Wer glaubt in die­sen Zei­ten schon an die Lie­be

Amerika Woche - - Roman -

lur auf der lin­ken Sei­te und schon ist sie weg.

Ma­til­da bleibt un­schlüs­sig auf dem Gang ste­hen. Der Mut hat sie ver­las­sen. Und doch wirkt die Tür da­hin­ten links wie ein Ma­gnet

; 7 < wie in Tran­ce. Be­tritt den Raum.

Und dann steht Ma­til­da end­lich vor ihr. Le­ni liegt da wie auf­ge­bahrt. Das Kopf­teil leicht erh ht, ih­re schma­le Gestalt bis zur Tail­le zu­ge­deckt, die schma­len Hän­de ge­fal­tet, die Au­gen ge­schlos­sen. ür ei­nen kur­zen Mo­ment fürch­tet Ma­til­da, sie k nn­te zu spät ge­kom­men sein. Aber wenn ; 7 * 7 $/ er­wähnt. Au er­dem hät­te man Le­ni dann be­stimmt ihr sch ns­tes Kleid an­ge­zo­gen viel­leicht ein zi­tro­nen­gel­bes und nicht die­sen hell­blau­en Hau­s­an­zug. In die­sem Mo­ment be­gin­nen Le­nis Li­der

+ / & Das Grün ih­rer Au­gen ist er­staun­lich in­ten­siv. Doch der Blick ist leer. Sie er­kennt Ma­til­da nicht na­tür­lich nicht. Aber sie re­gis­triert noch nicht ein­mal, dass sie über­haupt Be­such hat.

Ma­til­da strei­chelt ihr z gernd die Hand. Le­ni zieht sie ab­rupt weg, als hät­te sie sich ver­brannt, und fährt sich da­mit durch das kurz ge­schnit­te­ne sil­ber­graue Haar, das ein­mal ein dun­kel­blon­der Zopf ge­we­sen sein muss.

Es tut mir leid, ich woll­te Sie nicht er­schre­cken , sagt Ma­til­da be­stürzt.

Le­ni mur­melt et­was Un­ver­ständ­li­ches. Viel­leicht will sie wis­sen, wer Ma­til­da ist und was sie hier ver­lo­ren hat

Ich ha­be et­was für Sie. Und ich woll­te Sie ken­nen­ler­nen. Nun ja, ei­gent­lich ken­ne ich Sie so­gar schon ein biss­chen, denn ich ha­be über Sie ge­le­sen. Nicht nur im In­ter­net, son­dern

Ma­til­da bricht ab. Was re­det sie da nur Sie hät­te sich ih­re Worte bes­ser zu­recht­le­gen sol­len.

Aber Le­ni h rt oh­ne­hin nicht zu. Statt­des­sen hat sie an­ge­fan­gen, vor sich hin zu sum­men. Es h rt sich an wie die Me­lo­die ei­nes al­ten Volks­lie­des. Viel­leicht

Dat du min Leevs­ten büst Ma­til­da ist sich nicht si­cher.

Sie bei t sich auf die Un­ter­lip­pe. Was tut sie hier über­haupt Der wei­te Weg für nichts und wie­der nichts. Was für ei­ne Schnaps­idee. Und das nur we­gen ei­nes ur­al­ten Brie­fes

Na­tür­lich hat sie ihn da­bei. Um ihn Le­ni zu über­ge­ben. Aber in ih­rem jet­zi­gen Zu­stand k nn­te sie rein gar nichts da­mit an­fan­gen. Mi­chels herz­zer­rei en­de Worte wür­den Le­nis Herz und See­le nicht er­rei­chen.

= 5 > + ver­gilb­te Ku­vert her­vor. Die al­ten B gen ra­scheln beim Aus­ein­an­der­fal­ten. Le­ni re­agiert nicht dar­auf. Sie schaut jetzt aus dem ens­ter und presst die Lip­pen fest auf­ein­an­der.

Ma­til­da über­legt nicht lan­ge. Sie schiebt ei­nen der Be­su­cher­stüh­le ne­ben das Bett, nimmt Platz, räus­pert sich und be­ginnt vor­zu­le­sen. , fügt sie hin­zu, Le­ni schaut jetzt nicht mehr aus dem ens­ter. Statt­des­sen starrt sie die De­cke an. Ma­til­da blät­tert wei­ter. Viel­leicht bringt die­se Pas­sa­ge et­was in Le­nis Er­in­ne­rung zum Klin­gen

Auch nichts. Ma­til­das Mut sinkt. Wenn Worte wie die­se Le­ni nicht wach­rüt­teln, wel­che dann Viel­leicht die­ser Ab­schnitt

Jetzt summt Le­ni wie­der. Ma­til­da er­kennt die Me­lo­die noch im­mer nicht, aber dies­mal klingt es nicht nach Volks­lied. Sie ist ir­ri­tiert. H rt Le­ni über­haupt zu Aber da sie nun schon mal hier ist, blät­tert sie wei­ter und fährt fort.

Le­nis dun­kel­grü­ne Au­gen sind jetzt ge­schlos­sen. Sie summt auch nicht mehr, son­dern liegt ganz ru­hig da, die Hän­de ge­fal­tet, die Lip­pen ent­spannt. ast k nn­te man glau­ben, sie wä­re ein­ge­schla­fen, wenn sie nicht lang­sam die Dau­men um­ein­an­der krei­sen las­sen wür­de. Wer wei , viel­leicht drin­gen ih­re Worte ja doch zu ihr durch Wenn nicht die­se Stel­le, wel­che sonst Dann be­we­gen sich nicht ein­mal mehr Le­nis Dau­men. & denkt Ma­til­da.

Sie fal­tet den Brief wie­der zu­sam­men, ver­staut ihn in der Ta­sche und steht auf.

1- * ' ; 3* /4 * dann wen­det sie sich zum Ge­hen. Doch noch be­vor sie die Tür er­reicht hat, lässt sie ei­ne über­ra­schend jung klin­gen­de Stim­me in­ne­hal­ten.

Mein Mi­chel Ich wuss­te, dass er zu­rück­kommt.

War das ei­ne Hal­lu­zi­na­ti­on Als sich Ma­til­da um­dreht, liegt Le­ni noch ge­nau­so reg­los in ih­rem Pfle­ge­bett wie zu­vor. Nichts lässt dar­auf sch­lie en, dass sie eben laut und deut­lich ge­spro­chen hat.

Auf­ge­regt eilt Ma­til­da zu­rück zum Bett und beugt sich über Le­ni.

Mi­chel woll­te Sie hei­ra­ten. Wuss­ten Sie das Ha­ben Sie mit ihm ge­spro­chen Le­ni summt.

Wo hat er da­mals ge­wohnt K nnen Sie mir ei­nen rt nen­nen Ei­ne Adres­se der Mi­chels voll­stän­di­gen Na­men Dann 5 "Sie be­su­chen kann. Das Sum­men ver­stummt. Ha­ben Sie ver­stan­den, Le­ni Wol­len * = 4 & ?3 Kei­ne Ant­wort. Le­ni ist wie­der in ih­re an­de­re Welt hin­über­ge­glit­ten.

Ma­til­da war­tet noch ein paar Mi­nu­ten ab, liest so­gar ei­nen wei­te­ren Ab­schnitt aus dem Brief vor, aber Le­ni re­agiert nicht mehr.

Als sie den Raum ver­lässt und sich ein letz­tes Mal zu Le­ni um­dreht, sieht sie, wie sich ein glück­li­ches Lä­cheln in dem blas­sen, vom Le­ben ge­zeich­ne­ten Ge­sicht aus­brei­tet. In die­sem Mo­ment ahnt Ma­til­da, wie fas­zi­nie­rend die jun­ge, un­be­küm­mer­te ; " $/ 2 vor­hin ist so freund­lich, für Ma­til­da ein Ta i zu ru­fen. Sie bie­tet ihr so­gar ei­nen

= ' er­klärt, dass sie lie­ber drau en war­tet. Sie braucht jetzt un­be­dingt fri­sche Luft.

Wer­den Sie wie­der­kom­men , fragt die jun­ge rau dar­auf hin.

Ma­til­da z gert. Was hät­te das für ei­nen Sinn

Wis­sen Sie, manch­mal ist rau Ar­nold wie aus­ge­wech­selt. Dann lacht sie, plau­dert leb­haft und er­zählt viel von frü­her. Viel­leicht er­wi­schen Sie sie beim nächs­ten Mal ja in bes­se­rer Ver­fas­sung. Das wä­re sch n , sagt Ma­til­da. Wir wuss­ten gar nicht, dass rau Ar­nold über­haupt noch ei­ne le­ben­de Ver­wand­te hat. In den Ak­ten steht nichts dar­über. Ihr ein­zi­ger Bru­der lebt schon lan­ge nicht mehr, sie selbst war nie ver­hei­ra­tet, hat kei­ne Kin­der Aber das wis­sen Sie ja.

Ich ha­be erst vor Kur­zem er­fah­ren, dass Le­ni hier un­ter­ge­bracht ist , er­klärt Ma­til­da. Und das ent­spricht so­gar voll und ganz der Wahr­heit.

Bit­te ent­schul­di­ge die Ver­spä­tung, ich muss­te heu­te Über­stun­den ma­chen.

Kein Pro­blem , lä­chelt Knut, so schnell ver­hun­ge­re ich nicht. Er nimmt das Bau­ern­brot und den Zie­gen­kä­se in Emp­fang. Die Tee­kan­ne steht schon auf dem St vchen be­reit. Ma­til­da lässt sich auf ei­nen Stuhl fal­len. Der klei­ne Schwatz am Abend ist in­zwi­schen zum Ri­tu­al zwi­schen den bei­den ge­wor­den.

Seit wann muss man in ei­nem Amt Über­stun­den ma­chen , neckt er sie.

Ma­til­da er­zählt, dass Kirs­ten schon seit Ta­gen krank ist und ir­gend­wer ja ih­re Ar­beit er­le­di­gen muss.

Lutz be­haup­tet ja , setzt sie an, da un­ter­bricht ein oh­ren­be­täu­ben­der Lärm das Ge­spräch.

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