Chris­tia­ne Hör­bi­ger wur­de 80: Gro­ße Da­me und Wei­ßer Clown

Amerika Woche - - Leute-extra -

Schau­spie­le­rin Chris­tia­ne Hör­bi­ger ist seit Jahr­zehn­ten ei­ne Grö­ße ih­res Fachs. „Wei­ter­ma­chen, ein­fach wei­ter­ma­chen - nicht ste­hen­blei­ben und grü­beln, son­dern nach vor­ne schau­en“, so et­wa lau­te ihr Da­seins­mot­to, das sie sich im Lau­fe der Zeit er­ar­bei­tet ha­be, sag­te sie zu ih­rem 80. Ge­burts­tag am 13. Ok­to­ber.

Die Ös­ter­rei­che­rin, die auch in Deutsch­land ein ge­fei­er­ter Fern­seh­star („Das Er­be der Gul­den­burgs“) ist, hat im­mer wie­der An­lass ge­habt, sich auf die­se Wei­se Mut zu ma­chen. Ihr lang­jäh­ri­ger Part­ner Ger­hard Töt- schin­ger starb 2016. Ihr zwei­ter Ehe­mann, der Schwei­zer Jour­na­list Rolf Big­ler, war be­reits 1978 mit 48 Jah­ren ge­stor­ben.

Ih­ren Sohn, den heu­ti­gen Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Sa­scha Big­ler (50, „Der Win­zer­kö­nig“), zog sie an­schlie­ßend al­lei­ne groß. Un­ter sei­ner Re­gie war die Künst­le­rin, die im Fe­bru­ar die Gol­de­ne Ka­me­ra für ihr Le­bens­werk er­hal­ten hat, an­läss­lich ih­res Eh­ren­tags im ZDF im raf­fi­nier­ten Kri­mi „Die Mu­se des Mör­ders“zu se­hen. Im lau­ni­gen ARD-Fa­mi­li­en­strei­fen „Ein­mal Sohn, im­mer Sohn“spiel­te Se­bas­ti­an Bez­zel vor kur­zem ih­ren Film­sohn.

Auf­ge­wach­sen ist die Toch­ter der be­rühm­tes­ten Schau­spie­l­er­dy­nas­tie Ös­ter­reichs mit ih­ren eben­falls er­folg­rei­chen Schwes­tern Eli­sa­beth Orth (82) und Ma­re­sa Hör­bi­ger (73) im Wie­ner Heu­ri­gen-Vier­tel Grin­zing. Auch ih­re El­tern Pau­la Wes­se­ly (1907-2000) und At­ti­la Hör­bi­ger (1896-1987) hat­ten be­reits gro­ße Kar­rie­ren hin­ge­legt.

In den 50er Jah­ren kauf­ten die El­tern für Chris­tia­ne ei­ne Kon­di­to­rei, weil sie für ih­re Zu­kunft ganz an­de­re Plä­ne hat­ten. Doch die Toch­ter be­gann ei­ne Schau­spiel­aus­bil­dung am Ma­xRein­hardt-Se­mi­nar in Wi­en, die sie al­ler­dings ab­brach und Un­ter­richt durch Pri­vat­leh­rer nahm. Im Film de­bü­tier te Hör­bi­ger 1955 in „Der Ma­jor und die Stie­re“von Edu­ard von Bor­so­dy.

Ih­ren ers­ten Thea­ter­auf­tritt hat­te sie 1959 als Recha in Les­sings Klas­si­ker „Nat­han der Wei­se“am Burg­thea­ter - ein Miss­er­folg. Wäh­rend ih­rer Büh­nen­lauf­bahn bril­lier­te Hör­bi­ger un­ter an­de­rem bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len von 1969 bis 1972 als Buhl­schaft des „Je­der­mann“. Von 1967 bis 1985 war sie am Schau­spiel­haus Zü­rich en­ga­giert.

Ab Mit­te der 80er Jah­re wid­me­te sich die dis­zi­pli­nier­te Mi­min ver­stärkt ih­rer Film- und Fern­seh­kar­rie­re und be­geis­ter­te vie­le Men­schen in der Rol­le der Grä­fin von Gul­den­burg in der ZDF-Kult­se­rie „Das Er­be der Gul­den­burgs“(1987-1990).

Das für sie ty­pi­sche Fach der ge­le­gent­lich auch ein we­nig me­lan­cho­li­schen Gran­de Da­me hat Hör­bi­ger zu­letzt hin­ter sich ge­las­sen. Un­ter der Re­gie von Flo­ri­an Bax­mey­er war sie als Ob­dach­lo­se in der ARD in den Dra­men „Auf der Stra­ße“(2015) und als Sui­zid­ge­fähr­de­te in „Die letz­te Rei­se“(2017) zu er­le­ben.

Die viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Künst­le­rin mach­te auch im Ki­no Fu­ro­re, so un­ter an­de­rem an der Sei­te von Götz Ge­or­ge als Hermann Gö­rings an­geb­li­che Nich­te Freya von Hepp in Hel­mut Dietls Hit­ler-Ta­ge­buch-Sa­ti­re „Sch­tonk!“(1992).

In Zu­kunft wol­le sie be­ruf­lich kür­zer­tre­ten, län­ge­re Ur­lau­be als bis­her in ih­rer Miet­fe­ri­en­woh­nung am Wolf­gang­see ge­nie­ßen und die Strö­mun­gen in ih­rem Be­ruf eher von wei­tem be­ob­ach­ten, so Hör­bi­ger. Seit 2003 ist die Groß­mut­ter ei­nes En­kels zu­dem UNICEF-Bot­schaf­te­rin für Ös­ter­reich und en­ga­giert sich auch für die in­ter­na­tio­nal ak­ti­ve Deut­sche Krebs­hil­fe. Ih­re Er­in­ne­run­gen hat Hör­bi­ger be­reits 2008 im Buch „Ich bin der Wei­ße Clown“ver­öf­fent­licht.

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