Die Par­al­lel­welt der Self-Pu­blis­her wird vom Buch­markt ent­deckt

Self- ublis­her stan­den lan­ge am and des Buch­markts. Doch das gilt nicht mehr. Die Sze­ne be­kommt zu­neh­mend Auf­merk­sam­keit - und es gibt im­mer mehr Aus­zeich­nun­gen. Zum eil mit or­dent­li­chen reis­gel­dern.

Amerika Woche - - Kultur -

Mo­ni­ka Pfund­mei­er (Fo­to) reckt strah­lend ih­ren klei­nen Sie­ger-Strauß aus Son­nen­blu­men in die Hö­he, als hät­te sie ei­ne Gold­me­dail­le bei den Olym­pi­schen Spie­len ge­won­nen. Ge­ra­de hat die Münch­ne­rin auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se für ihr Buch „Lö­wen­blut“den mit 10.000 Eu­ro do­tier­ten Self-Pu­blis­hing-Preis ge­won­nen. Es ist ein his­to­ri­scher Ro­man aus dem Mit­tel­al­ter über den letz­ten St­au­fer-Kö­nig Kon­ra­din.

Die Selbst-Ver­öf­fent­li­che­rin ge­hö­re zu den „stärks­ten Stim­men der Ge­gen­warts­li­te­ra­tur“, be­grün­det die Ju­ry den Preis. Die Au­to­rin aus Bay­ern sei von „ei­nem Bren­nen für die Li­te­ra­tur“er­füllt. Wie Pfund­mei­er neh­men im­mer mehr Schreiblus­ti­ge im Buch­markt ihr Schick­sal in die ei­ge­ne Hand. Oh­ne Ver­lags­hil­fe küm­mern sie sich nach der Fer­tig­stel­lung des Tex­tes um Gestal­tung und Ver­mark­tung ih­rer Bü­cher.

Es ist ein selt­sa­mes Phä­no­men: Die Zahl der Le­ser sinkt kon­ti­nu­ier­lich, zu­gleich wächst die Zahl der Ma­nu­skrip­te im Self­pu­blis­hing. Die­se Par­al­lel­welt hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enorm pro­fes­sio­na­li­siert. Es gibt nicht nur ei­nen ei­ge­nen Verband, son­dern auch Ver­la­ge wie Book on De­mand, die den Self­pu­blis­hern zur Sei­te ste­hen falls die­se das über­haupt wol­len. Auch ei­ni­ge gro­ße Pu­bli­kums­ver­la­ge ha­ben in­ner­halb ih­rer Häu­ser ei­ge­ne Platt­for­men ge­schaf­fen.

„Self­pu­blis­hing ist zu ei­ner re­le­van­ten Grö­ße ge­wor­den“, sagt Mar­kus Fer­tig, Spre­cher des Mar­ke­ting­un­ter­neh­mens MVB, ei­ner Toch­ter des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels. Kon­kre­te Ab­satz- und Um­satz­zah­len sei­en aber Man­gel­wa­re. Um Ei­gen­ver­öf­fent­li­cher und klas­si­schen Buch­han­del zu­sam­men­zu­brin­gen, hat die MVB den Preis aus­ge­lobt, den die­ses Mal Pfund­mei­er ge­won­nen hat. Ei­ne er­staun­li­che Zahl von 1100 Bü­chern wur­de ein­ge­reicht. Es gab ei­ne Long- und Short­list ge­nau wie beim gro­ßen Deut­schen Buch­preis.

Der Dach­ver­band der Buch­bran­che will mit sei­nem En­ga­ge­ment auch „Mo­no­po­li­sie­rungs­ten­den­zen“vor­beu­gen - und bringt sich da­mit ge­gen Ama­zon in Stel­lung. Der US-In­ter­ne­tkon­zern hat das Self­pu­blis­hing schon vor Jah­ren für sich ent­deckt. Au­to­ren wer­den dann an Ama­zon ge­bun­den. Die Bü­cher wer­den über das ei­ge­ne Sys­tem wie die di­gi­ta­le Platt­form Kind­le ver­trie­ben - und sind im tra­di­tio­nel­len Buch­han­del nicht er­hält­lich.

Auf der Buch­mes­se hat Ama­zon zum vier­ten Mal den mit ins­ge­samt 30.000 Eu­ro do­tier­ten „Kind­le Sto­ry­tel­ler Award“ver­ge­ben - un­ter an­de­rem mit Schwimm­le­gen­de Fran­zis­ka van Alm­sick als Ju­ro­rin. Über 1200 Wer­ke stan­den zur Wahl. „Die Sze­ne wird im­mer grö­ßer“, so Si­mo­ne Fors­ter von Ama­zon Pu­blis­hing. Ge­won­nen hat El­la Zeiss mit dem his­to­ri­schen Fa­mi­li­en­ro­man „Wie Grä­ser im Wind“.

Bei Ama­zon blei­ben den Au­to­ren beim Ab­satz ei­nes E-Books 70 Pro­zent der Tan­tie­men, wie Fors­ter sagt. Für Mo­ni­ka Pfund­mei­er bringt der Ver­kauf ih­rer ge­druck­ten Bü­cher im Buch­han­del auch mehr als üb­lich, da sie als Self­pu­blis­he­rin nichts an ei­nen Ver­lag zah­len muss. „Ich bin ger­ne mein ei­ge­ner Herr“, sagt sie.

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