„His­to­ri­scher Kraft­akt“: Lob für Koh­le­aus­stiegs­plan 2038

21 St­un­den ran­gen sie am En­de um ei­ne Lö­sung, die das Kli­ma schützt, aber auch den Men­schen vor Ort neue Per­spek­ti­ven bie­tet. Am En­de ist kei­ner zwar rich­tig glück­lich, aber in po­la­ri­sie­ren­den Zei­ten ist der Plan für ei­ne Be­frie­dung des Koh­le­kon­flikts ein

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Der Plan für ei­nen deut­schen Koh­le­aus­stieg bis spä­tes­tens 2038 ist auf ein über­wie­gend positives Echo ge­sto­ßen, er hat gu­te Chan­cen, von der Bun­des­re­gie­rung um­ge­setzt zu wer­den. „Das ist ein his­to­ri­scher Kraft­akt ge­we­sen“, sag­te Ro­nald Po­fal­la (CDU), Co-Vor­sit­zen­der der von der Re­gie­rung ein­ge­setz­ten Koh­le­kom­mis­si­on, der un­ter an­de­ren auch Kli­ma­schüt­zer, Ge­werk­schaf­ter, Un­ter­neh­mer und For­scher an­ge­hö­ren.

Im Ab­schluss­be­richt wer­den 40 Mil­li­ar­den Eu­ro Hil­fen für die Koh­le­re­gio­nen in Nord­rhein-West­fa­len, Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Bran­den­burg vor­ge­schla­gen. Ein frü­he­rer Aus­stieg soll 2032 ge­prüft wer­den - stim­men die Be­trei­ber zu, ist auch ein En­de 2035 mög­lich.

Für die be­trof­fe­nen Ar­bei­ter sind um­fang­rei­che Hil­fen ge­plant, dar­un­ter auch Son­der­re­ge­lun­gen bei Früh­ver­ren­tun­gen. Mit den Be­trei­bern sol­len mög­lichst Re­ge­lun­gen oh­ne Ent­schä­di­gun­gen ge­fun­den wer­den - glau­ben mag dar­an al­ler­dings kaum je­mand. Durch die An­sied­lung von Bun­des­be­hör­den und an­de­rer Ein­rich-tun­gen sol­len in den Re­vie­ren 5000 neue Jobs ent­ste­hen und zu­dem die Ver­kehrs­an­bin­dung ver­bes­sert wer­den.

Braun­koh­le gilt als schäd­lichs­ter Ener­gie­trä­ger - der Aus­stieg soll hel­fen, den Treib­haus­gas­aus­stoß im Kampf ge­gen die Er­der wär­mung zu ver­rin­gern. Die Schluss­ver­hand­lun­gen dau­er­ten 21 St­un­den. 27 von 28 Mit­glie­dern bil­lig­ten letzt­end­lich den Kom­pro­miss.

Bis­her ha­ben St­ein- und Braun­koh­le ei­nen An­teil von 35 Pro­zent am Strom­mix, so wie viel wie er­neu­er­ba­re Ener­gie. So­gar Um­welt­schüt­zer zeig­ten sich zu­frie­den - im­mer­hin ge­be es nun ei­nen Ein­stieg in den Aus­stieg. „Der Koh­le­zug hat den Bahn­hof ver­las­sen und ist nicht mehr auf­zu­hal­ten“, sag­te Gre­en­peace-Ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Kai­ser.

Die Ener­gie­wirt­schaft be­ton­te die Pla­nungs­si­cher­heit. Be­trei­ber wie RWE for­der­ten aber ei­nen spä­te­ren Aus­stieg. Zu­dem sieht der Es­se­ner Ener­gie­kon­zern kri­tisch, dass der um­strit­te­ne Ham­ba­cher Forst im rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­vier nach Mög­lich­keit er­hal­ten wer­den soll.

Durch den Atom­aus­stieg bis 2022 und den schritt­wei­sen Koh­le­aus­stieg muss der Öko­en­er­gie-An­teil und das Spei­chern von über­schüs­si­gem Wind- und So­lar­strom er­höht wer­den, zu­dem könn­te es mehr Strom aus Gas­kraft­wer­ken ge­ben. Um Auf­schlä­ge beim Strom­preis zu ver­mei­den, soll ein Zu­schuss von zwei Mil­li­ar­den Eu­ro jähr­lich ab 2023 ge­prüft wer­den. Neue Koh­le­kraft­wer­ke wer­den nun wohl nicht mehr ge­baut.

Für die Steu­er­zah­ler wer­den die Kos­ten hoch sein, im­mens hoch, auch wenn das heu­te noch nie­mand so deut­lich sa­gen will. Das ge­naue Preis­schild ist noch un­klar. Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) sieht aber kei­ne Ge­fahr für die Ver­sor­gung, wenn viel Grund­last weg­fällt, al­so Kraft­wer­ke, die an­ders als Son­ne und Wind rund um die Uhr ver­läss­lich Strom lie­fern.

„Die Ver­sor­gungs­si­cher­heit ist ge­währ­leis­tet“, sag­te er. Auch die Kli­ma­schutz­zie­le der Re­gie­rung für 2030 wür­den er­reicht. Sie se­hen 55 Pro­zent we­ni­ger Treib­haus­ga­se vor als 1990.

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