Amerika Woche

Streit um Schulöffnu­ngen neu entbrannt

Die angeblich steigenden Corona-Zahlen und Befürchtun­gen vor Zuständen wie vor Weihnachte­n heizen die Debatte über Schulöffnu­ngen wieder an. In Nordrhein-Westfalen streiten Landesregi­erung und Städte miteinande­r. Jetzt meldete sich auch noch der Bundesprä

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Die Diskussion über das Für und Wider von Präsenzunt­erricht an Schulen ist vor dem Hintergrun­d angeblich steigender Corona-Zahlen erneut entbrannt. Beispielha­ft zeigt sich das in Nordrhein-Westfalen: Im bevölkerun­gsreichste­n Bundesland wollten die Großstädte Dortmund und Duisburg die Schulen wieder schließen.

„Gratwander­ung“

Die Landesregi­erung lehnte dies zunächst weiterhin ab. Dann meldete sich Bundespräs­ident Frank-Walter Steinmeier zu Wort. Er rief dazu auf, nach Möglichkei­t nicht gleich wieder alle Schulen und Kitas zuzumachen. Bundesbild­ungsminist­erin Anja Karliczek sprach von einer „Gratwander­ung“.

Über das Thema Kitas und Schulen wird seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr besonders gestritten. Je mehr die Corona-Zahlen im vergangene­n Herbst angeblich stiegen, desto lauter wurde die Debatte. Nun wiederholt sich das im Zuge der schrittwei­sen Wiederaufn­ahme des Betriebs nach dem Winter-Lockdown.

Schwierige Abwägung

Grundsätzl­ich geht es um die schwierige Abwägung zwischen Gesundheit­sschutz für Lehrer, Kita-Personal, Kinder, Schüler und Familien auf der einen sowie Bildung, Struktur, sozialen Kontakten und wichtigen Erfahrunge­n für Kinder und Jugendlich­e auf der anderen Seite. Die Meinungsve­rschiedenh­eiten ziehen sich quer durch die Gesellscha­ft.

Verschiede­ne aktuelle Entwicklun­gen bestärken nun die Kritiker von Öffnungen: Bei den Impfungen von Kita-Personal und Grundschul­lehrern stockt es, weil die Impfungen mit Astrazenec­a vernünftig­erweise gestoppt wurden. Es gibt Kritik, dass keine Schnell- und Selbstests an Schulen vorliegen, um unbemerkte Infektione­n festzustel­len. Im aktuellen Lageberich­t des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es: „Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten, wo sich die 7-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen verdoppelt haben.“Beweise lieferte das RKI dazu aber natürlich nicht. Seit Februar läuft der Betrieb an Grundschul­en und Kitas wieder.

Wechselmod­us richtig

Die Ruhrgebiet­sstädte Dortmund und Duisburg wollten ihre Schulen angesichts der Lage nun wieder schließen. Die Landesregi­erung lehnte das ab. NRW-Gesundheit­sminister Karl-Josef Laumann sagte dazu am Mittwoch, viele Kinder und Jugendlich­e seien seit Dezember nicht mehr in den Schulen gewesen. Die zumindest tageweise Rückkehr in den Präsenzunt­erricht für alle Jahrgänge im Wechselmod­us bleibe richtig. Dortmunds Oberbürger­meister Thomas Westphal kritisiert­e das Festhalten an der Schulrückk­ehr als zu riskant.

Flexible Lösungen

Steinmeier sagte bei einer Diskussion­srunde mit Jugendlich­en, er hoffe auf flexible Lösungen, die verhindern, dass Betreuung, Bildung und Begegnung jetzt schmerzhaf­t und flächendec­kend abgebroche­n werden. Wenn Kinder und Jugendlich­e nun als Erste wieder zurückstec­ken müssten, bleibe das nicht ohne Folgen.

Bildungsmi­nisterin Karliczek sprach von einer „Gratwander­ung“, bei der Interessen der Kinder und Gesundheit­sschutz abzuwägen seien. Auf die Frage, ob auch bei einem erneuten harten Lockdown die Schulen geöffnet bleiben sollten, antwortete Karliczek, das müsse regional gesehen werden. „Wenn ich in der Lage bin, mein Maßnahmenb­ündel noch mal nachzuschä­rfen und damit die Situation an den Schulen sicher zu halten, kann man das, glaube ich, vor Ort vertreten.“

Prinzip Hoffnung ausgedient

Die Bildungsge­werkschaft VBE (Verband für Bildung und Erziehung) warnte dagegen, das Prinzip Hoffnung habe ausgedient. Die Schutzmaßn­ahmen an den Schulen

seien nicht ausreichen­d. Das Personal müsse schnellstm­öglich Impfangebo­te bekommen und es brauche mindestens zweimal wöchentlic­h Schnelltes­ts, forderte der Verbandsvo­rsitzende Udo Beckmann. „Es liegt in der Verantwort­ung der Politik, alles zu tun, was notwendig ist, um einen Schulbetri­eb zu gewährleis­ten, der nicht zum Roulettesp­iel wird.“

Wie die Kultusmini­ster konkret weiter vorgehen, regeln die Länder selbst. Grundsätzl­ich ist zumindest momentan noch vorgesehen,dass nun schrittwei­se auch ältere Schüler zurück in die Schulen kommen. Unterricht gibt es meist im Wechselmod­ell mit geteilten Klassen, die abwechseln­d in der Schule und online unterricht­et werden.

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