Wie ei­ne Hetz­jagd: Mit­tel­meer­strän­de mu­tie­ren zu Nicht­rau­cher­zo­nen

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Rauch­ver­bo­te in Re­stau­rants gel­ten in Eu­ro­pa schon seit

ah­ren - aber jetzt ge­hen Mit­tel­meer­län­der noch wei­ter: uch an Strän­den sind Kip­pen zu­neh­mend un­er­wünscht. Die Tou­rioch­burg Llo­ret de Mar macht nun auch mit. ie ist der Stand in Spa­ni­en, Frank­reich und Ita­li­en - und war­um ist hin­ge­gen Sau­fen am Strand nach wie vor hip

Für die ei­nen ist ein Zi­ga­rett­chen am Strand der pu­re Ur­laubs­ge­nuss, für an­de­re sind Qualm und Kip­pen im Sand der reins­te Alp­traum. In Spa­ni­en wer­den der­zeit Ru­fe nach „pla­y­as sin hu­mo“(rauch­frei­en Strän­den) im­mer lau­ter, um spe­zi­ell Fa­mi­li­en mit Kin­dern wäh­rend der Fe­ri­en ein Am­bi­en­te oh­ne Rauch und Zi­ga­ret­ten­stum­mel zu ga­ran­tie­ren. Die Fla­sche Bier oder Wod­ka stört aber nie­man­den. Selt­sam...

Im­mer mehr Ge­mein­den kom­men der For­de­rung nach, so in die­sem Som­mer auch der be­rühm­te Ba­de­ort Llo­ret de Mar in Ka­ta­lo­ni­en. In der an­ge­sag­ten Par­ty-Hoch­burg wur­de das Rau­chen am ge­sam­ten Strand „Sa Boa­del­la“so­wie an vier Strand­ab­schnit­ten un­ter­sagt - das Trin­ken von Al­ko­hol na­tür­lich nicht.

„Sein Hand­tuch aus­brei­ten zu kön­nen, oh­ne zu be­fürch­ten es auf Zi­ga­ret­ten­kip­pen ab­zu­le­gen, ist et­was, für das man auf der gan­zen Welt dank­bar ist“, sag­te der zu­stän­di­ge Stadt­rat Jor­di Oro­bitg spa­ni­schen Me­di­en. In meh­re­ren Spra­chen ver­fass­te Ban­ner wei­sen Ba­de­gäs­te auf das Ver­bot hin, Bür­ger­be­auf­trag­te in­for­mie­ren die Ur­lau­ber zu­dem di­rekt über die neue Re­ge­lung.

Das Rat­haus ha­be ei­ni­ge Be­schwer­den er­hal­ten, je­doch über­wie­ge der Zu­spruch der Fe­ri­en­gäs­te, be­ton­te Oro­bitg. Er hofft, dass Llo­ret de Mar - das jähr­lich stol­ze 1,3 Mil­lio­nen Be­su­cher zählt - zur wei­te­ren Ver­brei­tung rauch­frei­er Strand­zo­nen in Spa­ni­en bei­tra­gen kann.

Vor­rei­ter der Idee war die Re­gi­on Ga­li­ci­en im Nord­wes­ten des Lan­des, wo be­reits 2012 ei­ne sol­che Maß­nah­me ge­star­tet wur­de. Heu­te führt die Re­gi­on das Ran­king deut­lich an: An 79 Strän­den - im­mer­hin 11,5 Pro­zent al­ler dor­ti­gen Strän­de - ist Rau­chen ver­bo­ten. An zwei­ter Stel­le folgt Ka­ta­lo­ni­en, wo zwölf Strän­de kom­plett frei von Zi­ga­ret­ten sind oder sein sol­len. Auch in der Re­gi­on Mur­cia im Süd­os­ten, auf Ibi­za und der Ka­na­ren­in­sel Gran Ca­na­ria gibt es be­reits ver­ein­zelt ent­spre­chen­de Ver­bo­te - Al­ko­hol ist in­des er­laubt.

Auf Mallor­ca hin­ge­gen gibt es noch kei­ne Ge­mein­de, die Rau­chen an Strän­den ver­bie­tet, wie ei­ne Spre­che­rin des Ver­ban­des der Kom­mu­nen FELIB be­stä­tig­te. Neu hin­zu­ge­kom­men ist statt­des­sen im Som­mer 2018 An­da­lu­si­en, wo ein 500 Me­ter lan­ger Strand­ab­schnitt in Mo­tril zur „pla­ya sin hu­mo“er­klärt wur­de.

Buß­gel­der wer­den bis­lang bei Ver­stö­ßen aber nicht ver­hängt, da dies im spa­ni­schen An­ti-Ta­bak-Ge­setz nicht vor­ge­se­hen ist. Nur Gran Ca­na­ria bil­det ei­ne Aus­nah­me: Dort kos­tet das Qual­men am rauch­frei­en Strand bis zu 450 Eu­ro. Und wie schaut es in an­de­ren Mit­tel­meer­län­dern aus?

In FRANK­REICH hat die Stadt Niz­za an der be­lieb­ten Cô­te d‘Azur schon vor Jah­ren ei­nen Strand zur Nicht­rau­cher­zo­ne er­klärt. In­zwi­schen sind Zi­ga­ret­ten an et­wa 50 Küs­ten­ab­schnit­ten nicht will­kom­men.

Auch im na­he ge­le­ge­nen Can­nes wur­den zwei Strand­ab­schnit­te zur Nicht­rau­cher­zo­ne er­klärt. Bei Ver­stö­ßen droht ein Buß­geld von 38 Eu­ro, wie es auf der Web­sei­te der Stadt heißt. In Cap Fer­ret am At­lan­tik hat die Ge­mein­de zwar an ei­nem Strand Schil­der „Strand oh­ne Ta­bak“auf­ge­stellt, setzt aber auf Frei­wil­lig­keit: „Das ist ein Test. Es gibt kein Ver­bot“, sag­te der Bür­ger­meis­ter. „Wir hof­fen dass die Leu­te ver­ste­hen wer­den, dass man die Um­welt und sei­ne Nach­barn re­spek­tie­ren muss.“

In der Haupt­stadt Pa­ris wer­den der­zeit üb­ri­gens Nicht­rau­cherParks ge­tes­tet. In sechs öf­fent­li­chen Grün­an­la­gen soll dort zu­nächst für vier Mo­na­te nicht ge­raucht wer­den. Buß­gel­der für Rau­cher sind al­ler­dings auch dort nicht vor­ge­se­hen. Die gro­ßen, auch von vie­len Pa­risUr­lau­bern fre­quen­tier­ten Parks wie der Tui­le­ri­en­gar­ten ne­ben dem Lou­vre-Mu­se­um oder der Jar­din du Lu­xem­bourg sind nicht be­trof­fen.

Auch in ITA­LI­EN gibt es rauch­freie Strän­de vom nord­ita­lie­ni­schen Li­gu­ri­en bis ins süd­li­che Ka­la­bri­en. In Bi­bi­o­ne an der Adria be­scher­te das Pro­jekt „Re­spi­ra il ma­re“(Deutsch et­wa: „At­me Mee­res­luft“) 2014 dem Land den ers­ten rauch­frei­en Strand über­haupt. Ein kom­mu­na­les Ge­setz sieht in dem be­lieb­ten Ba­de­ort vor, dass auf dem Strand­ab­schnitt zwi­schen Meer und der ers­ten Son­nen­schirm-Rei­he nicht ge­raucht wer­den darf. Un­ter den Son­nen­schir­men ist das Qual­men zwar noch er­laubt, Rau­cher wur­den die­ses Jahr aber ge­be­ten, auch dort die Fin­ger von ih­ren Kip­pen zu las­sen.

„Das Ge­setz wur­de gut auf­ge­nom­men. Bis jetzt hat sich nie­mand be­schwert“, be­tont ei­ne Spre­che­rin des Tou­ris­mus­bü­ros in Bi­bi­o­ne. Laut ita­lie­ni­schen Me­di­en fan­gen die Buß­gel­der bei 25 Eu­ro an. Der Bür­ger­meis­ter von Bi­bi­o­ne sag­te 2017: „Al­le ha­ben mit­ge­ar­bei­tet, Rau­cher und Nicht­rau­cher, und bis heu­te muss­ten wir nicht ei­ne Stra­fe ver­hän­gen.“

Das Weg­wer­fen von Zi­ga­ret­ten­stum­meln ist an Strän­den in ganz Ita­li­en ver­bo­ten und wird mit Stra­fen von bis zu 300 Eu­ro ge­ahn­det. Dar­an hal­ten sich al­ler­dings nur die we­nigs­ten, vor al­lem an den frei zu­gäng­li­chen Strän­den lie­gen oft hau­fen­wei­se Kip­pen zwi­schen Sand und St­ei­nen.

Das gilt al­ler­dings auch für Bier­fla­schen und an­de­re Al­ko­hol­hin­ter­las­sen­schaf­ten - und das ist kaum un­ap­pe­tit­li­cher als das, was Rau­cher nicht mit­neh­men, sei­en es Kip­pen oder Zi­ga­ret­ten­schach­teln. Aber das Trin­ken von Al­ko­hol oder so­gar re­gel­rech­te Sau­fen ist nach wie vor hip und - im Ge­gen­satz zum Rau­chen - im­mer noch ge­sell­schafts­fä­hig, ob­wohl der Al­ko­hol­kon­sum we­sent­lich mehr Ge­fah­ren birgt als das von fast al­len Sei­ten ver­teu­fel­te Rau­chen. Wer sich ei­ne Kip­pe am Strand an­steckt, der könn­te sich näm­lich schon bald re­gel­rech­ten Hetz­jag­den aus­ge­setzt se­hen.

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