Deutsch­land ab 2020 Ein­wan­de­rungs­land - Kei­ne of­fe­nen Ar­me

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Mä­ßi­ge Um­fra­ge­wer­te und öf­fent­li­che Schel­te ha­ben die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on in Ber­lin un­ter Druck ge­setzt. Für CDU, CSU und SPD ist es des­halb wich­tig, dass sie ih­re Ver­spre­chen jetzt auch ein­hal­ten. Ei­nes da­von ist die zü­gi­ge Ver­ab­schie­dung ei­nes Ge­set­zes, das qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten aus Nicht-EU-Staa­ten den Weg nach Deutsch­land eb­net. Der Ent­wurf da­für ist jetzt fer­tig.

Die Re­gie­rung hat ihn zu­sam­men mit ei­nem zwei­ten Vor­schlag be­schlos­sen. Die­ser soll ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern hel­fen, in Deutsch­land dau­er­haft be­ruf­lich Fuß zu fas­sen. Da­von pro­fi­tie­ren al­ler­dings nur die­je­ni­gen, die flei­ßig sind, Deutsch ler­nen, kei­ne Vor­stra­fen ha­ben und aus Grün­den, die sie selbst nicht zu ver­schul­den ha­ben, nicht ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen.

Die Re­gie­rung will, dass bei­de Re­ge­lun­gen An­fang 2020 in Kraft tre­ten. Ob sie das Par­la­ment in ih­rer ak­tu­el­len Form pas­sie­ren wer­den, ist aber noch frag­lich.

Im Grund­satz sind sich die Ko­ali­tio­nä­re zwar ei­nig. Im „Klein­ge­druck­ten“liegt aber viel Zünd­stoff. In der CDU/CSU ha­ben vor al­lem die In­nen­po­li­ti­ker Be­den­ken. Und auch bei den Ge­werk­schaf­ten gibt es Sor­gen. Wo­mög­lich ist der Streit al­so noch gar nicht be­en­det, son­dern nur auf das nächs­te Jahr ver­tagt.

Für die Un­ter­neh­men ist wich­tig, dass auch nicht-aka­de­mi­sche Fach­kräf­te künf­tig ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis für bis zu sechs Mo­na­te zur Su­che nach ei­nem Ar­beits­platz in Deutsch­land er­hal­ten. Denn vie­le Fir­men ha­ben es bis­lang nicht ge­schafft, im Aus­land selbst Fach­kräf­te an­zu­wer­ben, um ih­re of­fe­nen Stel­len zu be­set­zen. Das hät­te das Pro­blem näm­lich auch schon ge­löst. Denn wer ei­nen Ar­beits­ver­trag vor­wei­sen kann, be­kommt auch jetzt schon ein Vi­sum. Job­ben dür­fen die Ar­beits­su­chen­den al­ler­dings nicht in die­sen sechs Mo­na­ten. Nur ei­ne Pro­be­be­schäf­ti­gung von bis zu zehn St­un­den pro Wo­che ist er­laubt.

Au­ßer­dem steigt die Chan­ce, dass die Fir­men ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber, die ei­ne Dul­dung be­sit­zen und in ih­rem Un­ter­neh­men ar­bei­ten, über län­ge­re Zeit wei­ter be­schäf­ti­gen dür­fen.

Für ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber, die ar­bei­ten, er­öff­net ei­ne nun vom Ka­bi­nett be­schlos­se­ne Än­de­rung im Auf­ent­halts­ge­setz neue Mög­lich­kei­ten. Sie kön­nen ei­ne so­ge­nann­te Be­schäf­ti­gungs­dul­dung er­hal­ten, die für 30 Mo­na­te gilt. Das gilt auch dann, wenn sie nur als Kü­chen­hil­fe oder in ei­nem an­de­ren Job oh­ne Qua­li­fi­ka­ti­on ar­bei­ten. Das bringt mehr Si­cher­heit und Sta­bi­li­tät in ihr Le­ben. Vor al­lem, da sie auf die­sem Weg nach die­sen zwei­ein­halb Jah­ren ei­ne re­gu­lä­re Auf­ent­halts­er­laub­nis er­hal­ten kön­nen. Die­se Re­ge­lung soll zu­nächsst al­ler­dings bis zum 30. Ju­ni 2022 be­fris­tet.

Die­se Be­schäf­ti­gungs­dul­dung kommt al­ler­dings nicht für je­den in­fra­ge, weil sie an zahl­rei­che Be­din­gun­gen ge­knüpft ist. Der aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der muss seit min­des­tens ei­nem Jahr im Be­sitz ei­ner Dul­dung sein. Er muss min­des­tens 18 Mo­na­te lang so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tigt ge­we­sen sein und min­des­tens 35 St­un­den pro Wo­che ge­ar­bei­tet ha­ben. Bei Al­lein­er­zie­hen­den rei­chen 20 Wo­chen­stun­den. Ver­langt wer­den zu­dem „hin­rei­chen­de münd­li­che Kennt­nis­se der deut­schen Spra­che“.

Au­ßer­dem muss er „die er­for­der­li­chen und ihm zu­mut­ba­ren Maß­nah­men für die Iden­ti­täts­klä­rung er­grif­fen“ha­ben. Dar­auf hat­ten be­son­ders In­nen­po­li­ti­ker aus der CDU/CSU Wert ge­legt. Sie sa­gen: Wer ehr­lich ist, darf im Ein­zel­fall nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als ein an­de­rer ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber, der nur des­halb nicht ab­ge­scho­ben wer­den kann, weil er An­ga­ben zu sei­ner Her­kunft ver­wei­gert. Für Ge­dul­de­te, die vor 2017 ein­ge­reist sind, gibt es ei­ne Son­der­re­ge­lung: Wenn sie ei­ne Be­schäf­ti­gungs­dul­dung be­an­tra­gen und al­le an­de­ren Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len, reicht es, wenn sie dann erst ei­nen Pass vor­le­gen. Sie müs­sen dann trotz­dem kei­ne Angst ha­ben, dass sie, weil die Rei­se­do­ku­men­te jetzt vor­lie­gen, ab­ge­scho­ben wer­den.

Wird je­mand mit Be­schäf­ti­gungs­dul­dung ar­beits­los, kann er sich ei­nen neu­en Job su­chen. Wenn er län­ger ar­beits­los bleibt, fängt er aber prak­tisch von vor­ne an. Das heißt, er muss zwei­ein­halb Jah­re war­ten, bis er ei­ne re­gu­lä­re Auf­ent­halts­er­laub­nis be­kommt.

Ab­sol­ven­ten deut­scher Aus­lands­schu­len dür­fen künf­tig nicht nur nach Deutsch­land kom­men, um zu stu­die­ren, son­dern auch um sich ei­nen Aus­bil­dungs­platz zu su­chen.

Für ein­hei­mi­sche Ar­beit­neh­mer ber­gen die Neu­re­ge­lun­gen nach Ein­schät­zung des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) Ri­si­ken. Die Bun­des­re­gie­rung be­tont zwar, in Re­gio­nen mit ho­her Ar­beits­lo­sig­keit könn­ten die Re­ge­lun­gen zur Fach­kräf­te­ein­wan­de­rung aus­ge­setzt wer­den.

DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach warnt den­noch: „Trotz ei­ni­ger we­ni­ger gu­ter Re­ge­lun­gen ist es an kurz­fris­ti­gen Un­ter­neh­mens­in­ter­es­sen und öff­net Tür und Tor für Lohn­dum­ping und Aus­beu­tung aus­ge­rich­tet, weil die Auf­ent­halts­er­laub­nis für Fach­kräf­te an ei­ne be­stimm­te Tä­tig­keit bei ei­nem Ar­beit­ge­ber ge­bun­den ist.“Ein­hei­mi­sche, die in Be­ru­fen ar­bei­ten, die kei­ne län­ge­re Aus­bil­dung ver­lan­gen, müs­sen ei­ne Sor­ge aber nicht ha­ben: Über die Fach­kräf­te­zu­wan­de­rung dür­fen kei­ne qua­li­fi­zier­ten Kräf­te ein­wan­dern, die dann in Deutsch­land nur kell­nern oder Ta­xi fah­ren. Schon er­laubt ist aber, dass ein Che­mie­in­ge­nieur als Che­mie­la­bo­rant ar­bei­tet.

Ei­nen Miss­brauch des Fach­kräft­ein­wan­de­rungs­ge­set­zes will die Re­gie­rung ver­hin­dern. Des­halb kann sie ei­ne Zu­wan­de­rungs­sper­re für Län­der er­las­sen, de­ren Staats­an­ge­hö­ri­ge nach der Ein­rei­se zu Bil­dungs­und Er­werbs­tä­tig­keits­zwe­cken in gro­ßer Zahl Asyl­an­trä­ge stel­len, die dann als of­fen­sicht­lich un­be­grün­det ab­ge­lehnt wer­den. Al­ler­dings müss­te da­für der Bun­des­rat zu­stim­men, was durch­aus nicht si­cher ist.

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