If ou Wan­na Be Hap­py.

Amerika Woche - - Roman -

war­ten Sie , ruft sie der jun­gen Frau hin­ter­her, die ge­ra­de schon die Zim­mer­tür hin­ter sich zu­zie­hen will. Ma­til­da springt auf und läuft ihr nach.

Ent­schul­di­gen Sie bit­te , sie wirft ei­nen ver­stoh­le­nen Blick auf das Na­mens­schild, Schwes­ter Rie­ke, Sie ken­nen sich doch ganz be­stimmt mit sol­chen Din­gern aus.

Wo­mit mit Smart­pho­nes Ma­til­da hat Knuts Han­dy aus der Ta­sche her­vor­ge­kramt und be­trach­tet es zwei­felnd.

Man kommt da­mit doch ins In­ter­net, rich­tig Und im In­ter­net gibt es Mu­sik, stimmt s Schwes­ter Rie­ke lacht. Na­tür­lich. hm heißt das, Sie wol­len jetzt Mu­sik h ren

Erst jetzt wird Ma­til­da klar, wie al­bern das wir­ken muss. Als hät­te sie den Ver­stand ver­lo­ren. Da­bei hat­te sie doch ge­ra­de ei­nen ech­ten Geis­tes­blitz

Ja, will ich. Zu­sam­men mit Le­ni. Ih­re Lieb­lings­lie­der von frü­her. Viel­leicht bringt das ei­ne Sai­te in ihr zum Schwin­gen.

Was für ei­ne groß­ar­ti­ge Idee Wel­che sind es denn Ich la­de Sie Ih­nen run­ter, dann k nnen Sie sie ab­spie­len, so­oft Sie wol­len.

+ + , -% . U.S.A. er­klin­gen, leuch­ten Le­nis Au­gen auf. Nach we­ni­gen Tak­ten fängt sie an zu sum­men. Und dann singt sie wirk­lich und wahr­haf­tig laut mit. Glo­cken­hell und ab­so­lut te tsi­cher.

Als der Song zu En­de ist, schal­tet Ma­til­da die Wie­der­ga­be ab.

h, wie scha­de , zwit­schert Le­ni auf­ge­räumt. Das ist eins mei­ner Lieb­lings­lie­der. Am liebs­ten wür­de ich da­zu tan­zen

Ma­til­da kann es kaum glau­ben. Es hat funk­tio­niert

Spon­tan um­armt sie Le­ni. Ja, das ma­chen wir , ruft sie aus. Und dann star­tet sie Da Doo Ron Ron , fasst Le­ni bei den Hän­den, zieht sie vorsichtig hoch und macht ein paar zag­haf­te Tanz­schrit­te. Le­ni uietscht vor Ver­gnü­gen und wir­belt her­um wie ein jun­ges Ding. K rper­lich

/ 0 gar nicht an­ders, als mit­zu­ma­chen. Und da­bei laut zu la­chen. Bald ist sie v llig au­ßer Atem, aber so aus­ge­las­sen wie schon lan­ge nicht mehr.

Beim drit­ten Song scheint Le­ni die Pus­te aus­zu­ge­hen. Sie lässt sich wie­der in ih­ren Ses­sel sin­ken, h rt auf­merk­sam zu, formt mit ih­ren Lip­pen ton­los je­des ein­zel­ne Wort von If ou Wan­na Be Hap­py und schließt da­bei die Au­gen.

Da­nach herrscht ei­ne gan­ze Wei­le Stil­le. Über­ra­schen­der­wei­se ist es Le­ni, die sie durch­bricht:

Je­den Tag hat Mi­chel mich ge­fragt, ob ich glück­lich bin. Im­mer, wenn die­ses Lied lief. Ich ha­be dann gelacht und ihn ge­küsst. Denn ich war glück­lich. Über­glück­lich so­gar. Der Som­mer mit Mi­chel war die sch ns­te Zeit mei­nes Le­bens. Und ei­ne Zeit lang dach­te ich auch wirk­lich, die­ser Som­mer wä­re erst der An­fang. Der An­fang von et­was Gro­ßem. Der un­end­li­chen Mi­chel-und-Le­ni-Ge­schich­te.

Sie lacht lei­se. Ma­til­da beugt sich nach vorn, um kein Wort zu ver­pas­sen. Vor Auf­re­gung ver­gisst sie fast zu at­men. Sie hat so vie­le Fra­gen, wagt aber nicht, auch nur ei­ne da­von zu stel­len, aus Angst, Le­ni aus dem Kon­zept zu brin­gen. Die scheint von Ma­til­das Auf­ge­wühlt­heit nicht das Ge­rings­te mit­zu­be­kom­men und setzt ih­ren un­er­war­te­ten Mo­no­log fort.

Als ich Mi­chel auf die­sem Tanz­nach­mit­tag zum ers­ten Mal sah, wuss­te ich

)* * ! ) weil er so groß war und so ein um­wer­fen­des Lä­cheln hat­te. Es war un­aus­weich­lich, dass wir uns in­ein­an­der ver­lieb­ten Da­mals wa­ren wir bei­de blut­jung, ge­ra­de mal zwan­zig ge­wor­den, und bil­de­ten uns ein, die Lie­be wä­re stär­ker als al­le Hin­der­nis­se. Was wa­ren wir doch na­iv

Le­nis Blick schweift wie­der in die Fer­ne, und Ma­til­da fürch­tet schon, sie wie­der an ih­re ei­ge­ne in­ne­re Welt ver­lo­ren zu ha­ben, als sie end­lich fort­fährt:

Ganz gleich, wie sehr wir uns lieb­ten: Mi­chel kam aus ei­ner an­de­ren Welt. Da pass­te ich ein­fach nicht rein. Den letz­ten Satz spricht sie fast ton­los. Sie schüt­tel­te den Kopf, als k nn­te sie es im­mer noch nicht fas­sen. Wir wa­ren ja so na­iv. Und so ah­nungs­los.

Dies­mal dau­ert das Schwei­gen et­was län­ger. Le­nis Blick wan­dert wie­der zum Fens­ter hin­aus. Schließ­lich hält Ma­til­da es nicht län­ger aus.

Was ist ge­sche­hen , fragt sie lei­se. Le­nis trau­ri­ges Lä­cheln ist fast un­merk­lich. Viel­leicht sieht es auch nur so aus, als hät­te sie sich be­wegt.

Ma­til­da spürt, dass ihr die Zeit da­vonHalt, rennt. Sie muss noch so viel fra­gen!

»Wie hieß denn Michels Fa­mi­lie? Und die Apo­the­ke, er­in­nern Sie sich an den Na­men der Apo­the­ke?« Kei­ne Ant­wort. »Le­ni, hö­ren Sie mich? Hel­fen Sie mir, 0 / ) 1 ! er­fah­ren, dass sein Brief Sie nie er­reicht hat.«

Le­ni be­ginnt, lei­se zu sum­men. Ma­til­da glaubt, »If You Wan­na Be Hap­py« zu er­ken­nen. Nach ein paar Tak­ten bricht Le­ni ab und schließt die Au­gen. In­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den ist sie ein­ge­schla­fen.

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