Bit­te Platz neh­men auf dem „Feu­er­stuhl“schwie­ri­ge Chef­su­che bei Thys­senk­rupp

Nach den Rück­trit­ten von Thys­sen­krup­pChef Hein­rich Hie­sin­ger und Auf­sichts­rats­chef Ul­rich Leh­ner bleibt die Be­set­zung der Spit­ze des In­dus­trie­kon­zerns schwie­rig.

Amerika Woche - - Nachrichten -

Zwei hoch do­tier­te Pos­ten bei ei­nem re­nom­mier­ten Groß­kon­zern mit­ten im Ruhr­ge­biet und noch im­mer kei­ne Kan­di­da­ten in Sicht. Seit drei Mo­na­ten läuft die Su­che nach neu­en Chefs für Auf­sichts­rat und Vor­stand bei Thys­senk­rupp - aber es soll rei­hen­wei­se Ab­sa­gen ge­ge­ben ha­ben. Auch nach ei­ner ex­tra an­ge­setz­ten Auf­sichts­rats­sit­zung konn­te kein Kan­di­dat prä­sen­tiert wer­den.

Zu­vor hat­ten Vor­stands­chef Hein­rich Hie­sin­ger und Auf­sichts­rats­chef Ul­rich Leh­ner kurz hin­ter­ein­an­der ih­re Jobs über­ra­schend hin­ge­wor­fen. Und mit dem frü­he­ren Te­le­kom-Chef Re­né Ober­mann hat un­ter­des­sen ein wei­te­rer Auf­se­her das Kon­troll­gre­mi­um ver­las­sen.

„Der Job, den kei­ner will“, schrieb et­wa das Han­dels­blatt. Je­des neue „Nein“er­hö­he den Frust. „Wer will sich oh­ne Not da hin­ein be­ge­ben?“, zi­tier­te die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung ei­nen Ex­per­ten, der auch gleich mög­li­chen Be­wer­bern drin­gend von dem Job ab­riet. „Wenn Hie­sin­ger das nicht ge­schafft hat, wer soll es dann schaf­fen?“

Nach Ein­schät­zung von Per­so­nal­be­ra­ter Wolf­ram Trö­ger war­tet auf die Kan­di­da­ten der­zeit tat­säch­lich ei­ne Art „Feu­er­stuhl“. Noch sei in dem in ei­ne Füh­rungs­kri­se ge­ra­te­nen Kon­zern kei­ne aus­rei­chend star­ke Per­sön­lich­keit in Sicht, die in der La­ge sei, die In­ter­es­sen in­ner­halb der Ge­sell­schaf­ter zu ord­nen, so der Chef der Frank­fur­ter Per­so­nal­be­ra­tung Trö­ger & Cie und Vor­sit­zen­de des Fach­ver­bands Per­so­nal­be­ra­tung im Bun­des­ver­band Deut­scher Un­ter­neh­mens­be­ra­ter. Im Zwei­fels­fall kön­ne je­doch auch ein Sa­nie­rer an­tre­ten. Man müs­se für die Neu­be­set­zung wohl noch zwei bis vier Mo­na­te ein­pla­nen, sag­te Trö­ger.

Un­ter­des­sen macht sich auch an der Bör­se Un­ge­duld breit. Ana­lys­ten be­zeich­ne­ten die Neu­be­set­zun­gen als „Kern­fra­ge“des Un­ter­neh­mens. Klar­heit über die wei­te­re Stra­te­gie kön­ne erst nach der Lö­sung der Per­so­nal­fra­ge er­zielt wer­den, hieß es bei an­de­ren. Der Druck al­ler Be­tei­lig­ten ha­be zu­ge­nom­men, stell­te Hol­ger Fech­ner von der Nord LB fest.

Ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le im Streit spielt ne­ben der Krupp-Stif­tung da­bei Groß­ak­tio­när Ce­vi­an, der mo­na­te­lang Druck auf das Ma­nage­ment aus­ge­übt hat­te und ei­nen schnel­le­ren und ra­di­ka­len Um­bau des Kon­zerns for­dert. Die Schwä­che von Thys­senk­rupp hat auch den ak­ti­vis­ti­schen Hed­ge­fonds El­liott des US-Mil­li­ar­därs Paul Sin­ger auf den Plan ge­ru­fen, der sich bei dem Kon­zern ein­kauf­te und so­fort For­de­run­gen nach ei­nem Um­bau vor­leg­te.

Sol­che Fonds sind da­bei in der Re­gel nicht zim­per­lich in ih­rem Vor­ge­hen. Nur we­ni­ge Tag vor sei­nem über­ra­schen­den Rück­zug et­wa hat­te Leh­ner mit Psy­cho­ter­ror-Vor­wür­fen ge­gen nicht nä­her ge­nann­te Ak­tio­nä­re für Auf­se­hen ge­sorgt. Der An­teil von El­liott an Thys­senk­rupp ist da­bei eher klein - im Ge­gen­satz zum Groß­in­ves­tor Ce­vi­an ist der Hed­ge­fonds nur mit we­ni­ger als drei Pro­zent an Thys­senk­rupp be­tei­ligt.

Die Stra­te­gie ge­ra­de sol­cher Hed­ge­fonds wie El­liott ist da­bei of­fen­sicht­lich. Sie kau­fen sich in Un­ter­neh­men ein, bei de­nen sie Schwach­stel­len se­hen und die an der Bör­se un­ter­be­wer­tet sind. Dort ver­su­chen sie dann, die Un­ter­neh­men um­zu­krem­peln, um spä­ter mit Ge­win­nen wie­der aus­zu­stei­gen.

Bei­de Ma­na­ger hat­ten auf Dif­fe­ren­zen im Ak­tio­närs­kreis des um ei­ne neue Stra­te­gie rin­gen­den Un­ter­neh­mens hin­ge­wie­sen - und sich seit­dem öf­fent­lich nicht mehr zu Wort ge­mel­det. Schnell ins Vi­sier der Schuld­zu­wei­sun­gen ge­ra­ten war auch die Che­fin der Krup­pStif­tung, Ur­su­la Ga­ther (Fo­to), die die Vor­wür­fe prompt zu­rück­wies. Im Um­feld des Un­ter­neh­mens war zu­vor über Dif­fe­ren­zen mit der Che­fin der mit 21 Pro­zent wich­tigs­ten Groß­ak­tio­nä­rin spe­ku­liert wor­den.

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