›Ein Hund ist auch nicht gern dre­ckig‹

Na­me: Pe­tra Schöff­mann, 44 Be­ruf: Hun­de­fri­seu­rin in Wien-Her­nals

Datum - - Ökonometer - In­ter­view: Ri­car­da Opis Fo­to­gra­fie: Ur­su­la Röck

Wie sind Sie zu Ih­rem Be­ruf ge­kom­men? Ich woll­te mit Tie­ren ar­bei­ten. Zu Hau­se ha­ben wir im­mer schon Tie­re ge­habt und im­mer wie­der auch Per­ser­kat­zen fri­siert und ge­schnit­ten. Mei­ne Mut­ter hat­te näm­lich ein Tier­zu­be­hör­ge­schäft, und da ha­ben wir dann den Sa­lon an­ge­hängt.

Wie ist die Aus­bil­dung zur Hun­de­fri­seu­rin ge­re­gelt?

Es ist ein frei­es Ge­wer­be, es gibt al­so kei­ne staat­li­che Aus­bil­dung. Ich selbst ha­be erst ein­ein­halb Jah­re in ei­nem Hun­de­sa­lon ge­ar­bei­tet und dann in ei­nem Sa­lon in Deutsch­land ei­ne Aus­bil­dung ge­macht.

Was ge­fällt Ih­nen an Ih­rem Be­ruf ?

Der Um­gang mit den Tie­ren, de­fi­ni­tiv. Und dass die Leut’ ei­ne Freu­de ha­ben, wenn die Hun­de sau­ber und frisch ge­stylt sind. Die Hun­de füh­len sich auch wohl. Sie kom­men zwar nicht ger­ne her, aber sie ge­hen nach­her ger­ne raus! Die sind ja auch nicht ger­ne dre­ckig.

Kön­nen Sie von Ih­rem Be­ruf le­ben?

Ja, re­la­tiv gut so­gar. Es gibt Hun­de­sa­lons, de­ren Be­sit­zer kön­nen das nicht, aber wir schon. Wie viel wir ver­die­nen, kann man aber nicht ge­nau sa­gen. Das schwankt je nach Tag und Jah­res­zeit.

Sie ar­bei­ten seit 27 Jah­ren als Hun­de­fri­seu­rin. Was wür­den Sie je­man­dem ra­ten, der auch in die­sem Be­ruf an­fan­gen will?

Ich wür­de nicht ra­ten, dass man mit 50 sagt: So, jetzt geh ich Hund’ sche­ren. Das ma­chen aber die meis­ten, lei­der Got­tes. Man muss das Hand­werk von jun­gen Jah­ren an ler­nen und kann nicht ein­fach sa­gen: Ich lie­be Tie­re, ich ma­che jetzt ei­nen Hun­de­sa­lon auf. Das stellt man sich ein­fach vor, aber es ist ein sehr schwe­rer Be­ruf, kör­per­lich und nerv­lich. Was soll­te man mit­brin­gen?

Gu­te Ner­ven. Man muss dem Hund ja auch das Haar rund um die Au­gen schnei­den, und der bleibt nicht ru­hig sit­zen. Da muss man oft bei ei­nem Au­ge zwan­zig­mal an­set­zen. Das ist, als ob man ei­nen Fa­den ein­fä­deln will und je­mand schüt­telt ei­nen die gan­ze Zeit.

Stimmt es, dass sich Herrl und Hund oft ziem­lich äh­neln?

Ja, cha­rak­ter­lich auf je­den Fall. Leu­te, die viel re­den, ha­ben meis­tens Hun­de, die viel bel­len. Und ängst­li­che Leu­te ha­ben ängst­li­che Hun­de. Angst oder Ag­gres­si­on wer­den oft vom Be­sit­zer auf den Hund über­tra­gen. Op­tisch äh­neln sie sich hin und wie­der. Frü­her hat’s das eher ge­ge­ben, dass ein Di­cker ei­nen Pit­bull ge­habt hat. Heu­te ist das nicht mehr so. •

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