Mut­mach­tag CSU bangt um ih­re Zu­kunft in Bay­ern!

Be­wahr­hei­ten sich die Um­fra­gen, geht der 83. CSU-Par­tei­tag in die Ge­schich­te ein: Doch die Par­tei will den dau­er­haf­ten Ver­lust ih­rer ab­so­lu­ten Mehr­heit nicht hin­neh­men. Sie kämpft, wirbt, warnt - und fleht.

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Welch per­fekt in­sze­nier­te Ge­schlos­sen­heit. Als Horst See­ho­fer und Mar­kus Sö­der ge­mein­sam den über­füll­ten und über­hitz­ten Münch­ner Post­pa­last be­tre­ten, scheint nicht nur bei ih­ren An­hän­gern die Last der ver­gan­ge­nen Ta­ge und Wo­chen ver­ges­sen. Der Par­tei­chef und der Mi­nis­ter­prä­si­dent neh­men ex­tra den lan­gen Weg, kämp­fen sich im Saal durch die Men­ge, stei­gen ge­mein­sam auf die Büh­ne, win­ken den De­le­gier­ten zu.

Kaum zu glau­ben, dass da zwei Män­ner be­ju­belt wer­den, die in vier Wo­chen nach der Bay­ern-Wahl ei­nen Platz in den CSU-An­na­len ein­neh­men könn­ten, den kei­ner ha­ben will: Als Haupt­ver­ant­wort­li­che für den mög­li­cher­wei­se dau­er­haf­ten Ver­lust der ab­so­lu­ten Mehr­heit.

Am 14. Ok­to­ber wäh­len die Bay­ern ei­nen neu­en Land­tag. Und noch nie in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stand die CSU so un­ter Druck wie jetzt. Nur noch 35 bis ma­xi­mal 36 Pro­zent in ak­tu­el­len Um­fra­gen - die Ver­tei­di­gung der ab­so­lu­ten Mehr­heit dürf­te na­he­zu aus­ge­schlos­sen sein. Hin­zu kommt der neue Ko­ali­ti­ons­streit in Berlin und ein Par­tei­chef, der als Bun­des­in­nen­mi­nis­ter un­ter Dau­er­feu­er steht.

In­mit­ten die­ser brenz­li­gen Si­tua­ti­on sucht die CSU auf ih­rem Par­tei­tag den Be­frei­ungs­schlag, wol­len See­ho­fer und Sö­der die Trend­wen­de ein­lei­ten. Des­halb die­se öf­fent­li­che De­mons­tra­ti­on der Ge­schlos­sen­heit. See­ho­fer und Sö­der ha­ben ei­ne ge­mein­sa­me Haupt­bot­schaft, die sich durch den ge­sam­ten Par­tei­tag zieht: Die CSU ha­be Bay­ern stark ge­macht und nur mit ei­ner star­ken CSU wer­de Bay­ern so blei­ben, wie es ist. „Das Rück­grat für Bay­ern ist die Christ­lich-So­zia­le Uni­on, das sind wir“, ruft Sö­der ganz am En­de sei­ner gut 80-mi­nü­ti­gen, um­ju­bel­ten Re­de den 800 De­le­gier­ten zu.

Die Stra­te­gie da­hin­ter ist sim­pel: Die CSU de­kla­riert die Wahl von Per­so­nen und Par­tei­en zu ei­ner Ab­stim­mung über die Sta­bi­li­tät des Lan­des und so­gar über Wohl und We­he der De­mo­kra­tie. Es ist auch ein Spiel mit dem Feu­er, denn fak­tisch lau­tet der letz­te Trumpf der CSU im Kampf um ent­täusch­te, ver­un­si­cher­te, wü­ten­de und un­ent­schlos­se­ne bür­ger­li­che Wäh­ler schlicht Ver­lust­angst.

„Wir be­fin­den uns in ei­ner erns­ten Si­tua­ti­on - nicht nur für die CSU, son­dern für die De­mo­kra­tie in un­se­rem Land“, er­klärt Sö­der. Noch nie sei die De­mo­kra­tie so zer­split­tert ge­we­sen. „Wir wol­len kei­ne Kom­mu­nis­ten und Rechts­ex­tre­me, die den Land­tag do­mi­nie­ren. Wir wol­len ei­nen baye­ri­schen Land­tag.“Wäh­rend ein Geist der Ve­r­un­si­che­rung durch Eu­ro­pa und Deutsch­land we­he, wol­le die CSU für sta­bi­le Ver­hält­nis­se sor­gen - als „ein­zi­ge ver­blie­be­ne Volks­par­tei“.

Sö­der steht ein­deu­tig im Zen­trum des Par­tei­tags. „Wir brau­chen auch im­mer ei­nen Le­a­der vor­ne - und den ha­ben wir mit dem Mar­kus“, sagt so­gar See­ho­fer über sei­nen Dau­er­ri­va­len. Sö­der sei der rich­ti­ge Mann, um Bay­ern wei­ter vor­an­zu­brin­gen. Er stellt ihn in ei­ne Rei­he mit den frü­he­ren CSU-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, oh­ne de­ren Po­li­tik die Ent­wick­lung Bay­erns zu ei­nem „Pre­mi­um­land“nicht mög­lich ge­we­sen wä­re.

Wie von der Par­tei­tags­pla­nung vor­ge­se­hen, ist es dann auch der Spit­zen­kan­di­dat Sö­der, der die De­le­gier­ten rest­los be­geis­tert: Die schlech­ten Um­fra­gen müss­ten ein „Weck­ruf“sein, be­tont er und for­dert: „Kämp­fen, kämp­fen, kämp­fen!“Der Eh­ren­vor­sit­zen­de Ed­mund Stoi­ber mahnt eben­falls, nö­tig sei ei­ne „Jetzt-erst-recht-Stim­mung“. Und Ge­ne­ral­se­kre­tär Mar­kus Blu­me sagt fast fle­hent­lich: „Wir tun das al­les aus Lie­be“. Es ge­he um mehr als ei­ne Par­tei, es ge­he um Bay­ern.

Auch nach die­sem Par­tei­tag der Selbst­ver­ge­wis­se­rung und des ge­gen­sei­ti­gen Mut­ma­chens weiß aber kei­ner, wie es am 14. Ok­to­ber aus­ge­hen wird. Zwar kon­zen­trie­ren sich jetzt al­le auf die hei­ße Wahl­kampf­pha­se, aber was, wenn es tat­säch­lich schief geht? Dann dürf­ten sehr schnell die ge­gen­sei­ti­gen Schuld­zu­wei­sun­gen los­ge­hen.

Auf­fäl­lig auf dem Par­tei­tag ist schon zu Be­ginn, dass Sö­der und an­de­re Spit­zen­po­li­ti­ker mit gro­ßem Ju­bel be­grüßt wer­den, der Be­grü­ßungs­ap­plaus für See­ho­fer aber sehr zu­rück­hal­tend aus­fällt. Hin­ter­her heißt es, dies sei ab­sicht­lich so ar­ran­giert wor­den, um Sö­der ins Zen­trum zu rü­cken.

Wenn man sich um­hört, be­steht bei den De­le­gier­ten letzt­lich kein Zwei­fel, dass Sö­der auch bei ei­ner Wahl­nie­der­la­ge wei­ter als Mi­nis­ter­prä­si­dent ge­setzt ist. Wie sagt See­ho­fer ganz am En­de: „Er ist schlicht und ein­fach das Bes­te, was wir in Bay­ern ha­ben.“

Aber was ist mit See­ho­fer, den vie­le für die schlech­ten Um­fra­ge­wer­te min­des­tens mit­ver­ant­wort­lich ma­chen. Kann er Par tei­chef blei­ben? „Bis zum 14. Ok­to­ber auf je­den Fall“, meint ein Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter

viel­sa­gend.

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