Mil­li­ar­den für Kom­mu­nen, Kfz-Steu­er­re­form

Kli­ma­schutz, Co­ro­na-Maß­nah­men und Elek­tro­mo­bi­li­tät

Amerika Woche - - Nach­rich­ten -

Bis kurz vor Mit­ter­nacht stan­den an die­sem Tag noch wich­ti­ge Ge­setz­ent­wür­fe auf der Ta­ges­ord­nung des Bun­des­tags, in­klu­si­ve ei­ner Än­de­rung des Grund­ge­set­zes. Bei den be­schlos­se­nen Maß­nah­men geht es un­ter an­de­rem dar­um, die Co­ro­na-Kri­se ab­zu­fe­dern. Aber auch der Kli­ma­schutz und das In­sol­venz­recht stan­den auf dem Pro­gramm.

Ei­ne Mil­li­ar­den-Ent­las­tung für Kom­mu­nen, mehr Luft für an­ge­schla­ge­ne Un­ter­neh­men in der Co­ro­na-Kri­se - und ei­ne Kf­zS­teu­er­re­form für mehr Kli­ma­schutz: Der Bun­des­tag hat am spä­ten Don­ners­tag­abend wich­ti­ge Ge­set­ze be­schlos­sen.

ENT­LAS­TUNG DER KOM­MU­NEN

We­gen der Co­ro­na-Kri­se und der an­ge­spann­ten La­ge vie­ler Fir­men ist die Ge­wer­be­steu­er als wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le der Kom­mu­nen ein­ge­bro­chen. Der Bund springt ih­nen nun zur Sei­te und kom­pen­siert für die­ses Jahr Aus­fäl­le in Hö­he von rund 6,1 Mil­li­ar­den Eu­ro. Auch die Län­der wol­len mit Mil­li­ar­den hel­fen.

Der Bund will sich au­ßer­dem dau­er­haft stär­ker an den Kos­ten für Un­ter­kunft und Hei­zung bei Hart­zIV-Emp­fän­gern be­tei­li­gen, auch das kos­tet Mil­li­ar­den. Für bei­de Maß­nah­men war ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung not­wen­dig.

Der Bun­des­rat be­fasst sich an die­sem Frei­tag mit dem Ge­setz, ei­ne Zu­stim­mung galt als si­cher. Der Deut­sche Städ­te­tag hat­te die Ent­las­tun­gen be­reits be­grüßt - aber zu­sätz­li­che Mil­li­ar­den­hil­fen vom Bund auch für die Jah­re 2021 und 2022 ge­for­dert.

KFZ-STEUEREFOR­M

Ab 2021 steigt für neue Au­tos mit ho­hem Sprit­ver­brauch die Kfz-Steu­er. Das soll die Bür­ger da­zu brin­gen, spar­sa­me­re Pkw zu kau­fen. Be­reits zu­ge­las­se­ne Au­tos sind nicht be­trof­fen. Die Kraft­fahr­zeug­steu­er wird künf­tig stär­ker dar­an aus­ge­rich­tet, wie viel CO2 ein Fahr­zeug aus­stößt.

Die CO2-Kom­po­nen­te wird ge­gen­über dem Hu­b­raum stär­ker ge­wich­tet. Um­welt­schüt­zer und die Grü­nen kri­ti­sier­ten, die Re­form brin­ge dem Kli­ma­schutz zu we­nig. Zu die­ser Re­form ge­hört auch ei­ne län­ge­re Kfz-Steu­er­be­frei­ung für rei­ne Elek­tro­fahr­zeu­ge.

LO­CKE­RUNG IM IN­SOL­VENZ­RECHT

An­ge­sichts der wei­ter an­ge­spann­ten La­ge vie­ler Un­ter­neh­men in der Co­ro­na-Kri­se wird das In­sol­venz­recht wei­ter ge­lo­ckert. In Fäl­len der Über­schul­dung wird die An­trags­pflicht bis Jah­res­en­de aus­ge­setzt. Das soll in Be­dräng­nis ge­ra­te­nen Fir­men wei­ter­hin Luft ver­schaf­fen, um staat­li­che Hil­fen zu be­an­tra­gen und Sa­nie­rungs­be­mü­hun­gen vor­an­zu­trei­ben.

Die wei­te­re Aus­set­zung gilt für Be­trie­be, die pan­de­mie­be­dingt über­schul­det, aber nicht zah­lungs­un­fä­hig sind. Im März war die In­sol­venz­an­trags­pflicht bis En­de Sep­tem­ber aus­ge­setzt wor­den - für Fäl­le, in de­nen ei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Über­schul­dung von Fir­men auf den Fol­gen der Co­ro­na­Pan­de­mie be­ruht.

BATTERIEGE­SETZ

Das Ge­setz re­gelt vor al­lem den Wett­be­werb zwi­schen den Rück­nah­me­sys­te­men. Die Sam­mel­quo­te für Bat­te­ri­en wird von 45 auf 50 Pro­zent er­höht, ob­wohl sie in der Pra­xis zu­letzt schon längst bei gut 52 Pro­zent liegt. Aus der Op­po­si­ti­on hat­te es zu­sätz­li­che For­de­run­gen zum Bei­spiel nach ei­nem Pfand­sys­tem, neu­en Re­geln für die Rück­nah­me et­wa von E-Bi­ke-Bat­te­ri­en, hö­he­ren Sam­mel­quo­ten oder zur Ver­hin­de­rung von Brän­den ge­ge­ben.

FÖR­DE­RUNG DER ELEK­TRO­MO­BI­LI­TÄT

Mie­ter und Woh­nungs­ei­gen­tü­mer be­kom­men ei­nen Rechts­an­spruch auf den Ein­bau ei­ner La­de­sta­ti­on für Elek­tro­au­tos. Kon­kret geht es um ei­nen An­spruch auf Ein­bau ei­nes sol­chen La­de­an­schlus­ses auf ei­ge­ne Kos­ten. Das gilt auch für Maß­nah­men zum Ein­bruchs­schutz oder zur Bar­rie­re­frei­heit.

„Um­bau­ten sind nun ein­fa­cher mög­lich, da­mit Wohn­an­la­gen en­er­ge­ti­schen Stan­dards ent­spre­chen und äl­te­re Ei­gen­tü­mer auch im Al­ter noch bar­rie­re­frei­en Zu­gang zu ih­rer Woh­nung ha­ben“, sag­te Jus­tiz­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD). Mit dem An­spruch auf Ein­bau ei­ner La­de­sta­ti­on brin­ge man die Wen­de zur E-Mo­bi­li­tät ge­zielt vor­an.

NEUE „OBHUTSPFLI­CHT“:

Da­mit zu­rück­ge­schick­te Klei­dung und an­de­re Neu­wa­ren nicht auf dem Müll lan­den, sind neue

Ver­pflich­tun­gen für Händ­ler ge­plant. Das vom Bun­des­tag be­schlos­se­ne Ge­setz ent­hält ei­ne neue „Obhutspfli­cht“. Der Bun­des­rat muss noch zu­stim­men.

Es gibt da­mit dann grund­sätz­lich ei­ne Pflicht, da­für zu sor­gen, dass die Wa­ren ge­brauchs­taug­lich blei­ben und nicht zu Ab­fall wer­den.

Für wen und wel­che Wa­ren das ge­nau gilt und wel­che Sank­tio­nen dro­hen, muss noch ge­re­gelt wer­den. Das Ge­setz sieht au­ßer­dem vor, dass künf­tig zum Bei­spiel die Her­stel­ler und Ver­käu­fer von Ein­weg­be­chern oder Zi­ga­ret­ten an den Kos­ten be­tei­ligt wer­den kön­nen, die für die Ent­sor­gung an­fal­len.

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