Tür­kei: Aka­de­mi­ker und Ver­tre­ter der Zi­vil­ge­sell­schaft fest­ge­nom­men

Amerika Woche - - Global -

Mehr als zwei Jah­re nach dem an­geb­li­chen Putsch­ver­such in der Tür­kei ge­hen die Be­hör­den dort wei­ter ge­gen an­geb­li­che Staats­fein­de und Ter­ro­ris­ten vor. Die jüngs­ten Raz­zi­en tra­fen Aka­de­mi­ker, Mit­glie­der der Zi­vil­ge­sell­schaft, Sol­da­ten und Ima­me in vie­len Pro­vin­zen.

In ei­ner groß­an­ge­leg­ten Ak­ti­on gin­gen Be­am­te der Ab­tei­lung für or­ga­ni­sier­tes Ver­bre­chen zu­nächst ge­gen pro­mi­nen­te Aka­de­mi­ker und Mit­glie­der der Zi­vil­ge­sell­schaft vor. Die Ope­ra­ti­on rich­te­te sich ge­gen 20 Per­so­nen aus dem Um­feld des Vor­sit­zen­den des Kul­tur­in­sti­tuts Ana­do­lu Kül­tür, Os­man Ka­va­la. 13 der 20 Ge­such­ten sei­en fest­ge­nom­men wor­den.

Die Ak­ti­on lös­te international Pro­tes­te aus, un­ter an­de­rem der EU, der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Am­nes­ty International und des in­ter­na­tio­na­len Au­to­ren­ver­bands Pen. Ana­do­lu Kül­tür ar­bei­tet auch mit dem Goe­the-In­sti­tut in Istan­bul zu­sam­men.

Ka­va­la, ein re­nom­mier­ter Ge­schäfts­mann und In­tel­lek­tu­el­ler, war schon vor mehr als ei­nem Jahr fest­ge­nom­men wor­den. Seit­dem sitzt er oh­ne An­kla­ge­schrift in Un­ter­su­chungs­haft, was international scharf ver­ur­teilt wur­de. Ka­va­las An­wäl­te sa­gen, ihm wer­de vor­ge­wor­fen, in Ver­bin­dung mit Aus­län­dern ge­stan­den zu ha­ben, die ei­ne „Rol­le“beim Putsch­ver­such vom Ju­li 2016 ge­spielt ha­ben sol­len. Au­ßer­dem wer­de ihm im Zu­sam­men­hang mit den re­gie­rungs­kri­ti­schen Ge­ziPark-Pro­tes­ten von 2013 ver­such­ter „Um­sturz der Re­gie­rung“vor­ge­wor­fen.

Un­ter den Fest­ge­nom­me­nen soll auch der Vi­ze­chef von Ana­do­lu Kül­tür, Yi­git Ek­mek­ci, der De­kan ei­ner ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät und ei­ne pro­mi­nen­te Ma­the­ma­tik­pro­fes­so­rin sein. Drei der 13 In­haf­tier­ten sol­len an­geb­lich am spä­ten Abend wie­der frei­ge­las­sen, aber mit ei­ner Aus­rei­se­sper­re be­legt wor­den sein.

Spre­cher der EU nann­ten die Fest­nah­men der Aka­de­mi­ker und Ak­ti­vis­ten „alar­mie­rend“. Die Be­hör­den müss­ten „ei­ne sehr schnel­le Lö­sung“fin­den. Die EU wer­de die wie­der­hol­ten Fest­nah­men von Kri­ti­kern und den Druck auf Ver­tre­ter der Zi­vil­ge­sell­schaft wei­ter zum The­ma ma­chen - als nächs­tes bei ei­nem hoch­ran­gig be­setz­ten „Po­li­ti­schen Dia­log“un­ter an­de­rem mit der EU-Au­ßen­be­auf­trag­ten Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni.

Gleich­zei­tig wur­den im Rah­men von Ope­ra­tio­nen ge­gen an­geb­li­che Mit­glie­der der Be­we­gung des Pre­di­gers Fe­thul­lah Gü­len in Istan­bul wei­te­re 14 Per­so­nen we­gen „Ter­ror­fi­nan­zie­rung“fest­ge­nom­men. Die Re­gie­rung macht Gü­len für den „Putsch­ver­such“von 2016 ver­ant­wort­lich. We­gen an­geb­li­cher Gü­len-Ver­bin­dun­gen hat die tür­ki­sche Re­gie­rung seit dem Putsch­ver­such Zehn­tau­sen­de Men­schen fest­neh­men las­sen.

Nicht we­ni­ge Men­schen - pri­va­te wie auch Po­li­ti­ker und Me­di­en­ver­tre­ter - ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass der so­ge­nann­te Putsch von Er­do­gan selbst in­iti­iert wor­den ist, um end­lich Säu­be­run­gen in dem Land am Bo­spo­rus vor­neh­men zu kön­nen und po­li­ti­sche Wi­der­sa­cher los­zu­wer­den.

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