Gl cks­burg und der ers­te Kuss.

Amerika Woche - - Roman -

Ich wünsch­te, ich wä­re noch hung­rig , seufzt Ma­til­da und legt ihr Be­steck zur Sei­te. Das war wirk­lich k st­lich. Dan­ke, Knut, du hast mich zum Pas­ti­na­ken- an ge­macht.

Und jetzt ha­be ich ei­nen Wunsch frei

Ei­nen Wunsch Ma­til­da lacht. Je­den. So­lan­ge ich nicht in den ri­ent rei­sen muss.

Das nicht. Aber du k nn­test mir ver­ra­ten, wo­hin dei­ne Ge­dan­ken die gan­ze Zeit schwei­fen.

Ma­til­da schweigt. Sch­lie t kurz die Au­gen. Ver­schränkt die Hän­de. Dann blickt

1 2 ' es ei­gent­lich an der stsee

Ge­gen­fra­gen sind kei­ne rich­ti­ge Ant­wort. Aber dies­mal macht Knut ei­ne Aus­nah­me. Denn er ahnt, wor­auf sie ab­zielt. Und er ver­mu­tet, dass die stsee für Ma­til­da fast so e otisch ist wie für an­de­re die Ma­le­di­ven.

1" + 3* wi­dert er und schnappt sich sein Lap­top.

Was in­ter­es­siert dich be­son­ders an die­sen rten Die Ein­woh­ner­zahl Die Ver­ei­ne Der Ver­an­stal­tungs­ka­len­der Die Se­nio­ren­re­si­den­zen sie. , ant­wor­tet

Zwei St­un­den spä­ter starrt Ma­til­da wie­der an die De­cke über ih­rem Bett. Satt und mü­de aber auch auf­ge­wühlt und ir­ri­tiert.

Auf der Kom­mo­de im lur liegt ei­ne neue Lis­te, die Knut für sie er­stellt und aus­ge­druckt hat. Un­glaub­lich, wie ziel­si­cher er al­les her­aus­ge­fun­den hat, was sie wis­sen woll­te. Und wie schnell. ast zu schnell. Die Lis­te ent­hält die Adres­sen sämt­li

- . $/ 0 . Kur­bä­dern. Wenn sie nicht v llig da­ne­ben­liegt, ist ei­nes da­von Le­nis ver­mut­lich letz­tes Do­mi­zil. Sie k nn­te Mi­chels Brief ein­fach ein paar­mal ko­pie­ren und an all die­se Adres­sen schi­cken.

Ei­ner da­von wür­de frü­her oder spä­ter zu ihr ge­lan­gen. Ganz be­stimmt. Ja, das wä­re die ein­fa­che L sung. Aber in wel­cher Ver­fas­sung wür­de Le­ni ihn le­sen Wür­de sie ihn über­haupt re­gis­trie­ren Sei­ne Be­deu­tung ver­ste­hen

Nein, der ein­fa­che Weg ist in die­sem all nicht der rich­ti­ge.

Es bleibt ihr wohl nichts an­de­res üb­rig, als sämt­li­che Num­mern durch­zu­te­le­fo­nie­ren und über­all nach Le­ni Ar­nold zu fra­gen. Mal wie­der. Doch was soll sie tun, wenn sie Le­ni end­lich ge­fun­den hat

Nein, ei­gent­lich ist es we­ni­ger die­se ra­ge, die sie be­un­ru­higt, son­dern viel­mehr die Ant­wort dar­auf.

Denn ei­gent­lich ist nur ei­ne Ant­wort denk­bar.

Es dau­ert ein paar St­un­den, sämt­li­che Se­nio­ren­hei­me in stsee-Kur­bä­dern ab­zu­te­le­fo­nie­ren, aber dann fällt end­lich der Satz, auf den sie schon fast nicht mehr

Le­ni Ar­nold Ganz rich­tig, sie lebt hier. M ch­ten Sie sie be­su­chen Dar­über wür­de sie sich be­stimmt freu­en. Geh ren Sie zur ami­lie

Aber ja , h rt sich Ma­til­da sa­gen und ist selbst ganz er­schro­cken über ih­re spon­ta­ne Re­ak­ti­on. Sie neigt sonst nicht zum lun­kern. Und ir­gend­wie ist ja auch was Wah­res dran. In­zwi­schen fühlt sie sich Le­ni schon ziem­lich ver­bun­den. Ge­wis­ser­ma en geh rt sie al­so durch­aus zur ami­lie. Im wei­tes­ten Sin­ne.

Le­ni lebt in ei­ner Se­nio­ren­re­si­denz bei Glücks­burg. Ich wer­de sie wohl be­su­chen , ver­kün­det Ma­til­da, kaum dass

4 4 5 Gro ar­tig , sagt er. Komm rein. Als er ihr we­nig spä­ter das on­li­ne ge­buch­te Bahn­ti­cket aus­druckt, wird ihr fast schwin­de­lig. Das geht viel schnel­ler, als sie dach­te.

ühlst du dich nicht wohl Doch, schon. Ich ha­be nur Angst vor der ei­ge­nen Cou­ra­ge.

Hm , brummt Knut mit gü­ti­ger Mär­chen­on­kel­stim­me.

Ent­spann dich. Was kann schon pas­sie­ren Al­les M gli­che kann pas­sie­ren. Ich k nn­te den An­schluss­zug ver­pas­sen. Ich k nn­te mich ver­ir­ren. Ich k nn­te über­fal­len und aus­ge­raubt wer­den. Ich k nn­te Halt, stopp , un­ter­bricht Knut. Nichts da­von wird ge­sche­hen. Du fährst nach Glücks­burg, nicht nach Gua­te­ma­la. Aber für al­le äl­le be­kommst du von mir - + :3

Und so kommt es, dass Ma­til­da zwei Tage spä­ter im Zug in Rich­tung Nor­den sitzt. In ih­rer Ta­sche ein Rück­fahr­ti­cket, Mi­chels Brief, ein wun­der­bar un­auf­ge­reg­ter Ro­man von An­ne Ty­ler und ein Smart­pho­ne.

Na­tür­lich hat sie sich da­ge­gen ge­wehrt, aber Knut blieb un­er­bitt­lich.

Es ist ja nur für un­ter­wegs. Zur Be­ru­hi­gung. Da­mit er­reichst du mich je­der­zeit.

Dann hat er ihr die wich­tigs­ten unk­tio­nen er­klärt und vor al­lem sei­ne Num­mer ein­ge­spei­chert. Na­tür­lich wür­de sie es nie zu­ge­ben, aber tat­säch­lich nimmt ihr die­ses Ding die Ner­vo­si­tät. Je­den­falls ein biss­chen.

In Ham­burg muss sie um­stei­gen und dann in lens­burg noch ei­nen Bus neh­men. Wi­der Er­war­ten ver­läuft die ahrt ab­so­lut un­pro­ble­ma­tisch. Trotz

& 2 aden , weil sie * ka­rus­sell aus­zu­blen­den. Statt ganz in der Ge­schich­te zu ver­sin­ken, schaut sie im­mer wie­der auf das Dis­play des Han­dys, auf dem sich zum Glück nichts tut.

Hät­te ihr Zug Ver­spä­tung oder gä­be es Der leuch­tend blaue un­ter­wegs ein Zug­un­glück, ei­ne Bom­ben­dro­hung, ein Unwetter oder sonst et­was Dra­ma­ti­sches, wür­de Knut es ihr mit­tei­len. Er hat ver­spro­chen, zu Hau­se am Mo­ni­tor die Nach­rich­ten­sei­ten im Blick zu be­hal­ten und ihr im Not­fall aus der er­ne bei­zu­ste­hen. Doch das scheint er­freu­li­cher­wei­se nicht not­wen­dig zu sein.

Vom Bus­bahn­hof in Glücks­burg aus nimmt sie ein Ta i zur Se­nio­ren­re­si­denz. Der ah­rer gibt den Gra­tis-Stadt­füh­rer und teilt ihr mit, dass wie er es aus­spricht, die n rd­lichs­te Stadt der Re­pu­blik ist.

Hm , macht Ma­til­da und schaut aus dem ens­ter. Mit je­der Se­kun­de kommt sie Le­ni nä­her. Und ob­wohl ihr das im Grun­de schon seit der Ab­fahrt in Karls­kir­chen klar war, wird ihr die Be­deu­tung die­ser Tat­sa­che erst jetzt so rich­tig be­wusst.

Der Ta ifah­rer in­for­miert sie, dass es hier ei­ne be­deu­ten­de Brut­ko­lo­nie für Seev gel gibt. Und St­ein­zeit­grä­ber. Und ein Meer­was­ser­wel­len­bad.

, 4 5/ h rt sie kaum zu. b sich Le­ni wohl für ei­ne Brut­ko­lo­nie in­ter­es­siert Ver­mut­lich nicht. Es sei denn, die Brut­ko­lo­nie ist ein lau­schi­ger, ver­träum­ter rt, so wie sei­ner­zeit der Waldsee im Tau­nus.

Die Se­nio­ren­re­si­denz ist nicht ganz so ro­man­tisch ge­le­gen, aber im­mer­hin be­ein

* Trau­er­wei­den und ei­nem See­ro­sen­teich vor dem En­tree.

6 $/ * 7 Kit­tel nimmt Ma­til­da an der An­mel­dung in Emp­fang und be­glei­tet sie stram­men Schrit­tes zu Le­nis Zim­mer.

Wie sch n, dass rau Ar­nold end­lich ein­mal Be­such be­kommt , sagt sie mit leich­tem Ta­del in der Stim­me, und Ma­til­da schämt sich. Da­für, dass sie sich hier als Gro nich­te aus­gibt. Aber auch da­für, dass sie, wenn das stim­men wür­de, Teil ei­ner ami­lie wä­re, die Le­ni so herz­los im Stich lässt.

der e is­tiert die­se ami­lie viel­leicht gar nicht Ist ei­ne er­fun­de­ne Gro nich­te al­les, was Le­ni noch hat

1 & 3* $/ ge­rin, rau Ar­nold hat heu­te kei­nen ih­rer bes­se­ren Tage. Die wer­den lei­der im­mer sel­te­ner. Aber viel­leicht nimmt sie Sie ja doch wahr. Da piept der Pa­ger

8 9 $/ * und sie ver­ab­schie­det sich ei­lig. rau Ar­nolds Zim­mer ist das letz­te in die­sem

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