Wird Deutsch­land ver­ramscht?

Ka­tar kün­digt Mil­li­ar­den-In­ves­ti­tio­nen an

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Klein, aber sehr reich: Das Gol­fe­mi­rat Ka­tar ver­sucht seit Jah­ren, sei­ne wirt­schaft­li­che Stär­ke in po­li­ti­sche Macht um­zu­mün­zen - und wird des­we­gen von ver­är­ger­ten Nach­barn iso­liert. Um­so wich­ti­ger sind für den Fuß­ball-WMGast­ge­ber 2022 nun „Part­ner“wie Deutsch­land.

Das rei­che Gol­fe­mi­rat Ka­tar will sei­ne In­ves­ti­tio­nen in Deutsch­land in den nächs­ten fünf Jah­ren um zehn Mil­li­ar­den Eu­ro auf­sto­cken. Das kün­dig­te der Emir des ara­bi­schen Lan­des, Scheich Ta­mim bin Ha­mad AlTha­ni, auf ei­nem Wirt­schafts­fo­rum in Berlin in An­we­sen­heit von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel an. „Wir sind stolz auf un­se­re Be­zie­hun­gen und auf die Zu­sam­men­ar­beit mit Deutsch­land“, sag­te er. Gleich­zei­tig lud er deut­sche Un­ter­neh­men ein, stär­ker in Ka­tar zu in­ves­tie­ren.

Kei­ne Ein­bahn­stra­ße

Mer­kel be­grüß­te die In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft Al-Tha­nis. „Sie fin­den kom­pe­ten­te Part­ner und eben auch ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen“, sag­te sie. Die wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen sei­en aber kei­ne Ein­bahn­stra­ße, be­ton­te die Kanz­le­rin. Sie se­he auch gu­te Chan­cen für den Aus­bau deut­scher In­ves­ti­tio­nen in In­fra­struk­tur und In­dus­trie in Ka­tar, das zu den reichs­ten Län­dern der Welt zählt.

„Be­son­ders der Ener­gie­be­reich birgt hier aus mei­ner Sicht noch er­heb­li­ches Po­ten­zi­al“, sag­te Mer­kel und nann­te vor al­lem die Pro­duk­ti­on von Flüs­si­gerd­gas. Ka­tar ist be­reits der größ­te Ex­por­teur von ver­flüs­sig­tem Erd­gas und will sei­ne Ka­pa­zi­tä­ten wei­ter aus­bau­en.

Golf­staat un­ter Druck

Der Golf­staat steht un­ter Druck, nach­dem im Ju­ni des ver­gan­ge­nen Jah­res Sau­di-Ara­bi­en, die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te, Bah­rain und Ägyp­ten ei­ne Blo­cka­de ver­hängt hat­ten. Sie wer­fen Ka­tar un­ter an­de­rem die Un­ter­stüt­zung von Ter­ror­grup­pen vor, was das Emi­rat zu­rück­weist. Die Fron­ten sind nach wie vor ver­här­tet. Al­le di­plo­ma­ti­schen Be­mü­hun­gen um ei­ne Ent­span­nung der Kri­se blie­ben bis­lang er­folg­los.

We­gen der Blo­cka­de sind für Ka­tar, wo 2022 die nächs­te Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft statt­fin­det, die Be­zie­hun­gen zu Wirt­schafts­mäch­ten wie Deutsch­land noch deut­lich wich­ti­ger ge­wor­den. Die Bun­des­re­gie­rung ver­hält sich in der Kri­se neu­tral - Geld stinkt nun ein­mal nicht - oder vi­el­leicht am En­de doch?

Kei­ne Par­tei

„Deutsch­land ist kei­ne Par­tei in die­sem Kon­flikt, aber wir un­ter­stüt­zen al­le kon­struk­ti­ven Bei­trä­ge zur Streit­bei­le­gung wie zum Bei­spiel die frü­he­ren Ver­hand­lungs­be­mü­hun­gen Ku­waits“, sag­te Mer­kel. Ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund der Kri­se soll­ten die Chan­cen zum Aus­bau der Wirt­schafts­be­zie­hun­gen ge­nutzt wer­den.

Bei der Kon­fe­renz, an der et­wa 1000 Wirt­schafts­ver­tre­ter teil­nah­men, ver­ein­bar­te der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) ei­nen ge­mein­sa­men Wirt­schafts­rat mit dem füh­ren­den ka­ta­ri­schen Han­dels­ver­band. Der ge­plan­te Aus­bau der Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen bei­den Län­dern be­trifft auch den Bil­dungs­sek­tor. So soll in Ka­tars Haupt­stadt Do­ha ei­ne Uni­ver­si­tät nach deut­schen Stan­dards ge­baut wer­den.

Nicht be­son­ders gut dürf­te die ver­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den bei­den Län­dern in Sau­di-Ara­bi­en an­kom­men. Das sau­di­sche Kö­nigs­haus ist oh­ne­hin schon seit fast ei­nem Jahr mas­siv ver­är­gert über Deutsch­land, was auch deut­sche Un­ter­neh­men zu spü­ren be­kom­men.

Der Grund ist ei­ne Äu­ße­rung des da­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ters Sig­mar Ga­b­ri­el, der im ver­gan­ge­nen No­vem­ber Sau­di-Ara­bi­en „Aben­teu­rer­tum“in der Nah­os­tRe­gi­on vor­ge­wor­fen hat­te. Ri­ad zog dar­auf­hin sei­nen Bot­schaf­ter aus Berlin ab. Die sau­di­sche Re­gie­rung will ihn erst wie­der zu­rück­schi­cken, wenn Deutsch­land sich ent­schul­digt hat. Das kommt für die Bun­des­re­gie­rung aber nicht in­fra­ge.

Ein Aus­weg aus der di­plo­ma­ti­schen Kri­se ist da­her nicht in Sicht, was für Deutsch­land ein im­mer grö­ßer wer­den­des Pro­blem ist - nicht nur po­li­tisch. Denn Sau­diA­ra­bi­en spielt auch für die Lö­sung al­ler Kon­flik­te im Na­hen und Mitt­le­ren Os­ten ei­ne we­sent­li­che Rol­le.

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