Ein kri­ti­scher Geist - Film­re­gis­seur Rai­ner Er­ler wur­de 85

Amerika Woche - - Personalien -

Über 40 Spiel­fil­me, 14 Ro­ma­ne, gut zwei Dut­zend Er­zäh­lun­gen und Kurz­ge­schich­ten, so­wie fünf Büh­nen­wer­ke - das Schaf­fens­werk des Münch­ner Re­gis­seurs, Pro­du­zen­ten und Au­tors Rai­ner Er­ler ist nicht nur um­fäng­lich im­po­sant. Sei­ne fil­mi­schen und ge­schrie­be­nen Bei­trä­ge bie­ten stets auch Dis­kus­si­ons­stoff. „Mich ha­ben im­mer kri­ti­sche und kon­tro­ver­se The­men in­ter­es­siert“, sagt Er­ler kurz vor sei­nem 85. Ge­burts­tag.

Zu den be­kann­tes­ten Wer­ken des in Mün­chen auf­ge­wach­se­nen Fil­me­ma­chers ge­hö­ren die ge­sell­schafts­kri­ti­sche Ko­mö­die „See­len­wan­de­rung“, das Po­lit-Dra­ma „Plu­to­ni­um“, die Sci­ence-Fic­tion-Fil­me „Das blaue Pa­lais“und „Ope­ra­ti­on Gany­med“so­wie der in Ame­ri­ka ge­dreh­te Psy­cho-Thril­ler „Fleisch“, in dem Er­ler be­reits 1979 das The­ma Organ­han­del span­nend the­ma­ti­sier­te.

„Der Film war welt­weit er­folg­reich. Der Film­ex­por­teur At­las In­ter­na­tio­nal ver­kauf­te ihn an die Ki­no­ver­lei­her in 127 Län­der. So­gar in der DDR war es ein un­glaub­li­cher Er­folg. Die ha­ben dort 12 Mil­lio­nen Ki­no­kar­ten ver­kauft“, sagt Er­ler über den ge­ra­de­zu pro­phe­ti­schen Rei­ßer, der 2007 neu ver­filmt wur­de.

Wenn Er­ler heu­te von Ki­no und Fern­se­hen spricht, klingt im­mer noch die Be­geis­te­rung für das Me­tier durch. Kein Wun­der, denn schon als zwölf­jäh­ri­ger Gym­na­si­ast war für ihn klar, dass er spä­ter Fil­me dre­hen wer­de. Im Jahr 2000 ent­stand schließ­lich sein letz­ter Film, „Die Kal­ten­bach-Pa­pie­re“mit Ma­rio Adorf.

„Auf­zu­hö­ren war für mich schwer“, ver­rät er. Es sei sein Le­ben, sein Le­bens­eli­xier ge­we­sen. Aber auch ein Ven­til, um auf Miss­stän­de und un­ge­sun­de Ent­wick­lun­gen hin­zu­wei­sen. „Ich war ja auch im­mer Au­tor - und The­men gab es auch da­mals schon mehr als ge­nug“, sagt Er­ler, der heu­te teils bei Bad Tölz, teils in Aus­tra­li­en bei der Fa­mi­lie sei­ner Toch­ter lebt.

Na­tür­lich wä­re es für den kri­ti­schen Geist auch heu­te kein Pro­blem, The­men für ei­nen Film oder ein Buch zu fin­den. Doch da­mit hat er ab­ge­schlos­sen: „Ir­gend­wann muss eben Schluss sein“, meint er. Auf der Stre­cke blieb die Ver­fil­mung sei­nes Ro­mans „Feu­er­zei­chen“. „Die Co-Pro­du­zen­ten in Frank­reich und in Aus­tra­li­en stell­ten For­de­run­gen, die wir nicht fi­nan­zie­ren konn­ten. Zum Bei­spiel die Haupt­rol­le mit Hol­ly­wood-Star Ro­bert Red­ford zu be­set­zen.“Ein Trost für Rai­ner Er­ler: 22 sei­ner Fil­me sind ak­tu­ell im Vi­deo-Han­del er­hält­lich.

Mit der glei­chen Dis­zi­plin, wie er sich frü­her an Fil­me und Bü­cher ge­macht hat, lebt er jetzt sein Ru­he­stands­le­ben. Er ste­he sehr früh auf, früh­stü­cke um 7.00 Uhr, dann ste­he ei­ne hal­be St­un­de Schwim­men im hei­mi­schen Pool auf dem Ta­ges­plan und an­schlie­ßend ei­ne gut ein­stün­di­ge Wan­de­rung mit sei­ner Frau Re­na­te, mit der er seit 1961 ver­hei­ra­tet ist.

Den 85. Ge­burts­tag fei­er­te der „mi­li­tan­te Nicht­rau­cher“, wie er sich selbst be­zeich­net, un­auf­ge­regt: „85 - das ist doch ir­gend­wie da­zwi­schen“, meint er und fügt hin­zu, dass er den 80-sten ja „aus­führ­lich“mit rund 60 Gäs­ten ge­fei­ert ha­be. Den „Zwi­schen­durch-Ju­bel­tag“be­ge­he er des­halb ge­müt­lich - mit en­gen Freun­den, Fa­mi­lie und Ap­fel­ku­chen.

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