„Ma­de in Dort­mund“- BVB-Trai­ner als Ex­port­schla­ger - Tür­öff­ner Klopp

Der BVB steht schon lan­ge im uf ein idea­les prung­brett für un­ge

Amerika Woche - - Sport -

Der Nächs­te, bit­te! Die Trai­ner von Bo­rus­sia Dort­mund blei­ben Ex­port­schla­ger und ste­hen vor al­lem in En­g­land hoch im Kurs. Nach Jür­gen Klopp (Fo­to links), Da­vid Wa­gner und Da­ni­el Far­ke wech­selt mit Jan Sie­wert der be­reits vier te Fuß­ball­leh­rer des BVB bin­nen gut drei Jah­ren auf die In­sel. Der 36-Jäh­ri­ge, der seit Som­mer 2017 die Dort­mun­der U23Mann­schaft in der Re­gio­nal­li­ga West be­treut hat­te, tritt beim Pre­mierLe­ague-Schluss­licht Hud­ders­field Town die Nach­fol­ge von Wa­gner an. „Sei­ne Phi­lo­so­phie und sei­ne Vor­stel­lun­gen pas­sen zu uns“, kom­men­tier­te Hud­der­fiel­ds Vor­stands­vor­sit­zen­der De­an Hoyle die Ei­ni­gung.

Die ho­he Wert­schät­zung für Trai­ner aus der Re­vier­stadt kommt nicht von un­ge­fähr. Schließ­lich steht der BVB im Mut­ter­land des Fuß­balls für viel Lei­den­schaft, Mo­der­ni­tät und ge­lun­ge­nes Ta­len­teS­cou­ting. Das kor­re­spon­diert mit den An­sprü­chen und Ziel­set­zun­gen vie­ler hei­mi­scher Clubs. „Auch in der U23 oder im Ju­gend­be­reich prägt es dich, wenn du für die­sen Ver­ein ar­bei­test. Du lernst un­heim­lich vie­le Fa­cet­ten ken­nen und be­kommst ei­nen Ein­blick, wie es ist, auf al­ler­höchs­tem Ni­veau zu ar­bei­ten“, sag­te Far­ke in An­spie­lung auf sei­ne Zeit beim BVB, „die­ser ho­he An­spruch prägt dich als Trai­ner und bringt dich wei­ter vor­an.“

Vor al­lem Klopp trug zur ho­hen Wert­schät­zung für Fach­kräf­te aus Dort­mund bei. Ähn­lich wie zu­vor den BVB er­weck­te er auch den FC Li­ver­pool seit sei­nem Amts­an­tritt

Mar­cell Jan­sen (Fo­to links) ist jetzt der Uli Ho­en­eß des Ham­bur­ger SV - aber nur auf dem Pa­pier. Im Ver­gleich zu Bay­ern Mün­chens Al­pha­tier ist der HSV-Prä­si­dent ein paar Num­mern klei­ner, mit deut­lich we­ni­ger Macht aus­ge­stat­tet und viel, viel bra­ver. Seit kur­zem steht der 33-jäh­ri­ge Jan­sen dem Ver­ein Ham­bur­ger SV e.V. mit sei­nen 87.000 Mit­glie­dern in 35 Ab­tei­lun­gen vor und ist doch nur ein Prä­si­dent mit be­schränk­ter Wir­kung.

Der Wahl­sieg des Ab­wehr­spie­lers, der vor sei­ner sie­ben­jäh­ri­gen HSV-Pro­fi­zeit (2008 bis 2015) bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach und Bay­ern Mün­chen ge­kickt hat­te, stand im Prin­zip schon vor der Mit­glie­der­ver­samm­lung fest. Für die Fuß­ball­fans im Ver­ein - sie sind mit ei­ner er­drü­cken­den Mehr­heit von rund 78.000 Mit­glie­dern im Sup­por­ters-Club die ton­an­ge­ben­de Grup­pie­rung un­ter den Mit­glie­dern - ist Jan­sen ein Idol. Für sie be­durf­te es kei­ner Re­den. Der Ar­beits

nach­weis im Ok­to­ber 2015 zu neu­em Le­ben, führ­te den Tra­di­ti­ons­club 2018 in das Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le und führt mit den Reds der­zeit die Ta­bel­le der Pre­mier Le­ague an. Längst ge­nießt Klopp in der Stadt am Mer­sey-Ri­ver ei­nen ähn­li­chen Kult­sta­tus wie in Dort­mund. „Er war der Tür­öff­ner für nach­fol­gen­de Trai­ner“, sag­te BVB-Nach­wuchs­ko­or­di­na­tor Lars Ri­cken.

Auch die Bi­lanz sei­ner „Nach­fol­ger“mit schwarz-gel­ber Ver­gan­gen­heit kann sich se­hen las­sen. Dem nur ei­nen Mo­nat spä­ter nach En­g­land ge­wech­sel­ten Wa­gner ge­lang mit dem Auf­stieg des Pro­vinz­clubs Hud­ders­field Town (2017) in die Pre­mier Le­ague ein Fuß­ball-Wun­der. Den Klas­sen­ver­bleib in der fol­gen­den Sai­son wer­te­ten vie­le Be­ob­ach­ter als noch grö­ße­res Kunst­stück. Dass sich bei­de Sei­ten nach zu­letzt acht Nie­der­la­gen ein­ver­nehm­lich trenn­ten, konn­te dem von 24 To­ren in 187 HSV-Spie­len reich­te. Wer noch ge­zwei­felt hat­te, war spä­tes­tens nach dem Satz in sei­ner Re­de be­kehrt: „Es kam für mich nicht in­fra­ge, noch­mals ein an­de­res Wap­pen als un­se­re Rau­te zu küs­sen.“

Nach­dem Ex-Prä­si­dent Jür­gen Hun­ke kurz vor der Wahl sei­ne Kan­di­da­tur zu­rück­ge­zo­gen hat­te, war Ralph Hart­mann der letz­te Jan­sen-Kon­kur­rent. Der frü­he­re Schatz­meis­ter des e.V. war zwar chan­cen­los, hat­te aber mit ei­ner kämp­fe­ri­schen Re­de Stim­men gut­ge­macht. Der 55 Jah­re al­te Un­ter­neh­mer sprach von ei­ner Rich­tungs­wahl und brach­te die Un­ter­schie­de zu Jan­sen auf den Punkt: „Auf der ei­nen Sei­te die Ver­fech­ter der Macht­kon­zen­tra­ti­on um Bernd Hoff­mann (rechts), auf der an­de­ren Sei­te die Mit­glie­der, die sich mehr Kon­trol­le, mehr Neu­tra­li­tät und mehr Aus­ge­wo­gen­heit in e.V. und AG ver­spre­chen.“

Letz­te­re wa­ren in der Un­ter­zahl. Der ei­gent­li­che Ge­win­ner des Ta­ges: Bernd Hoff­mann, Vor­stands­chef der aus­ge­glie­der­ten Fuß­bal­lAG, und vor sei­nem Auf­stieg an die gu­ten Ruf von Wa­gner nur we­nig an­ha­ben.

Wie Wa­gner nutz­te auch Far­ke sei­ne Zeit bei der Dort­mun­der U23 zum Sprung in den eng­li­schen Pro­fi­fuß­ball. Seit sei­nem Wech­sel im Som­mer 2017 geht es mit dem Zweit­li­gis­ten Nor­wich Ci­ty auf­wärts. Der Club darf sich als Ta­bel­len­zwei­ter der Cham­pi­ons­hip bei nur ei­nem Punkt Rück­stand zu Spit­zen­rei­ter Leeds Uni­ted Hoff­nun­gen auf den Auf­stieg ma­chen.

Nicht von lan­ger Dau­er war da­ge­gen das Engagement von Sven Mis­lin­tat in En­g­land. Nur knapp 14 Mo­na­te nach sei­nem Wech­sel in die eng­li­sche Haupt­stadt gab der FC Ar­se­nal jetzt die Tren­nung von dem eins­ti­gen BVB-Scout be­kannt. Grund für das Aus des 46 Jah­re al­ten Chef-Ka­der­pla­ners soll ein un­ter­kühl­tes Ver­hält­nis zu Ar­sen­alChef­trai­ner Unai Eme­ry sein.

Nun ver­sucht Sie­wert sein Spit­ze der AG für we­ni­ge Mo­na­te auch HSV-Prä­si­dent. Der macht­be­wuss­te Funk­tio­när war kurz vor sei­nem 56. Ge­burts­tag er­leich­tert. „Das Er­geb­nis ha­be ich nicht zu kom­men­tie­ren“, sag­te Hoff­mann und lä­chel­te ver­schmitzt.

Für ihn be­deu­tet die Wahl sei­nes Ge­folgs­manns freie Bahn. In ei­nem Ver­ein, der der­zeit 85 Mil­lio­nen Eu­ro an Ver­bind­lich­kei­ten vor sich her­schiebt, der ei­ne fäl­li­ge Fan­an­lei­he in Hö­he von 17,5 Mil­lio­nen Eu­ro nicht zu­rück­zah­len kann und statt­des­sen ei­ne neue auf­le­gen muss, um die al­te ab­zu­lö­sen und der für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr er­neut ein zwei­stel­li­ges Mil­lio­nen­de­fi­zit an­kün­digt, kann Hoff­mann kei­ne kri­ti­schen Geis­ter in sei­ner un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung brau­chen.

Jan­sen, auch wenn er das mehr­fach ver­kün­de­te, hat als e.V.-Prä­si­dent kei­ner­lei Be­fug­nis­se, in das ope­ra­ti­ve Ge­schäft der Pro­fi-Ab­tei­lung ein­zu­grei­fen. „Ope­ra­ti­ve Ent­schei­dun­gen trifft der Vor­stand“, stell­te Sport­vor­stand Ralf Be­cker klar. Glück. An­ders als noch im Som­mer, als er ein An­ge­bot des Zweit­li­gis­ten Queens Park Ran­gers ab­lehn­te, konn­te der eins­ti­ge Trai­ner von Rot Weiss Es­sen dem Ruf aus En­g­land die­ses Mal an­schei­nend nicht wi­der­ste­hen. „Na­tür­lich pla­nen wir mit un­se­ren Trai­nern län­ger­fris­tig, aber wenn sol­che An­ge­bo­te kom­men, wird es schwie­rig, dem Wech­sel­wunsch zu wi­der­spre­chen“, kom­men­tier­te Ri­cken.

Dem Ver­neh­men nach kas­siert der BVB für Sie­wert ei­ne Ab­lö­se in Hö­he von 300.000 Eu­ro. Sein Nach­fol­ger beim BVB wird der 38 Jah­re al­te Alen Ter­zic. Der Bru­der des Dort­mun­der Co-Trai­ners Edin Ter­zic und bis­he­ri­ge Coach des Ober­li­gis­ten FC Brün­ninghau­sen gilt als nächs­tes Ta­lent. Sein Eng­lisch soll ganz pas­sa­bel sein.

Na dann: Viel Er­folg! Der Prä­si­dent hat sich zu­al­ler­erst um die Be­lan­ge im Tisch­ten­nis, der Gym­nas­tik oder im Tan­zen zu küm­mern. Als 75-Pro­zent-Mehr­heits­eig­ner an der Fuß­ball-AG und Ver­tre­ter im Auf­sichts­rat könn­te der Prä­si­dent qua Amt un­an­ge­nehm für den Vor­stand wer­den. Mit Jan­sen ist das kaum vor­stell­bar. Hoff­mann: „Mar­cell Jan­sen wird ein gu­ter Prä­si­dent für den HSV sein.“Der Ge­lob­te mein­te: „Hier AG, da e.V. - das muss auf­hö­ren“. Er ver­sprach, „den Vor­stand zu be­glei­ten“.

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