Ul­tra mäch­tig

Ra­pid hat ein Pro­blem: sei­ne treu­es­ten Fans. Wie die ge­walt­be­rei­ten Ul­tras den Ver­ein do­mi­nie­ren.

Datum - - Inhalt - Text: Ti­mo Scho­ber · Graf­fi­ti: Tom Mackin­ger

Ra­pid hat ein Pro­blem: sei­ne treu­es­ten Fans. Wie die ge­walt­be­rei­ten Ul­tras den Ver­ein do­mi­nie­ren.

8.April 2017: Der ös­ter­rei­chi­sche Fuß­ball-Re­kord­meis­ter Ra­pid Wien hat so­eben aus­wärts mit drei Ge­gen­to­ren und oh­ne ei­ge­nen Tref­fer beim Ta­bel­len­letz­ten Ried ver­lo­ren. Ra­pid be­fin­det sich nur noch fünf Punk­te von ei­nem Ab­stiegs­platz ent­fernt. Es wä­re der ers­te Ab­stieg des Ver­eins in sei­ner 119-jäh­ri­gen Ge­schich­te und ei­ne bei­spiel­lo­se Bla­ma­ge.

Wäh­rend sich am an­de­ren En­de des Sta­di­ons an die­sem son­ni­gen Früh­a­bend ei­ne glück­li­che Rie­der Mann­schaft in den Ar­men liegt, trot­ten die Ra­pid-Spie­ler mit hän­gen­den Köp­fen zu ih­ren Fans. Am En­de die­ser mi­se­ra­blen Sai­son wer­den zwei Trai­ner- und ei­ne Ma­na­ger­ent­las­sung als Kon­se­quenz der ka­ta­stro­pha­len sport­li­chen Leis­tun­gen ste­hen: Jetzt aber wer­den Spie­lern und Be­treu­ern erst ein­mal von den ei­ge­nen An­hän­gern die Le­vi­ten ge­le­sen. Die Ar­me bau­meln an den Spie­l­er­kör­pern her­ab, die Häup­ter hat die Mann­schaft ge­senkt, als sie auf die in grün-wei­ße Far­ben ge­tunk­te Fan­tri­bü­ne zu­geht. Ei­ni­ge Fans klet­tern wild ges­ti­ku­lie­rend auf den Zaun. Das Ge­schrei wird ag­gres­si­ver, die Män­ner bal­len die Fäus­te, sie stre­cken die Mit­tel­fin­ger in die Hö­he, schla­gen mit den Hän­den auf die Brust, da, wo das Herz ist. Wo für sie Ra­pid ist. Bumm, bumm, bumm.

Die Mann­schaft lässt die Be­schimp­fun­gen stumm über sich er­ge­hen. Was die Spie­ler noch nicht wis­sen: Es wird nicht die letz­te De­mü­ti­gung an die­sem Abend sein. Für die Ul­tras, wie die Hard­core-Fans sich nen­nen, hat der Fru­st­ab­bau erst be­gon­nen. Als die Ra­pid-Spie­ler schon im Bus auf dem Weg zu­rück nach Wien sit­zen, er­fah­ren sie, dass die Ul­tras an­ge­ru­fen und Re­de­be­darf an­ge­mel­det ha­ben. Die Ver­ant­wort­li­chen und die Mann­schaft wer­den vor die Wahl ge­stellt: Ent­we­der es kommt zu ei­nem Tref­fen auf ei­nem Au­to­bahn­park­platz oh­ne Po­li­zei, oder der Bus wird von ih­nen in Hüt­tel­dorf vor dem hei­mi­schen Al­li­anz-Sta­di­on er­war­tet. Ra­pid ent­schei­det sich für die ers­te Va­ri­an­te, um ei­ne brei­te Öf­fent­lich­keit zu ver­mei­den.

Nach ei­ner kur­zen Fahrt auf der Inn­kreis-Au­to­bahn wird dem Bus mit­tels ge­zün­de­ter Fa­ckel das Zei­chen ge­ge­ben, von der Au­to­bahn ab­zu­fah­ren. Emp­fan­gen wird er von rund 300 Mann, die ihn in ei­nem Halb­kreis um­stel­len. Spie­ler und Be­treu­er klet­tern aus dem Mann­schafts­bus und tre­ten ge­hor­sam zur Stand­pau­ke an. Ei­ne gro­tes­ke Sze­ne­rie. Wäh­rend über ih­nen die Dun­kel­heit lang­sam her­ein­bricht, re­den Ver­tre­ter der Ul­tras auf die Mann­schaft ein. Ob sich die Mann­schaft über­haupt be­wusst sei, was sie dem Ver­ein da ge­ra­de an­tue, wird ge­fragt. Ob sie sich denn al­le im Kla­ren sei­en, wel­che Ge­schich­te sich hin­ter dem Wap­pen auf der Brust ih­rer schwar­zen Trai­nings­ja­cken ver­ber­ge. Viel Pa­thos und ei­ne kla­re Bot­schaft: Wir sind die Chefs. Nach rund 25 Mi­nu­ten wird der Bus auf die Heim­rei­se ge­schickt, am nächs­ten Tag der Trai­ner ent­las­sen.

Nach die­sem Abend schrei­ben die Ul­tras in ih­rer Stel­lung­nah­me, dass sie ›den Bus von der Au­to­bahn run­ter­ge­holt ha­ben.‹ Ra­pid-Pres­se­spre­cher Pe­ter Klingl­mül­ler wird da­ge­gen von ›ei­ner ganz nor­ma­len Aus­spra­che zwi­schen ei­ner Fuß­ball­mann­schaft und Fans‹ spre­chen. Doch die Er­eig­nis­se von Ried sind nicht ganz nor­mal, sie sind sym­pto­ma­tisch. Sym­pto­ma­tisch für ei­nen Ver­ein, der die Kon­trol­le über die Be­zie­hun­gen zu sei­ner füh­ren­den Fan­grup­pe ver­lo­ren hat. Für ei­nen Ver­ein, der es zu­ge­las­sen hat, dass die­se Fan-Grup­pie­rung gro­ßen Ein­fluss auf das Han­deln der Ver­eins­füh­rung ge­won­nen und in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut hat. Es ist den Ul­tras Ra­pid ge­lun­gen, sich durch Nä­he, Ab­hän­gig­kei­ten und in­kon­se­quen­tes Han­deln der Funk­tio­nä­re ei­ne Macht­ba­sis zu er­ar­bei­ten, die im Spit­zen­fuß­ball bei­spiel­los ist. Ih­re Macht im Ver­ein lässt die Fra­ge auf­kom­men, wer hier ei­gent­lich das Sa­gen hat, und war­um.

Wie ein ro­ter Fa­den zie­hen sich durch die jün­ge­re Ra­pid-His­to­rie Fan-Aus­schrei­tun­gen, ver­ur­sacht vom Block West und den Ul­tras Ra­pid. Al­lei­ne in der ver­gan­ge­nen Sai­son wur­den drei Spie­le des­we­gen bei­na­he ab­ge­bro­chen. Be­son­ders die Du­el­le mit dem Erz­ri­va­len Aus­tria Wien sorg­ten im­mer wie­der für Ran­da­le, Aus­tria-Spie­ler wur­den zum Bei­spiel mit Ge­gen­stän­den wie Feu­er­zeu­gen oder Schnaps­fla­schen be­wor­fen. Beim letz­ten Der­by im Sep­tem­ber wur­de es wie­der ein­mal hef­tig: Nach Schluss­pfiff stürm­ten die Ul­tras den Platz, um un­ge­hin­dert über das ge­sam­te Spiel­feld bis zum Gäst­e­sek­tor zu ge­lan­gen. Dort an­ge­kom­men, wur­den die we­ni­gen Ord­ner, die sich ih­nen ent­ge­gen­stell­ten, kör­per­lich at­ta­ckiert.

Die 30.000 Eu­ro Stra­fe, zu de­nen der Ver­ein ver­don­nert wur­de, wer­den von Be­ob­ach­tern als zu nied­rig ein­ge­stuft. Punk­te­ab­zü­ge wä­ren ein ef­fek­ti­ve­res Mit­tel, um die Ge­walt im Sta­di­on zu be­kämp­fen, aber da­ge­gen wehrt sich Ra­pid. Die be­ste­hen­den Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten sind aus Sicht der Klub­füh­rung aus­rei­chend, auch wenn sie au­gen­schein­lich wir­kungs­los blei­ben. Aber hat Ra­pid über­haupt ein In­ter­es­se dar­an, die Ul­tras an die Lei­ne zu le­gen?

Ein Fan­club, der im­mer ge­walt­be­rei­ter wird und zu­gleich sei­nen Macht­an­spruch aus­dehnt: Von der West­tri­bü­ne auf das Spiel­feld, das er mit Platz­stür­men sym­bo­lisch ok­ku­piert. Und vom Spiel­feld in die Bü­ros der Chef­eta­gen, in de­nen in­zwi­schen die Ul­tras mit­be­stim­men, wer Prä­si­dent, Ge­schäfts­füh­rer, Trai­ner, Sport­chef oder Spie­ler bei Ra­pid wer­den darf und wer nicht. Die Ge­schich­te der Ul­tras ist die Ge­schich­te ei­ner Fuß­ball­kul­tur, die vor al­ler Au­gen ins Kip­pen ge­rät. Es ist die Ge­schich­te vom Schwanz, der mit dem Hund we­delt und von Verant--

wort­li­chen, die aus Angst um das Mil­lio­nen-Bu­si­ness Fuß­ball schwei­gen und die Er­eig­nis­se her­un­ter­spie­len.

Der SK Ra­pid Wien ist nicht ir­gend­ein Ver­ein, son­dern der be­lieb­tes­te Fuß­ball­klub Ös­ter­reichs. Un­ter­mau­ert wird dies von ei­nem Zu­schau­er­schnitt von 18.790 Be­su­chern bei Heim­spie­len in der ver­gan­ge­nen Sai­son. In der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­li­ga schaff­te an­sons­ten nur Sturm Graz knapp die 10.000er Mar­ke. Doch Ra­pid ist nicht nur ex­trem po­pu­lär, son­dern mitt­ler­wei­le auch ein mil­lio­nen­schwe­res Un­ter­neh­men. Laut Ge­schäfts­be­richt er­wirt­schaf­te­te der Ver­ein in der Sai­son 2016/17 ei­nen Um­satz von über 40 Mil­lio­nen Eu­ro so­wie ei­nen Gewinn von 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro. Nach Jah­ren am Ran­de des wirt­schaft­li­chen Ruins ver­fügt der Ver­ein mitt­ler­wei­le über ein po­si­ti­ves Ei­gen­ka­pi­tal von 12,6 Mil­lio­nen Eu­ro. Auch zum Netz­wer­ken eig­net sich der Klub her­vor­ra­gend. In den di­ver­sen Gre­mi­en sit­zen hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter aus Po­li­tik, Wirt­schaft und Kul­tur. Der Ge­ne­ral­di­rek­tor der Ge­mein­nüt­zi­gen Sied­lungs- und Bau­ak­ti­en­ge­sell­schaft (GESIBA), Ewald Kir­sch­ner, sitzt eben­so im Ku­ra­to­ri­um wie die Po­li­ti­ker Pe­ter Pilz und Andre­as Schie­der, ORF-Ge­ne­ral­di­rek­tor Alex­an­der Wra­betz, der ehe­ma­li­ge Vor­stand der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker, Cle­mens Hells­berg, und der Ge­ne­ral­se­kre­tär der In­dus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung, Chris­toph Ne­u­may­er. Nicht we­ni­ger pro­mi­nent ist der Bei­rat be­setzt. Ne­ben dem bur­gen­län­di­schen SPÖ-Chef Hans Pe­ter Do­sko­zil fin­det man dort un­ter an­de­rem den In­ves­tor Micha­el To­j­ner.

Be­son­ders die Stadt Wien ist zahl­reich ver­tre­ten. Seit je­her gibt es en­ge Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Rat­haus und dem wich­tigs­ten Sport­ver­ein der Stadt. Als die Bank Aus­tria 2003 über­ra­schend be­kannt­gab, ihr Spon­so­ring zu be­en­den, sprang Wien Ener­gie in höchs­ter fi­nan­zi­el­ler Not als Haupt­spon­sor ein. Ra­pid wirbt auf sei­ner Web­site mit Bu­si­ness-Pa­cka­ges, die ih­ren Be­sit­zern nicht nur ex­klu­si­ven Zu­tritt zu Spie­len, son­dern auch ›di­rek­ten Kon­takt zu Gäs­ten aus Wirt­schaft und Po­li­tik‹ ver­schaf­fen sol­len. Her­vor­ge­ho­ben wird vor al­lem die ›au­ßer­ge­wöhn­li­che At­mo­sphä­re‹. Haupt­ver­ant­wort­lich für die­se At­mo­sphä­re sind die Ul­tras Ra­pid, die füh­ren­de Grup­pe der ak­ti­ven Fan-Sze­ne. Sie ste­hen dem Block West vor, in dem auch noch an­de­re Fan­klubs ih­ren Platz ha­ben, und stel­len rund ein Drit­tel der re­gel­mä­ßi­gen 18.000 Zu­schau­er. Man kann es auch so sa­gen: Den Ton und die Rich­tung ge­ben die Ul­tras vor.

Be­ginnt man im Um­feld von Ra­pid über den Macht­be­reich der Ul­tras zu re­cher­chie­ren, stößt man auf Schwei­gen. ›Dar­über möch­te ich nicht spre­chen, das ist mir zu heiß‹, lau­tet häu­fig die Ant­wort. DA­TUM hat mit ei­nem Dut­zend ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter und Per­so­nen aus dem Um­feld des SK Ra­pid un­ter Zu­si­che­rung von An­ony­mi­tät ge­spro­chen. Denn kei­ner von ih­nen will sei­nen Na­men ge­druckt se­hen. Das ver­wun­dert um­so we­ni­ger, je ge­nau­er man sich das Bild an­schaut, das die Ge­sprächs­part­ner von der La­ge des Ver­eins zeich­nen. ›Ra­pid hat ein gro­ßes Pro­blem, und sie züch­ten es‹, sagt ein ehe­ma­li­ger An- ge­stell­ter, der mit dem zu­neh­men­den Ein­fluss der Ul­tras wäh­rend sei­ner Ra­pid-Zeit kon­fron­tiert war. Viel zu lan­ge ha­be der Ver­ein zu­ge­schaut und im­mer noch ei­ne wei­te­re Ent­glei­sung er­laubt. Der Mann steht mit sei­ner Ein­schät­zung nicht al­lei­ne da.

Ra­pid pro­fi­tiert vor al­lem in wirt­schaft­li­chen Be­lan­gen von den Ul­tras, die heu­te das Sta­di­on fül­len. Vor 30 Jah­ren, als sie ge­grün­det wur­den, sah das an­ders aus. Ob­wohl die Grün-Wei­ßen zu die­ser Zeit sport­lich ge­se­hen viel er­folg­rei­cher als jetzt wa­ren, woll­ten En­de der 1980er-Jah­re nur rund 4.000 Zu­se­her die Heim­spie­le se­hen. Für je­man­den, der 2018 das Sta­di­on be­tritt, ist das kaum vor­stell­bar: Wäh­rend der Ra­pid-Spie­le wird es zum stim­mungs­ge­la­de­nen Kes­sel, zur Fan-Are­na, de­ren Wirk­mäch­tig­keit man sich in­mit­ten von Zi­ga­ret­ten­dunst, Schweiß, Bier und Kä­se­krai­ner kaum ent­zie­hen kann. Au­ßer im meist spär­lich be­füll­ten Gäst­e­sek­tor sieht man übe­r­all nur Grün und Weiß. Schon nach we­ni­gen Be­su­chen kennt man sie, die Ori­gi­na­le. Den Ra­pid-Char­ly, der ei­nem im­mer mit ei­nem über­di­men­sio­na­len Hut und Stut­zen bis zu den Kni­en ent­ge­gen­kommt. Den Au­gus­tin-Ver­käu­fer, den man vor und nach dem Spiel sin­gend in der U-Bahn-Sta­ti­on an­trifft. Sol­che Er­leb­nis­se schaf­fen ein Zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, das über den Schluss­pfiff hin­aus an­dau­ert. Schon vor den

Ra­pid ist nicht ir­gend­ein Ver­ein, son­dern der be­lieb­tes­te Fuß­ball­klub der Na­ti­on – und mil­lio­nen­schwer.

80ern hat­te es treue Fan-Klubs ge­ge­ben. Ab 1988 aber im­por­tie­ren Fans die Ul­tras-Kul­tur aus Ita­li­en nach Hüt­tel­dorf und fül­len da­mit kon­ti­nu­ier­lich die Rän­ge. Bei je­dem Spiel. Ge­lei­tet von ei­nem so­ge­nann­ten Di­ret­tivo, ei­ner Art Vor­stand, der aus sechs bis sie­ben Leu­ten be­steht und die Rich­tung des Blocks West vor­gibt, zie­hen die Ul­tras mit ih­ren Cho­reo­gra­fi­en, ih­ren Ge­sän­gen, kurz: mit ih­rer In­brunst die an­de­ren an und mit. Auf je­de Rei­se be­glei­ten sie die Mann­schaft, egal ob es nach St. Pöl­ten oder Ge­or­gi­en geht. Nicht nur die Rei­sen, auch die be­ein­dru­cken­den Cho­reo­gra­fi­en ver­schlin­gen enor­me Geld­be­trä­ge. Da­zu kom­men un­zäh­li­ge St­un­den an Pla­nung und Vor­be­rei­tung. Un­ter der Wo­che wer­den Über­roll­fah­nen ge­näht, Dop­pel­hal­ter ge­bas­telt und Fah­nen be­malt. Ein­mal im Jahr ruft die Trup­pe zu ei­ner gro­ßen Spen­den­ak­ti­on für so­zia­le Ein­rich­tun­gen auf. Ra­pid ist für vie­le ei­ne Re­li­gi­on, das Sta­di­on die Ka­the­dra­le.

Ei­ne Re­li­gi­on mit zer­stö­re­ri­scher Kraft: Do­me­ni­co Ja­co­no war Mit­glied der ›Hüt­tel­dor­fer Ter­ror­sze­ne‹, ei­ner Vor­läu­fer­or­ga­ni­sa­ti­on der Ul­tras, die sich die­sen Na­men selbst gab. Die Her­kunft von Ja­co­nos Va­ter, der aus der Nä­he von Nea­pel stammt, brach­te ihn früh in Kon­takt mit ita­lie­ni­scher Fan­kul­tur. Er wä­re Grün­dungs­mit­glied der Ul­tras ge­wor­den, wä­re er da­mals nicht we­gen Land­frie­dens­bruch in Bay­ern ein­ge­ses­sen. Heu­te kann man ihn oft im Ca­fé Wei­din­ger an­tref­fen. An ei­nem drü­ckend hei­ßen Som­mer­tag sitzt Ja­co­no mit ei­ner Schirm­müt­ze im schat­ti­gen Gar­ten sei­nes Stamm­ca­fés im 16. Be­zirk: ›Die Ul­tras set­zen sich selbst Prä­mis­sen wie Kom­pro­miss­lo­sig­keit, oh­ne Rück­sicht auf Nach­tei­le für die ei­ge­ne Per­son. Sie ste­cken ih­re Le­bens­en­er­gie rein und er­war­ten da­für et­was re­tour. Wenn das nicht kommt, dann kann sich die po­si­ti­ve in ne­ga­ti­ve Zu­nei­gung um­dre­hen.‹ Ja­co­no kennt Ra­pid wie we­ni­ge an­de­re. Nach sei­ner Haft­stra­fe hat­te er sich zwar ei­ne Aus­zeit vom Fan­tum ge­gönnt und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaf­ten stu­diert, in den Nul­ler­jah­ren kam er aber mit um­so mehr Hin­ga­be zu­rück. Er wur­de Ku­ra­tor des ver­eins­ei­ge­nen Mu­se­ums, Mit­glied des Ethik­ra­tes und so et­was wie der of­fi­zi­el­le Ver­eins­his­to­ri­ker. Ein Mann, der das Ul­tras-Mot­to ›Ra­pid Wien Le­bens­sinn‹ ge­lebt hat­te. Heu­te geht er nicht mehr ins Sta­di­on. Er ist zu ent­täuscht vom Ver­ein, der sei­ne Wur­zeln ver­ra­ten ha­be: ›Der Ar­bei­ter­ver­ein Ra­pid ist die­se Sai­son punc­to Steh­platz-Ein­zel­kar­te und Bier der teu­ers­te Ver­ein der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­li­ga.‹

Den­noch funk­tio­niert die Durch­mi­schung bis heu­te: Bei ei­nem Ra­pid-Spiel und be­son­ders im Block West trifft man auf Re­prä­sen­tan­ten al­ler Ge­sell­schafts­schich­ten. Da ste­hen der An­walt und der Ar­bei­ter ne­ben­ein­an­der, da pros­tet der Bus­fah­rer dem Wis­sen­schaft­ler zu. Grün-Weiß ni­vel­liert die Klas­sen­un­ter­schie­de – auch weil die Ul­tras apo­li­tisch un­ter­wegs sind. Wäh­rend der Lo­kal­ri­va­le Aus­tria Wien in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gro­ße Pro­ble­me mit Rechts­ex­tre­mis­mus hat­te, blie­ben die In­fil­trie­rungs­ver­su­che der neo­na­zis­ti­schen VAPO in den 80er- und 90er-Jah­ren bei Ra­pid er­folg­los. Po­li­tik an sich ist im Sek­tor un­er­wünscht. Das Sym­bol der Ul­tras, der In­dia­ner, wur­de ob sei­ner ver­meint­li­chen po­li­ti­schen Un­schuld zum Wap­pen aus­er­ko­ren.

Und mit ih­rer In­dia­ner­eh­re neh­men es die Ul­tras sehr ge­nau: Sie ver­ste­hen es, sich als ver­schwo­re­ner Zir­kel zu in­sze­nie­ren, des­sen Ge­schlos­sen­heit al­len Re­spekt ein­flößt. Auf ei­ne DA­TUM-Ge­sprächs­an­fra­ge re­agier­ten die Ul­tras nicht, was ih­rer jah­re­lang ge­pfleg­ten Li­nie ei­ner Art ›Omer­tà‹ ge­gen­über Jour­na­lis­ten ent­spricht, de­nen der Ul­tras-Fan­block grund­sätz­lich miss­traut. Nach au­ßen kom­mu­ni­zie­ren sie lie­ber über Fly­er und ei­ge­ne Ma­ga­zi­ne. Tat­säch­lich be­rich­ten ins­be­son­de­re die Bou­le­vard­me­di­en na­he­zu wö­chent­lich über den grün-wei­ßen An­hang, in den meis­ten Fäl­len ne­ga­tiv und schlecht re­cher­chiert. Im Au­gust 2017 ma­ni­fes­tier­te sich der Hass der Ul­tras ge­gen die Jour­nail­le dann in ei­ner Cho­reo­gra­fie. Zwei Ta­ge nach dem Ter­ror­an­schlag in Bar­ce­lo­na, bei dem 14 Men­schen ums Le­ben ka­men, prang­te in der Mit­te des Blocks West ein rie­si­ger Mit­tel­fin­ger. Gar­niert wur­de er von ei­nem Trans­pa­rent mit der Auf­schrift: ›Die wah­ren Ver­bre­cher seid ihr – Jour­na­lis­ten Ter­ro­ris­ten‹.

Wäh­rend die Ul­tras für Ra­pid Wien ei­ner­seits Wirt­schafts­fak­tor, Zug­pferd und Al­lein­stel­lungs­merk­mal in ei­nem sind, fü­gen sie ih­rem Her­zens­ver­ein mit ih--

ren Grenz­über­schrei­tun­gen zu­gleich im­mer wie­der er­heb­li­chen Scha­den zu. Die­sen Wi­der­spruch re­prä­sen­tiert P., Vor­sän­ger der Kur­ve West und Mit­glied des in­ners­ten Ul­tra-Zir­kels, wie kein an­de­rer. P. kennt die West­tri­bü­ne seit sei­ner Schul­zeit, schnell steigt er in hö­he­re Po­si­tio­nen in­ner­halb der Ul­tras auf. Den Fan­block über­nimmt er im Jahr 2003 auch of­fi­zi­ell als Chef und macht ihn mit sei­ner Lei­den­schaft und Hin­ga­be zu ei­nem der an­ge­se­hens­ten in ganz Eu­ro­pa. So se­hen es zu­min­dest sei­ne Für­spre­cher. In­ner­halb der Sze­ne ist er ei­ne le­ben­de Le­gen­de – und für DA­TUM für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht er­reich­bar. P. ist es auch, der 2002 in Fol­ge ei­ner Prü­ge­lei mit der Po­li­zei im Rah­men ei­nes Test­spiels als ei­ne der ers­ten Per­so­nen in Ös­ter­reich über­haupt Sta­di­on­ver­bot er­hält. Auf die Ra­pid-Fa­mi­lie aber kann er sich im­mer ver­las­sen. Als er 2012 nach di­ver­sen an­de­ren Vor­stra­fen im so­ge­nann­ten ›West­bahn­hof-Pro­zess‹ zu 14 Mo­na­ten un­be­ding­ter Haft we­gen Land­frie­dens­bruch ver­ur­teilt wird, be­ruft ihn Ra­pid noch wäh­rend des Ver­fah­rens als Fan­ver­tre­ter in ei­ne ver­eins­in­ter­ne Re­form­kom­mis­si­on. P. hat­te 165 Ra­pid-An­hän­ger am West­bahn­hof ver­sam­melt, um die von ei­nem Aus­wärts­spiel in Linz heim­kom­men­den Aus­tria-Fans un­freund­lich zu emp­fan­gen. Das führ­te zwar nicht zu ei­ner Mas­sen­schlä­ge­rei, sehr wohl aber zu hef­ti­gen Aus­schrei­tun­gen ge­gen die Po­li­zei, die ei­ne sol­che ver­hin­dern woll­te. Das Ge­richt sieht die Sa­che da­mals ein­deu­tig: ›Sie ha­ben ei­ne gan­ze Ge­gend in Angst und Schre­cken ver­setzt‹, stellt der Se­nats­vor­sit­zen­de fest, als er P.s Be­ru­fung ab­weist. Da wirkt auch ein Emp­feh­lungs­schrei­ben des da­ma­li­gen Ra­pid-Prä­si­den­ten Ru­dolf Ed­lin­ger nicht. P. wird ver­ur­teilt. Nach 500 Ta­gen Ab­sti­nenz auf­grund von Haft und an­schlie­ßen­dem Sta­di­on­ver­bot kehrt P. bei ei­nem Aus­wärts­spiel in Graz in die Kur­ve zu­rück und wird von Ka­pi­tän und Re­kord­spie­ler Stef­fen Hof­mann noch wäh­rend des Auf­wär­mens per­sön­lich will­kom­men ge­hei­ßen. All­zu gro­ße Sor­gen, dass sein Ar­beit­ge­ber we­nig Ver­ständ­nis für sein En­ga­ge­ment bei den Ul­tras zeigt, muss sich P. auch nicht ma­chen: Der Chef des Un­ter­neh­mens, in dem er tä­tig ist, sitzt im Prä­si­di­um des SK Ra­pid. In ei­nem In­ter­view mit dem Fan­ma­ga­zin For­za Ra­pid be­haup­tet Ex-Häft­ling P. stolz, Chris­toph Pe­schek mit in die Po­si­ti­on des Vi­ze­prä­si­den­ten ge­hievt zu ha­ben: ›Ich ha­be ihn auch zu Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen mit­ge­nom­men und ihm nach und nach ein­fluss­rei­che Ra­pid­ler al­ler Be­rei­che vor­ge­stellt. Ir­gend­wann bin ich von meh­re­ren Prä­si­di­ums­mit­glie­dern ge­fragt wor­den, ob mein Freund, der jun­ge

Po­li­ti­ker, In­ter­es­se hat, für den SK Ra­pid tä­tig zu wer­den. Wir ha­ben uns dann ge­trof­fen, und ich ha­be Chris­toph im Auf­trag des Prä­si­di­ums ge­fragt, ob er bei un­se­rem Her­zens­ver­ein ei­ne of­fi­zi­el­le Po­si­ti­on über­neh­men möch­te.‹ Zwei Jah­re spä­ter wird Pe­schek zum ope­ra­ti­ven Ge­schäfts­füh­rer der Ka­pi­tal­ge­sell­schaft auf­stei­gen, in die der Ver­ein 2016 den Pro­fi­be­reich aus­la­gert. Ein Chef, der in der Schuld der Ul­tras steht?

Chris­toph Pe­schek hat DA­TUM in sein Bü­ro im neu­en Al­li­anz-Sta­di­on ge­la­den. Von sei­nem Be­spre­chungs­tisch aus kann man das me­ter­ho­he R des Ra­pid-Schrift­zu­ges er­ken­nen, das drau­ßen am Sta­di­onge­bäu­de prangt. Ein nüch­ter­nes Zim­mer, im Grün-Weiß der Ver­eins­far­ben ge­hal­ten. Auf ei­nem Re­gal liegt ein für Pe­schek si­gnier­ter Fuß­ball der Mann­schaft. Pe­schek ist ge­löst, Ra­pid hat am Abend da­vor im Eu­ro­pa­cup Spar­tak Mos­kau ge­schla­gen. Er streicht sei­ne Kra­wat­te im Ra­pid-Grün glatt, am Re­vers fun­kelt das Ver­eins­zei­chen: ›P. hat auch zu je­nen da­zu­ge­hört, die ge­sagt ha­ben, das ist ein en­ga­gier­ter Ra­pid­ler. Das ist okay, und da fin­de ich auch nichts Ver­werf­li­ches dran‹, sagt er dann mit wei­cher Stim­me. Schluss­end­lich hät­ten ihn aber sei­ne Leis­tun­gen in die Spit­zen­po­si­ti­on ge­hievt. Pe­schek spricht elo­quent und gibt sich ver­bind­lich. Stei­gen­de An­span­nung merkt man nur an sei­nen sich ge­le­gent­lich im­mer schnel­ler dre­hen­den Dau­men. Auf die wach­sen­de Ein­fluss­nah­me der Ul­tras an­ge­spro­chen, ant­wor­tet er: ›Da fehlt mir der Ver­gleich, ich bin erst seit 2015 in of­fi­zi­el­len Funk­tio­nen für den SK Ra­pid tä­tig.‹ Gleich­zei­tig ist Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge sein Wis­sen um das ›Sys­tem Ra­pid‹ sein Trumpf beim Hea­ring zum Pos­ten des Ge­schäfts­füh­rers ge­we­sen.

Und die Aus­schrei­tun­gen, wie zu­letzt beim Der­by im Sep­tem­ber? Die führt er zu ei­nem we­sent­li­chen Teil auf die schie­re Mas­se der Ra­pid-An­hän­ger zu­rück: ›Man kann auch nicht die Falsch­par­ker-Sta­tis­tik von Wien mit je­ner aus Wie­ner Neu­stadt ver­glei­chen‹, sagt er mit Nach­druck. Sei­ne Dau­men ro­tie­ren un­auf­hör­lich, der Blick schweift aus dem Fens­ter auf das Park&Ri­de-Ge­bäu­de. Pe­schek ist kein auf­brau­sen­der Mann, zu­mal me­di­al ge­schult und auf un­an­ge­neh­me Fra­gen im­mer vor­be­rei­tet. Er weiß, wie man sie ab­fängt und da­bei ver­söhn­lich klingt. Er spricht un­auf­hör­lich von der ›Ra­pid-Fa­mi­lie‹ und sagt Sät­ze wie: ›De­mo­kra­tie hört beim SK Ra­pid nicht am Sta­di­on­tor auf.‹

Dass es sich bei Ra­pid nie­mand leis­ten kann, es sich mit den Ul­tras zu ver­scher­zen, zeigt auch der Fall des ehe­ma­li­gen Sport­di­rek­tors Andre­as Mül­ler. Er wur­de im No­vem­ber 2016 nach miss­glück­ten Trans­fers und Trai­ner­ent­schei­dun­gen ent­las­sen. Laut Mül­ler wa­ren je­doch nicht in ers­ter Li­nie sport­li­che Grün­de für sei­ne Be­ur­lau­bung ver­ant­wort­lich. Fünf Mo­na­te nach sei­ner Frei­stel­lung sprach er bei ei­ner Fuß­ball-Talk­sen­dung auf Sky über die sei­ner An­sicht nach wah­ren Mo­ti­ve: ›Der ein­zi­ge Grund ist, dass die Ul­tras mit mir nicht mehr klar­ka­men. Die woll­ten mich weg­ha­ben.‹ Mül­ler kri­ti­sier­te auch die Ver­bin­dun­gen zwi­schen Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen und den Ul­tras: ›Ich bin nicht wie Pe­schek je­mand, der mit den Ul­tras im Bett liegt. Ich fin­de es fa­tal, wenn man aus die­sem her­aus­ra­gen­den Sup­port ei­nen An­spruch ab­lei­tet, in die Ent­schei­dun­gen des Ver­eins ein­zu­grei­fen. Das ist kom­plet­ter Wahn­sinn.‹ Mül­ler ist kein Neu­ling in der Fuß­ball­sze­ne, er hat un­ter an­de­rem für den deut­schen Spit­zen­klub Schal­ke 04 ge­ar­bei­tet. Er weiß, wie Spit­zen­fuß­ball funk­tio­niert. Bei Ra­pid aber ha­be kei­ner ›die Cou­ra­ge, auf­zu­ste­hen und zu sa­gen: Wir müs­sen ei­ne Gren­ze zie­hen.‹ Et­wa, wenn es um Spie­le­r­en­ga­ge­ments geht. Der Zwist zwi­schen den Ul­tras und Mül­ler be­ginnt, als die­ser den Spie­ler Ma­xi­mi­li­an En­trup ver­pflich­tet, der einst als Ju­gend­li­cher in ei­nem Fan­klub des Erz­ri­va­len Aus­tria Wien ak­tiv ge­we­sen war. Die Ul­tras re­agie­ren auf ih­re Wei­se. Im ers­ten Sai­son­spiel prangt im Block West ein Trans­pa­rent mit der Auf­schrift: ›M. En­trup – Die grü­ne Höl­le wird für dich zum In­fer­no!‹ Im Ma­ga­zin der Ul­tras schrei­ben sie vom ›vio­let­ten Schäd­ling‹, En­trup darf nach den Spie­len nicht wie sei­ne Mann­schafts­kol­le­gen zur Fan­kur­ve, son­dern muss im Ka­bi­nen­gang ver­har­ren. Als Mül­ler sich öf­fent­lich vor den Spie­ler stellt, wird auch er zur Ziel­schei­be. Im An­schluss an Mül­lers TV-Auf­tritt ist vor al­lem bei Ra­pid die Em­pö­rung groß, die Vor­wür­fe wer­den de­men­tiert. ›Ich ha­be sei­ne Bot­schaft wohl ge­hört, aber nicht ver­stan­den‹, be­tont Pe­schek, der Mül­lers Aus­sa­gen auch als Tren­nungs­schmerz klas­si­fi­ziert. Mül­ler selbst gibt auf DA­TUM-Nach­fra­ge zu ver­ste­hen, nach der gro­ßen Auf­re­gung um sei­ne Aus­sa­gen in die­ser Cau­sa nichts mehr hin­zu­fü­gen zu wol­len: ›Ich ha­be mit den Ul­tras ab­ge­schlos­sen und möch­te mich zu die­sem The­ma nicht mehr äu­ßern.‹

Nach Aus­schrei­tun­gen, wie zu­letzt beim Der­by am 16. Sep­tem­ber, ist das of­fi­zi­el­le Er­klä­rungs­mus­ter fast im­mer

›De­mo­kra­tie hört beim SK Ra­pid nicht am Sta­di­on­tor auf‹, sagt Ge­schäfts­füh­rer Chris­toph Pe­schek.

das­sel­be. Man dis­tan­ziert sich von den Übel­tä­tern, spricht von ro­ten Li­ni­en, die nicht über­schrit­ten wer­den dür­fen und von Sank­tio­nen, die dar­aus re­sul­tie­ren wer­den. Im an­schlie­ßen­den Satz folgt dann die Re­la­ti­vie­rung. Man dür­fe nicht al­le Fans über ei­nen Kamm sche­ren, es hand­le sich um Ein­zel­tä­ter, die noch aus­ge­forscht wer­den müss­ten, und über­haupt ha­be man die bes­ten Fans der Welt. Ein wei­te­rer ehe­ma­li­ger Funk­ti­ons­trä­ger des SK Ra­pid hält dies für Tak­tik: ›Es wä­re trau­rig, wenn sie es be­wusst zu­las­sen, um sich aus der Ver­ant­wor­tung zu neh­men. Aber ir­gend­wann muss auch Pe­schek Kon­se­quen­zen zie­hen – und auch Ra­pid-Prä­si­dent Micha­el Kram­mer. Wenn sie Ent­schei­dun­gen nur tref­fen, weil es das Volk wie bei Brot und Spie­len so möch­te, ha­ben sie ih­re Auf­ga­be ver­fehlt.‹ Die­se Ein­schät­zung wird von meh­re­ren ehe­ma­li­gen Ra­pid­lern be­stä­tigt.

Die Amts­zeit von Prä­si­dent Kram­mer läuft 2019 aus. Noch hat er nicht ent­schie­den, ob er er­neut kan­di­die­ren wird. Un­denk­bar aber, dass in na­her Zu­kunft je­mand an der Spit­ze Ra­pids steht, den die Ul­tras nicht gou­tie­ren. Blei­ben die han­deln­den Per­so­nen die­sel­ben, wer­den die maß­geb­li­chen Ent­schei­dun­gen wei­ter­hin stark von den Ul­tras be­ein­flusst wer­den. Nach dem schon län­ger von ih­nen ge­for­der­ten Raus­schmiss von Trai­ner Goran Dju­ricin, hat der Ver­ein nun Ra­pid-Le­gen­de Diet­mar Küh­bau­er zum neu­en Trai­ner be­stellt, um die Si­tua­ti­on zu be­ru­hi­gen – auch das ein de­zi­dier­ter Wunsch des Fan-Klubs. Vi­ze­prä­si­dent Pe­schek for­mu­liert es so: ›Die Ein­be­zie­hung al­ler In­ter­es­sen­grup­pen in ih­rer ge­sam­ten Viel­falt ist et­was sehr Wich­ti­ges und sehr wert­voll. Die Ul­tra­kul­tur ist ei­ne der er­folg­reichs­ten Ju­gend­kul­tu­ren, denn im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren ist sie von Be­stand.‹ •

Der Au­tor emp­fiehlt den Ra­pid-An­fän­gern ei­nen Be­such im Ra­pi­de­um. Dort wird die Ge­schich­te des Klubs vom ›1. Wie­ner Ar­bei­ter Fuß­ball-Club‹ 1897 bis heu­te er­zählt – und ihr ge­hul­digt.

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