Char­mant, wit­zig und selbst­iro­nisch: Gi­se­la Schnee­ber­ger wur­de 70

Amerika Woche - - Promi Special -

Schu­le, das war nichts für Gi­se­la Schnee­ber­ger. Statt brav in der Bank zu sit­zen, sorg­te sie lie­ber für Stim­mung. „In der Schu­le war ich der Klas­sen­kas­perl“, be­kann­te die Schau­spie­le­rin vor gut ei­nem Jahr. Nur ei­ne Sa­che war ihr an der Schu­le wich­tig: Die Thea­ter­grup­pe. So ist es kein Wun­der, dass die auf­säs­si­ge Schü­le­rin nach dem Abitur ih­re Lei­den­schaft zum Be­ruf mach­te nicht zu­letzt, weil Thea­ter­pro­ben nicht in al­ler Frü­he be­gin­nen.

„Ich bin nie gern früh auf­ge­stan­den und das war dann glau­be ich der Knack­punkt“, scherzt Schnee­ber­ger in der Sen­dung „Zwi­schen Spes­sart und Kar­wen­del“im BR Fern­se­hen. An­lass war der 70. Ge­burts­tag, den die um­trie­bi­ge Münch­ne­rin am 3. Ok­to­ber fei­er­te.

Schnee­ber­ger wur­de in Dollnstein na­he Eich­stätt ge­bo­ren, wuchs dann aber in Mün­chen auf. Sie war die Jüngs­te von drei Mäd­chen. Der Va­ter war Rich­ter und leg­te Wert auf Au­to­ri­tät, die Mut­ter war Haus­frau. Die Schau­spie­le­rin ist der Be­weis da­für, dass gu­te No­ten und Brav­sein in der Schu­le nicht un­be­dingt not­wen­dig sind, um be­rühmt zu wer­den und dass man­che Ta­len­te nicht mit No­ten zu mes­sen sind. Zwei­mal blieb sie wäh­rend ih­rer Schul­zeit sit­zen. Das Abitur schaff­te sie den­noch - 1970 mit 21 Jah­ren.

Zu­nächst schrieb sie sich an der Uni­ver­si­tät in Mün­chen für Psy­cho­lo­gie ein, folg­te dann aber ih­rer wah­ren Be­ru­fung: der Schau­spie­le­rei. 1971 be­kam sie ei­nen Platz an der re­nom­mier­ten Ot­to-Fal­cken­berg-Schu­le in Mün­chen, 1976 folg­te ihr ers­tes En­ga­ge­ment am Schil­ler­thea­ter in Ber­lin.

„Ich hät­te schon im­mer gern die schö­nen Prin­zes­sin­nen ge­spielt“, so Schnee­ber­ger. Doch dar­aus wur­de nicht wirk­lich was. Ih­re Rol­len sind meist so quir­lig, wie sie selbst. So war es kein Wun­der, dass sie mit dem Ka­ba­ret­tis­ten Ger­hard Polt gro­ße Er­fol­ge fei­er­te. Ab 1975 ar­bei­te­ten sie zu­sam­men, auch mit Schnee­ber­gers da­ma­li­gem Ehe­mann, dem Re­gis­seur Hanns Chris­ti­an Mül­ler. 1979 brach­ten sie im Werk­raum der Münch­ner Kam­mer­spie­le die bit­ter­bö­se Ge­sell­schafts­sa­ti­re „Kehr­aus“auf die Büh­ne, die 1983 ver­filmt wur­de.

Vie­le bis­si­ge und meist sehr ver­gnüg­li­che Auf­trit­te folg­ten, et­wa in der TV-Se­rie „Fast wia im rich­ti­gen Le­ben“, im Thea­ter­stück „Mün­chen leuch­tet“oder in der Ur­laubs­sa­ti­re „Man spricht deutsh“, mit Polt und Schnee­ber­ger als Spie­ßer-Ehe­paar in Ita­li­en.

Als sich ih­re We­ge trenn­ten, blieb die Münch­ne­rin ge­fragt. In Hel­mut Dietls Kult­se­rie „Mo­na­co Fran­ze“sorg­te sie als ei­fer­süch­ti­ge El­li für Wir­bel - und für das ge­flü­gel­te Wort „Im­mer des Gschiss mit der El­li“. Mit Do­ris Dör­rie dreh­te sie die Ko­mö­die „Bin ich schön?“, stand mit Sen­ta Ber­ger für die TV-Se­rie „Die schnel­le Ger­di“vor der Ka­me­ra und war im TV-Kri­mi „Der Hahn ist tot“als Mör­de­rin zu se­hen.

Ein Über­ra­schungs­er­folg wur­de die Ki­no­ko­mö­die „Ei­ne ganz hei­ße Num­mer“, in der drei Frau­en in der Pro­vinz ei­ne Hot­li­ne für Te­le­fon­sex auf­zie­hen, um Geld zu ver­die­nen. 2019 soll die Fort­set­zung an­lau­fen. Im ZDF wird sie zu­dem in dem Zwei­tei­ler „Bier Roy­al“zu se­hen sein, in dem ei­ne Braue­rei-Fa­mi­lie ums Er­be strei­tet.

Schnee­ber­ger mit ih­rem char­man­ten Münch­ner Dia­lekt ist vie­len Zu­schau­ern ans Herz ge­wach­sen. Ih­re Frau­en­fi­gu­ren sind oft ei­gen­wil­lig und skur­ril, mit Ecken und Kan­ten. Oft sehr tem­pe­ra­ment­voll und warm­her­zig, dann wie­der ver­nünf­tig, ob­wohl es un­ter der be­herrsch­ten Ober­flä­che bro­delt. Ihr Spiel ist von gro­ßer Leich­tig­keit und sie be­sitzt die wun­der­ba­re Ga­be, über sich selbst la­chen zu kön­nen.

Mit ih­ren Fä­hig­kei­ten über­zeug­te sie die Ju­ro­ren des Grim­me-Prei­ses und des Deut­schen Schau­spie­ler­prei­ses. 2014 be­kam sie den Baye­ri­schen Fern­seh­preis für ih­re Rol­le in der TV-Se­rie „Im Schleu­der­gang“. Als Che­fin ei­nes Wasch­sa­lons er­lebt sie dar­in die Freu­den und Dra­men des All­tags.

„Schnee­ber­ger lebt al­le ih­re Rol­len in un­nach­ahm­li­cher Ma­nier“, lob­te die Ju­ry da­mals. Sie spie­le die Schwa­bin­ger Un­ter­neh­me­rin „mit Witz, Tem­pe­ra­ment, At­trak­ti­vi­tät und Re­so­lut­heit iro­nisch und sich selbst per­si­flie­rend zugleich“. War­um ihr das so leicht fällt? „Ich ha­be ganz vie­le so pe­ni­ble, spie­ßi­ge auch klein­ka­rier­te Sa­chen in mir“, räumt sie jetzt ein. „Aber ich kann‘s auch zu­ge­ben.“

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