Die­sel-Af­fä­re und kein En­de Schar­fe Kri­tik an Ko­ali­ti­on

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Se­hen so Krie­ge der Zu­kunft aus? Über der Ost­see lässt Air­bus ei­nen Droh­nen­Schwarm als mög­li­che Be­glei­tung von Kampf­flug­zeu­gen in die Luft stei­gen. Tech­ni­ker spre­chen von ei­nem vol­len Er­folg.

Droh­nen im For­ma­ti­ons­flug: Der eu­ro­päi­sche Flug­zeug­bau­er Air­bus hat an der Ost­see­küs­te die Be­glei­tung von Kampf­flug­zeu­gen durch un­be­mann­tes Flug­ge­rät ge­tes­tet. Die Droh­nen sol­len spä­ter die Be­sat­zung der Flug­zeu­ge un­ter­stüt­zen, in­dem sie auf­klä­ren, geg­ne­ri­sches Ra­dar und Kom­mu­ni­ka­ti­on stö­ren und auch sel­ber Zie­le be­kämp­fen - vor­aus­ge­setzt sie wer­den be­waff­net, was mög­lich ist, aber po­li­tisch auch um­strit­ten sein könn­te. Noch han­delt es sich bei dem Test um mi­li­tä­ri­sche For­schung.

„Dies war der ers­te rea­le Test in Eu­ro­pa, der ope­ra­ti­ve An­wend­bar­kei­ten von sol­chen Droh­nen-Schwär­men für die Luft­waf­fe de­mons­trier­te - und es ist su­per ge­lau­fen, ein vol­ler Er­folg“, sag­te der Pro­jekt­lei­ter der De­mons­tra­ti­on, der Luft- und Raum­fahr­tin­ge­nieur Tho­mas Gott­mann. Vor­tei­le: Man braucht we­ni­ger Pi­lo­ten, sie wer­den bes­ser ge­schützt, die Ef­fi­zi­enz von Ein­sät­zen steigt. Nach­teil: Die gro­ße Kom­ple­xi­tät des Sys­tems. Spä­ter sol­len so­gar meh­re­re Droh­nen-Schwär­me mit je ei­nem Jet ver­netzt agie­ren kön­nen.

Mi­li­tärs der Bun­des­wehr, aus Frank­reich und Spa­ni­en wa­ren Gäs­te der Leis­tungs­schau von Air­bus De­fence and Space, dem mi­li­tä­ri­schen Zweig des Flug­zeug­bau­ers. Sie zeig­ten sich von den Op­tio­nen be­ein­druckt, die per Po­wer­poin­tPrä­sen­ta­ti­on dar­ge­legt wur­den.

Dann hob auf dem Mi­li­tär­flug­platz Hohn bei Rends­burg ein Le­ar­jet ab, voll­ge­packt mit Elek­tro­nik und dem kom­plet­ten Cock­pit ei­nes Tor­na­do-Kampf­flug­zeugs. Et­wa 70 Ki­lo­me­ter ent­fernt star­te­ten auf dem Trup­pen­übungs­platz To­den­dorf di­rekt an der Ost­see im Kreis Ost­hol­stein von Ka­ta­pul­ten aus ei­ne Vi­deo-Droh­ne für die Do­ku­men­ta­ti­on und fünf Ein­satz­droh­nen.

Die­se sind et­wa drei Me­ter lang, ha­ben ei­ne Spann­wei­te von et­wa 3,50 Me­tern und wie­gen 150 Ki­lo­gramm. Sie flie­gen 360 km/h schnell. Künf­ti­ge Droh­nen wer­den fast Über­schall flie­gen kön­nen, bis zu zwei Ton­nen schwer sein und auch von Schif­fen oder Be­gleit­flug­zeu­gen aus­ge­setzt wer­den.

We­gen der grau­en Wol­ken­de­cke ist am Him­mel prak­tisch nichts zu se­hen. Auf den Bild­schir­men ist als Com­pu­ter­dar­stel­lung zu se­hen, wie die zu­vor an­ge­kün­dig­ten De­mons­tra­tio­nen ge­lin­gen: Die Droh­nen sam­meln sich zu ei­ner „Mis­si­on Group“und bil­den ei­nen For­ma­ti­ons­flug. Schließ­lich geht es dar­um, Be­dro­hun­gen am Bo­den ge­nau­er zu er­ken­nen. Es wird auch si­mu­liert, dass ei­ne Droh­ne ab­ge­schos­sen wird und ei­ne an­de­re Droh­ne de­ren Auf­ga­ben über­nimmt. Al­le Droh­nen lan­den an Fall­schir­men auf dem Trup­pen­übungs­platz, der Le­ar­jet fliegt zu­rück nach Holm.

„Wir er­for­schen die Ein­satz­mög­lich­kei­ten von un­be­mann­ten Droh­nen für ei­ne mo­der­ne Luft­kampf­stra­te­gie der Zu­kunft“, er­läu­tert Flo­ri­an Taitsch, Spre­cher von Air­bus De­fence and Space. Die ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te sei­en in die­sem Be­reich be­reits recht weit, aber auch Chi­ne­sen und Rus­sen dürf­ten ent­spre­chend for­schen. In­ge­nieu­re bei Air­bus ar­bei­ten seit 18 Jah­ren an Droh­nen.

Bis zum Jahr 2025 dürf­te Air­bus ein Droh­nen-Be­gleit­sys­tem für Kampf­flug­zeu­ge ent­wi­ckelt ha­ben, sag­te Ta­isch. Dies könn­te dann auch ei­ne Op­ti­on für ein neu­es eu­ro­päi­sches Kampf­flug­zeug sein. Die Flug­zeug­bau­er Air­bus und Das­sault ha­ben da­zu ei­ne deutsch-fran­zö­si­sche Ko­ope­ra­ti­on ver­ein­bart. „Wir wol­len stra­te­gi­sche Au­to­no­mie für Eu­ro­pa“, so Das­sault-Chef Eric Trap­pier.

Er­war­tet wird, dass die Bun­des­wehr ih­re Tor­na­dos 2025 au­ßer Di­enst stellt. Un­ge­klärt ist, ob zu­sätz­li­che Euro­figh­ter ih­re Funk­tio­nen über­neh­men oder ob ein ame­ri­ka­ni­sches Flug­zeug ge­kauft wird. Die Droh­nen-Schwär­me könn­ten aber be­reits Ver­wen­dung fin­den, wenn dies von den Mi­li­tärs ge­wollt wer­de, so Ta­isch wei­ter.

Nach jah­re­lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Bun­des­tag hat­ten Uni­on und SPD erst im Ju­ni den Weg für die Be­schaf­fung von Kampf­droh­nen frei ge­macht. Die Ab­ge­ord­ne­ten des Haus­halts­aus­schus­ses be­schlos­sen die An­mie­tung is­rae­li­scher Kampf­droh­nen des Typs „He­ron TP“für fast ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Da­mit er­hält die Luft­waf­fe erst­mals un­be­mann­te Flug­zeu­ge, die auch Waf­fen tra­gen kön­nen.

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