Pres­se­stim­men

Amerika Woche - - Meinung -

Süd­deut­sche Zei­tung Die SPD wagt den Auf­stand. Sie will den Rück­tritt von Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen er­zwin­gen. Ih­re Bot­schaft an die Ko­ali­ti­ons­part­ner CDU und CSU lau­tet: er oder wir. Schon wie­der steckt al­so die gro­ße Ko­ali­ti­on, erst seit ei­nem hal­ben Jahr im Amt, in ei­ner exis­ten­zi­el­len Kri­se. Legt man das Prin­zip ei­ner fai­ren Las­ten­ver­tei­lung zu­grun­de, wä­re es an der Uni­on, das Bünd­nis zu ret­ten.

Vor der Som­mer­pau­se hat­te die SPD die Ko­ali­ti­on mit Zu­ge­ständ­nis­sen in der Asyl­po­li­tik ge­ret­tet, von de­nen sie nicht über­zeugt war. Das geht jetzt nicht mehr. Es stellt sich für die SPD die sehr grund­sätz­li­che Fra­ge: Muss sie nicht so schnell wie mög­lich raus aus die­sem Bünd­nis? Die Ant­wort lau­tet: Ja, falls Maa­ßen im Amt bleibt. Denn sonst ge­fähr­det die SPD ihr Über­le­ben als Volks­par­tei.

Bei die­ser gro­ßen Ko­ali­ti­on ist von An­fang an der Wurm drin. Sie kam al­lein we­gen der Not­la­ge nach dem Schei­tern der Ja­mai­kaVer­hand­lun­gen zu­stan­de. Je­der ver­sucht, den an­de­ren zu schwä­chen, es herrscht pu­res Miss­trau­en. Die CSU - ge­trie­ben von der Angst vor ei­ner his­to­ri­schen Nie­der­la­ge bei der Land­tags­wahl in Bay­ern - fährt ei­nen selbst­zer­stö­re­ri­schen Kurs.

Der Nie­der­gang der So­zi­al­de­mo­kra­tie hat sich in die­sem Bünd­nis noch ein­mal be­schleu­nigt. In den Um­fra­gen steckt die SPD im Bund bei un­ter 20 Pro­zent fest. In den Län­dern - vor al­lem im Os­ten und Sü­den der Re­pu­blik - hat sie mit Um­fra­ge-Er­geb­nis­sen von nur noch knapp über zehn Pro­zent auf­ge­hört, Volks­par­tei zu sein. An der La­ge gibt es nichts mehr zu be­schö­ni­gen: Die SPD be­fin­det sich mit­ten im Exis­tenz­kampf. Das Ver­trau­en ins Füh­rungs­duo Andrea Nah­les und Olaf Scholz schwin­det mit je­dem Mo­nat. Die Welt, Berlin Der wach­sen­de Un­mut der SPD über An­ge­la Mer­kel ist nur all­zu ver­ständ­lich. Das Land ist in Auf­ruhr, der Kanz­le­rin fehlt das ent­spre­chen­de Ge­spür, sie weiß nicht, wo­hin. Sie ist pro­gram­ma­tisch blank, lässt es an po­li­ti­scher Ori­en­tie­rung und Füh­rung ver­mis­sen. Mer­kel lässt sich von der CSU und von ei­nem Be­hör­den­chef auf der Na­se her­um­tan­zen. Nun aber hat die SPD Mer­kel erst im März zur Kanz­le­rin ge­wählt, üb­ri­gens zum drit­ten Mal ein Mal öf­ter als Ger­hard Schrö­der.

Das Ge­me­cker der SPD über Mer­kel ist so lan­ge sub­stanz­los, so­lan­ge sie nicht wild ent­schlos­sen ist, die Ko­ali­ti­on plat­zen zu las­sen und not­falls Neu­wah­len zu ris­kie­ren. Für ei­nen sol­chen Wahl­kampf aber man­gelt es der SPD an Pro­gramm, Per­son und Or­ga­ni­sa­ti­on. Vor al­lem aber fehlt den So­zi­al­de­mo­kra­ten das wich­tigs­te Ka­pi­tal, das er­folg­rei­che Po­li­ti­ker be­nö­ti­gen, näm­lich: Ver­trau­en. Ta­ges­spie­gel, Berlin Das ist wie­der mal na­he an der po­li­ti­schen Bank­rott­er­klä­rung. Da for­dern sie in der SPD-Spit­ze voll­mun­dig den Rück­zug des Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten we­gen sei­ner Äu­ße­run­gen zur Schan­de von Chem­nitz – und der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter von der CSU hält an ihm fest. Da wi­der­spricht eben die­ser Prä­si­dent, ein po­li­ti­scher Be­am­ter, aber kein Po­li­ti­ker, der Bun­des­kanz­le­rin in ih­rer kri­ti­schen Ein­schät­zung der Er­eig­nis­se in Sach­sen – und er bleibt auch im Amt, weil die Kanz­le­rin das hin­nimmt.

Die SPD müss­te, wenn sie sich selbst ernst nimmt, bei ih­rem tief­ge­hen­den Dis­sens mit dem In­nen­mi­nis­ter die Ko­ali­ti­on ver­las­sen; oder sie hat es nicht so ge­meint und dann muss man sie nicht mehr ernst neh­men. Die Bun­des­kanz­le­rin ist in ei­ner ähn­li­chen Zwangs­la­ge wie die SPD und darf sich von Amts we­gen kei­nen wei­te­ren Au­to­ri­täts­ver­lust leis­ten, we­der ge­gen­über dem In­nen­mi­nis­ter noch ge­gen­über dem Ver­fas­sungs­schutz­chef. Sie müss­te auf des­sen De­mis­si­on be­ste­hen, und soll­te sich der In­nen­mi­nis­ter wei­gern, ihn ent­las­sen. Das aber wagt sie nicht, weil der CSU-Vor­sit­zen­der ist. Neue Osnabrücker Zei­tung Hat­ten wir das nicht schon? Die SPD droht, we­gen der Cau­sa Maa­ßen aus der Gro­ßen Ko­ali­ti­on aus­zu­stei­gen. Schon vor der Som­mer­pau­se hat­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten die Chan­ce, im Asyl­streit das Bünd­nis mit er­ho­be­nem Kopf zu be­en­den, sie ha­ben sie ver­passt. Auch jetzt sieht es so aus, als wür­de die SPD aus Macht­gier und Angst vor Stim­men­ver­lus­ten den Dro­hun­gen kei­ne Ta­ten fol­gen las­sen. Bei den nächs­ten Wah­len wird sie vom Wäh­ler die saf­ti­ge Quit­tung für ihr Zau­dern be­kom­men.

Die Gro­ko als Zweck­bünd­nis, das kei­ner woll­te, ist erst sechs Mo­na­te an der Macht und nichts funk­tio­niert. Es herrscht Miss­trau­en, stän­dig steht der Bruch der Ko­ali­ti­on im Raum, auch wenn die Kanz­le­rin ge­bets­müh­len­ar­tig er­klärt, dass ge­nau das nicht pas­sie­ren wer­de. Aber wer glaubt das wirk­lich noch?

Nicht nur die SPD, auch die Uni­on gibt ein ver­hee­ren­des Bild ab. Die Kanz­le­rin wirkt kraft­los, ihr Re­gie­ren ist mehr ein Re­agie­ren. Ihr Ver­hält­nis zu Horst See­ho­fer, der schon vor Mo­na­ten öf­fent­lich er­klär­te, er kön­ne mit die­ser Frau nicht mehr ar­bei­ten, ist kei­nes mehr. Nur mit Blick auf die baye­ri­sche Land­tags­wahl ka­schiert die Uni­on not­dürf­tig Kon­flik­te. Doch spä­tes­tens nach dem zu er­war­ten­den schlech­ten Ab­schnei­den der CSU am 14. Ok­to­ber dürf­te See­ho­fer als Mi­nis­ter Ge­schich­te sein.

Der nüch­ter­ne Blick zeigt: Die Gro­ko ist nicht mehr hand­lungs­fä­hig und lähmt die Re­pu­blik. Es ist an der Zeit für ei­ne neue, tat­kräf­ti­ge Re­gie­rung mit an­de­ren Part­nern.

Newspapers in German

Newspapers from USA

© PressReader. All rights reserved.