satz gibt.

Aber es wird Aus­nah­men ge­ben: Für plat­te Spot­lam­pen, wie sie bei De­cken­strah­lern ge­nutzt wer­den, so­wie für je­ne Ha­lo­gen­lam­pen in Schreib­tisch­lam­pen oder Flut­lich­tern ist noch kein En­de in Sicht. Statt­des­sen sind vor al­lem die meist bir­nen- oder ker­zen­för­mi­gen Leuch­ten der Ener­gie­klas­se D mit un­ge­bün­del­tem Licht be­trof­fen. Rest­be­stän­de dür­fen ab Sep­tem­ber zwar noch ver­kauft, aber kei­ne neu­en Lam­pen pro­du­ziert wer­den.

Die Zu­kunft ge­hört statt­des­sen den LED-Leuch­ten. Dar­über wa­ren sich Ex­per­ten schon zum En­de der Glüh­lam­pe 2012 ei­nig. Da­mals wa­ren LEDs al­ler­dings noch deut­lich teu­rer als et­wa Ener­gie­spar- oder Ha­lo­gen­lam­pen. Seit­dem sei­en die Prei­se um 75 Pro­zent ge­sun­ken, so zu­min­dest die EU.

Noch sind LEDs in der An­schaf­fung et­was teu­rer als Ha­lo­gen­lam­pen. Die Mehr­kos­ten hat man al­ler­dings ziem­lich schnell wie­der drin, glaubt man der EU-Kom­mis­si­on. Der BUND rech­net vor, dass ei­ne Ha­lo­gen­lam­pe in­klu­si­ve An­schaf­fungs­kos­ten bei täg­li­cher Brenn­dau­er von drei St­un­den über zehn Jah­re hin­weg Kos­ten von rund 160 Eu­ro ver­ur­sacht. Bei ei­ner LED sol­len es nur 28 Eu­ro sein.

Der Markt­an­teil von LEDs wächst ra­sant. 2014 lag er nach Zah­len der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung bei gut 38 Pro­zent, im ver­gan­ge­nen Jahr schon bei fast 61 Pro­zent. Der An­teil klas­si­scher Ha­lo­gen­lam­pen ging im glei­chen Zei­t­raum von 16,7 auf 12 Pro­zent zu­rück.

Als die Glüh­lam­pe vor sechs Jah­ren vom Markt ver­schwand, wa­ren die Al­ter­na­ti­ven noch lan­ge nicht so aus­ge­reift. Doch das En­de der Glüh­bir­ne hat den tech­ni­schen Wan­del wohl auch vor­an­ge­trie­ben.

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