2CV für‘s Glück - Die En­te wird 70

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Amerika Woche - - Kaleidoskop -

Ja, ich weiß wo­von ich re­de bzw. schrei­be: Auch mein ers­tes Au­to war ei­ne 2CV, ei­ne quietsch­grü­ne En­te, art­ge­recht mit Re­vol­ver­schal­tung, Klapp­fens­tern und Falt­ver­deck - ei­nes der schöns­ten und tolls­ten Au­tos, die ich je hat­te.

Am 7. Ok­to­ber 1948 wur­de der 2CV auf dem Pa­ri­ser Au­to­sa­lon vor­ge­stellt und zu­nächst be­lä­chelt. Aber es war der Be­ginn ei­nes Sie­ges­zugs, die „deux chevaux“- zu Deutsch: 2 Pfer­de - wur­de zum mil­lio­nen­fach ver­kauf­ten Ren­ner.

„Wir ha­ben in der Sze­ne ei­nen klei­nen Slo­gan: Das ist kein Au­to, das ist ei­ne Le­bens­art“, sagt Xa­vier Au­d­ran vom Pa­ri­ser Club Gé­né­ra­ti­on 2CV!, ei­nem Zu­sam­men­schluss von En­ten-Lieb­ha­bern - und ich muss ihm völ­lig Recht ge­ben. Wie ger­ne hät­te ich heu­te noch ei­ne En­te. Für den 50-Jäh­ri­gen Au­d­ran ist der klei­ne Ci­tro­ën auch das Au­to der Wahl, wenn es et­wa in den Ur­laub an die Cô­te d‘Azur geht. Aber auch bis nach Sank­tPe­ters­burg ist er mit ihm schon ge­fah­ren. Er schwärmt von der Be­schei­den­heit der En­te und da­von, dass man mit ihr schnell mit an­de­ren Leu­ten ins Ge­spräch kom­me.

Au­d­ran ist nicht al­lein: Das Au­to wird zwar seit 1990 nicht mehr her­ge­stellt, doch ei­ne re­ge Fan-Sze­ne hält den My­thos am Le­ben - auch in Deutsch­land. Al­le zwei Jah­re kom­men Hun­der­te mit ih­ren En­ten bei ei­nem Deutsch­land­tref­fen zu­sam­men, zu­letzt An­fang Au­gust in Dinslaken. Man­cher Lieb­ha­ber hat so­gar das ty­pi­sche Mo­to­ren­ge­räusch der En­te im In­ter­net hoch­ge­la­den. Ein Jour­na­lis­ten­kol­le­ge be­zeich­ne­te die En­te ein­mal als „Kult­ge­fährt sanft­mü­ti­ger Leis­tungs­ver­wei­ge­rer des Stra­ßen­we­sens“.

Dem Her­stel­ler Ci­tro­ën ging es ur­sprüng­lich um ein güns­ti­ges, funk­tio­na­les Fahr­zeug für das Volk. Fir­men­chef Pier­reJu­les Bou­lan­ger woll­te ein Au­to, das vier Per­so­nen und 50 Ki­lo Kar­tof­feln mit Tem­po 60 und „ein­wand­frei­em Kom­fort“trans­por­tie­ren kann. Schon 1938 gab es ers­te Fahr­tests, doch dann ka­men der Krieg und die deut­sche In­va­si­on: Die ver­blie­be­nen Pro­to­ty­pen des“Tou­te Pe­ti­te Voi­tu­re“(ganz klei­nes Fahr­zeug) wur­den aus­ein­an­der­ge­nom­men und ver­steckt.

Der Sie­ges­zug der spar­ta­ni­schen „Deu­che“, wie die Fran­zo­sen das Au­to nen­nen, be­gann in den 50er Jah­ren. Ins­ge­samt mehr als fünf Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge wur­den über die Jahr­zehn­te her­ge­stellt, auch ei­ne Lie­fer­wa­gen­ver­si­on.

Die Fran­zo­sen ver­bin­den die En­te mit den Auf­schwung­jah­ren der Nach­kriegs­zeit, den „30 glo­ri­eu­ses“(„30 glor­rei­chen Jah­ren“). Im Aus­land und ganz be­son­ders in der Bun­des­re­pu­blik ver­kör­per­te der 2CV ein Stück Frank­reich wie Rot­wein und Gau­loi­ses. Jun­ge Aben­teu­rer fuh­ren mit dem schau­keln­den Au­to um die Welt. Und die En­te wur­de zum Film­star: Lou­is de Fun­ès stieg als „Gen­darm von Sain­tTro­pez“eben­so in die sym­pa­thi­sche Wa­ckel­kis­te wie Ro­ger Moo­re als Ja­mes Bond im Film „In Töd­li­cher Mis­si­on“.

Der 2CV wur­de über die Jah­re im­mer wie­der an neue Farb­trends an­ge­passt, der Mo­tor wur­de deut­lich kräf­ti­ger - die Form blieb aber im­mer gleich. 1988 läu­te­te die Ein­stel­lung der Pro­duk­ti­on in Frank­reich dann das En­de ein, zwei Jah­re spä­ter roll­te in Por­tu­gal die letz­te En­te vom Band.

„Ich glau­be, es gibt we­ni­ge Au­tos, die so ein Sym­pa­thie-Ka­pi­tal her­vor­ru­fen“, sagt Flo­rent Dargnies, der Chef von „4 rou­es sous 1 pa­rap­lu­ie“. 40 En­ten lässt er durch Paris fah­ren, ähn­lich wie die Tra­biTou­ren in Ber­lin. Dargnies be­rich­tet von bis zu 25.000 Fahr­gäs­ten pro Jahr. Der Fir­men­ti­tel ist ein ne­cki­scher Spitz­na­me der En­te: „Vier Rä­der un­ter ei­nem Re­gen­schirm“. Ich weiß ge­nau, dass, wenn ich das nächs­te Mal in Paris bin, ich mir ei­ne da­von lei­hen wer­de. Oder wer weiß, viel­leicht kau­fe ich mir ja doch noch ein­mal ei­ne. Al­te Lie­be und so...

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