Ver­si­che­run­gen: Zu­schlä­ge müs­sen trans­pa­rent sein

FMA setzt OGH-Ur­teil zu Un­ter­jäh­rig­keits­klau­sel um

Der Standard - - WIRTSCHAFT & RECHT - Mar­gue­ri­ta Se­dra­ti-Mül­ler MAG. MAR­GUE­RI­TA SE­DRA­TI-MÜL­LER ist Rechts­an­wäl­tin bei Dor­da Rechts­an­wäl­te. mar­gue­ri­ta.mu­el­ler@dor­da.at

Wi­en – Der Obers­te Ge­richts­hof (OGH) hat in ei­ner Ent­schei­dung im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne so­ge­nann­te Un­ter­jäh­rig­keits­klau­sel in All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen für Le­bens­ver­si­che­run­gen mit Bei­trags­rück­ge­währ für in­trans­pa­rent be­fun­den (OGH 17. 2. 2016, 7 Ob 5 / 16k). Die Klau­sel sah vor, dass die lau­fen­den Jah­res­bei­trä­ge nach Ver­ein­ba­rung auch in halb­jähr­li­chen, vier­tel­jähr­li­chen oder mo­nat­li­chen Ra­ten, dann je­doch mit Zu­schlä­gen, be­zahlt wer­den kön­nen.

Nach dem Wort­laut er­gibt sich klar, dass un­ter­jäh­ri­ge Prä­mi­en ge­gen Zu­schlag ver­ein­bart wer­den kön­nen. Die Tex­tie­rung der Klau­sel lässt aber nicht er­ken­nen, ob der Ver­si­che­rungs­neh­mer we­gen ei­ner noch not­wen­di­gen Ver­ein­ba­rung Ein­fluss auf die Hö­he des Zu­schlags neh­men kann oder ak­zep­tie­ren muss, was im­mer der Ver­si­che­rer ihm ein­sei­tig vor­gibt. Das ist in­trans­pa­rent.

Stren­ger Stand­punkt

Die Fi­nanz­markt­auf­sicht (FMA) hat da­nach ei­ne Er­he­bung über mög­li­che Aus­wir­kun­gen die­ser Ent­schei­dung durch­ge­führt und nun ih­ren – äu­ßerst stren­gen – Stand­punkt im ak­tu­el­len Be­richt über die La­ge der ös­ter­rei­chi­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft öf­fent­lich ge­macht. Im Zu­ge der Pro­dukt­ent­wick­lung bzw. Pro­duk­tän­de­rung ist dem­nach vom Ver­si­che­rer si­cher­zu­stel­len, dass vor­ver­trag­li­che In­for­ma­ti­ons­pflich­ten je­den­falls trans­pa­rent sind und Ver­si­che­rungs­neh­mer noch vor Ver­trags­ab­schluss über die Prä­mi­en­zah­lungs­wei­se, die Prä­mi­en­zah­lungs­art und in die­sem Zu­sam­men­hang auch über die Hö­he des Un­ter­jäh­rig­keits­zu­schlags in­for­miert wer­den. Ge­ne­rell ist na­tür­lich auch das all­ge­mei­ne Ir­re­füh­rungs­ver­bot des § 252 Abs 8 VAG 2016 zu be­rück­sich­ti­gen.

Für Ver­si­che­rer ist als Fol­ge die­ses Be­richts noch grö­ße­re Vor­sicht im un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Ent­wick­lungs­pro­zess von Ver­si­che­rungs­pro­duk­ten, so­wohl bei der Neu­ge­stal­tung als auch der Än­de­rung von exis­tie­ren­den An­ge­bo­ten, ge­bo­ten. Vor al­lem die Ein­bin­dung der ei­ge­nen Rechts­ab­tei­lung ist da­bei im­mer emp­feh­lens­wert.

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