Amerika Woche : 2019-02-11

Roman : 35 : 35

Roman

Roman Seite 35 AMERIKA WOCHE 11. Februar 2019 Zeitung lesen und einen Espresso nach dem anderen bestellen. Neu wird nur sein, dass ich dabei einen vermutlich wahn sinnig unlustigen Scherz machen werde, der kein bisschen zum Lachen ist, aber dir vielleicht dieses wunderschöne GrübchenLächeln ins Gesicht zaubert – einfach nur, weil du dann weißt, dass ich es bin. des Verliebtseins, die starren Grenzen der Vernunft zu sprengen und einfach zu träumen, die Gefühle die Ober hand gewinnen zu lassen, zu spinnen vor Glück? Oder auch vor Unglück. Das liegt ganz dicht beieinander. Bei mir passt zwischen Glück und Unglück lediglich ein Blatt Papier. Und das hältst du gerade in Händen. Anna Paulsen Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen Du könntest einwenden, dass ich maßlos übertreibe. Dass ich ja kaum etwas über dich weiß, von deinem Vornamen einmal abgesehen und der Tatsache, dass du hin und wieder im KostBar jobbst – vermutlich, Dein Jonathan © 2018 Penguin Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Matilda hat, über Knuts Schulter gebeugt, jedes Wort mitgelesen. Jetzt wartet sie atemlos vor Spannung auf seine Reaktion. Knut sitzt reglos da. Es sieht aus, als wäre er müde, denn seine Augen sind halb geschlossen, aber wer ihn kennt, weiß, dass er gerade hoch konzentriert ist. Denn tatsächlich ist Knuts Ehrgeiz sofort geweckt, und er schmiedet längst einen Plan. »Hast du schon eine Idee?«, fragt sie ungeduldig, als Knut den Brief noch einmal hastig durchblättert und anfängt, sich Notizen zu machen. »Allerdings«, brummt er. Dann fährt er das Notebook hoch und loggt sich im Internet ein, das für Matilda noch immer ein Buch mit sieben Siegeln ist. Umso faszinierter ist sie davon, was Knut auf der Basis ein paar vager Hinweise aus dem Brief % % * 0 recht – ich weiß nicht einmal, welches Fach du studierst. Medizin? Kunst? Brauwesen? Architektur? Maschinenbau? Puppenspiel? Japanologie? Alles ist möglich. Aber ist es denn wichtig, dass ich das weiß? Ist es nicht viel wichtiger, dass ich alles darüber erfahren möchte? Ich will wissen, was dich begeistert. Worüber du dir Sorgen machst. Was dir am meisten bedeutet. Wie du aussiehst, wenn du schläfst. Wovon du träumst. Doch Rosemarie lacht nicht. Sie lächelt Matilda nur aufmunternd zu und meint: »Wie schön. Gönn dir öfter mal was!« In ihrer Stimme schwingt ein Hauch von Mitleid mit. Rosemarie gehört zu den Frauen, die sich ein erfülltes Leben nur als Teil eines Paares vorstellen können, und käme daher nicht im Traum auf die Idee, ihre Kollegin könne freiwillig Single sein. »Du wirst den Brief also archivieren, obwohl du genau weißt, wer ihn bekommen sollte?« Knut hat ja recht. Aber Berlin … ist nun mal nicht Karlskirchen. Auch kein gemütliches Ostseebad, so wie Glücksburg. Sondern eine wilde, einschüchternde, riesige Großstadt. »Nein, der Brief soll natürlich nicht im Archiv landen«, erwidert sie trotzig. Knut nickt. »Dann wirst du wohl über deinen Schatten springen müssen, Matilda.« Vielleicht gibt es interessantere Typen als erteren Oberarmen. Mit beeindruckenden Berufsbezeichnungen auf ihren Visiten karten und viel Geld auf dem Konto. Mit einem Auftreten, das du bestimmt nicht so leicht vergessen würdest, und jeder Menge Selbstbewusstsein. Aber würden solche Typen nicht immer sich selbst viel mehr lieben als dich? Würde Aber ich gönne mir doch dauernd etwas, % ' ? + +8 * denkt Matilda, die gewiss vehement protestieren würde, hätte Rosemarie ihre Gedanken laut ausgesprochen. Schöne Bücher, gute Filme, anregende Gespräche mit Knut … Das Leben gefällt mir genau so, wie es ist! Oh nein, das ist undenkbar! 3 + . % du diese eine Locke immer hinter dein Ohr schiebst, wenn du ihnen den Kassenbon überreichst? Würden sie diese entzückenden Grübchen bemerken, die sich in deinen Wangen bilden, wenn du lächelst? Hätten sie gesehen, wie du neulich Abend kurz die Augen geschlossen und tief durchgeatmet hast, nachdem du einen Blick auf dein Handy geworfen und festgestellt hast, dass immer noch keine Nachricht eingegangen ist? Kapitel 19: Liebste Klara, eine Sache lässt mich nicht B =? % C besser gesagt: wer? Ich habe da so meine Vermutung und frage mich, was das nur für ein Kerl ist, der jemanden wie dich enttäuscht? Zappeln lässt? Versetzt? Es macht mich nicht wütend, dass du dich wahrscheinlich nach ihm sehnst und mich nicht einmal wahrnimmst. Aber es macht mich wütend, dass er so mit dir umgeht. Oder umgegangen ist. Wenn mich nicht alles täuscht, hast du letzten Samstag hinter der Theke – zwischen einem Espresso und einem Pils – seine Nummer gelöscht. Ich habe es an deinem entschlossenen Blick erkannt, als du dein Handy gezückt hast, und an der Erleichterung danach. Na ja, und daran, dass deine Augen verdächtig glitzerten. $ +D " + . )A missachtet, das Geheim haltungsgebot gebrochen und einen Brief geklaut. Liebste, wunderschöne Klara, wenn du bis hierhin gelesen hast, ist alles gut. Dann besteht die Chance, dass du mich nicht abblitzen lässt, wenn ich mir irgendwann endlich ein Herz fasse und dich anspreche. Ich werde dann, wie meistens, einen dunkelblauen Roll kragenpullover tragen, Oh nein! Nicht in die Großstadt! ortsetzung folgt in unserer n chsten usgabe.

© PressReader. All rights reserved.