Ver­rück­te Rei­se zum Vul­kan der Kunst

Ei­ne Dik­ta­tur der Kunst, oh­ne Ideo­lo­gie und eli­gi­on - das schwebt dem Künst­ler Jo­na­than Mee­se vor. Sei­ne Wer­ke sind voll mit my­thi­schen We­sen, pro­mi­nen­ten Ge­stal­ten und ätseln. In der ina­ko­thek der Mo­der­ne kann man sich nun selbst ein Bild da­von ma­chen.

Amerika Woche - - Kultur -

Es ist nur ein Raum, trotz­dem gibt es in der Werk­schau des Ber­li­ner Künst­lers Jo­na­than Mee­se in der Pi­na­ko­thek der Mo­der­ne in Mün­chen viel zu ent­de­cken. Ge­mäl­de, Raum­mo­del­le, Zeich­nun­gen, Fo­to­col­la­gen und Künst­ler­bü­cher ge­ben Ein­blick in das viel­fäl­ti­ge Schaf­fen des 48-Jäh­ri­gen, der wie be­ses­sen malt, Vi­de­os dreht und Ma­ni­fes­te ver­fasst, in de­nen er die Dik­ta­tur der Kunst for­dert.

Rit­ter, Bö­se­wich­te, fa­bel­haf­te Tier­we­sen, My­then­fi­gu­ren, Schlag­wor­te und Sät­ze in grell­bun­ten Far­ben fül­len die Wer­ke. Vie­le ge­ben Rät­sel auf, vor al­lem wenn sich Mee­se Wort­schöp­fun­gen be­dient wie „To­ta­le Bal­le­ri­nan­ny“oder „Erzher­me­tik“.

Ei­ne ver­rück­te Rei­se, pas­send zum Ti­tel: „Die Irr­fahr­ten des Mee­se“hat der Künst­ler mit schwar­zer Far­be groß ge­pin­selt im Ein­gang der Aus­stel­lung, die noch bis zum 3. März 2019 läuft.

Ei­ni­ge Bil­der wa­ren bis­lang noch nie öf­fent­lich zu se­hen. Auch den Fuß­bo­den hat Mee­se ei­gens für Mün­chen ge­schaf­fen. Der Kunst­stoff­be­lag ist in der Mit­te mit ei­nem rie­si­gen, ro­ten Farb­klecks be­dr uckt, der in al­le Rich­tun­gen spritzt.

„Ziel­set­zung K.U.N.S.T.“ist dar­auf zu le­sen, da­zu Pfei­le, die in al­le Rich­tun­gen zei­gen zu Wor­ten wie „Lie­be“, „Gold“, „Ha­gen von Tron­je“oder - pas­send zum Ti­tel - „Odys­seus“, dem Hel­den der grie­chi­schen My­tho­lo­gie, der auf ei­ner Schif fsrei­se zahl­rei­che auf­re­gen­de Aben­teu­er er­lebt.

Mee­se sieht den Aus­stel­lungs­raum als Ge­samt­kunst­werk, aus­ge­hend von dem ro­ten Farb­klecks: „Der Vul­kan der Kunst bricht aus und all die­se Din­ge, Skulp­tu­ren, Bil­der wer­den aus dem Vul­kan her­aus­ge­schleu­dert.“Auf „Die Irr­fahr­ten des Mee­se“kam er durch den Film „Die Fahr­ten des Odys­seus“mit Kirk Dou­glas: „Da war das ir­gend­wie klar. Das spannt so ei­nen schö­nen Bo­gen, man er­lebt Aben­teu­er und lan­det am En­de wie­der zu­hau­se. Das ist eben Kunst.“

Vie­les ist ge­wohnt pro­vo­kant, et­wa die NS-Sym­bo­le wie das Ei­ser­ne Kreuz oder ein Bild von Hit­ler , die im­mer wie­der auf­tau­chen. Sol­che Zei­chen und Ges­ten wür­den von der Kunst ent­kon­ta­mi­niert und ent­ideo­lo­gi­siert, be­haup­tet Mee­se. Ihm wä­re am liebs­ten ei­ne Welt oh­ne Ideo­lo­gie und Re­li­gi­on, be­herrscht von der Kunst.

„Der Künst­ler lässt sich von kon­ven­tio­nel­len Schran­ken nicht hem­men“, schreibt der Ku­ra­tor Bern­hart Schwenk im Buch, das zur Aus­stel­lung er­schie­nen ist.

„Wie­der zu er­ler­nen, un­ser Le­ben spie­le­risch zu be­trach­ten und uns da­bei nicht all­zu wich­tig zu neh­men, genau da­rin liegt die gro­ße Kraft der Kunst von Jo­na­than Mee­se.“

„Die Irr­fahr­ten des Mee­se“

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