Nächs­te Run­de für Salz­bur­ger Strom­au­to­bahn

Nun be­fasst sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt fünf Ta­ge mit der 380-kV-Lei­tung. Die Frei­lei­tungs­geg­ner or­ten ei­ne Un­zu­stän­dig­keit beim Land Salz­burg als Be­hör­de und for­dern ein neu­es Ver­fah­ren. Das Ur­teil wird wohl erst En­de des Jah­res schrift­lich er­ge­hen

Der Standard - - CHRONIK - Ste­fa­nie Ruep

Salz­burg/Wi­en – Der Streit um die ge­plan­te 380-kV-Lei­tung durch das Bun­des­land Salz­burg geht in die nächs­te In­stanz. Seit Mon­tag be­schäf­tigt sich nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Wi­en mit der Strom­au­to­bahn nach Ka­prun. Der Pro­jekt­be­trei­ber, die Ver­bun­dToch­ter APG (Aus­tria Po­wer Grid), pocht auf de­ren Be­deu­tung für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Die Frei­lei­tungs­geg­ner wol­len zu­min­dest Tei­le der Strom­au­to­bahn als Kabel in der Er­de.

Die Ver­hand­lung un­ter dem Vor­sitz von Rich­te­rin Sil­via Kra­sa ist vor­erst für fünf Ta­ge an­ge­setzt. Wenn nö­tig, kön­nen drei wei­te­re Ta­ge im Ver­hand­lungs­saal im Marx-Pa­last im drit­ten Be­zirk an­be­raumt wer­den. Das Ur­teil wird vor­aus­sicht­lich erst En­de des Jah­res schrift­lich er­ge­hen. Die APG sieht in dem Ver­fah­ren rei­ne Rou­ti­ne. Mit dem Bau der Salz­bur­gLei­tung soll die letz­te Lü­cke im 380-kV-Ring Ös­ter­reichs ge­schlos­sen wer­den. Die ge­plan­te Frei­lei­tung ist 113 Ki­lo­me­ter lang und ver­läuft zwi­schen Elix­hau­sen im Flach­gau und Ka­prun im Pinz­gau.

Die Frei­lei­tungs­geg­ner, dar­un­ter meh­re­re Bür­ger­initia­ti­ven, Ge­mein­den so­wie die Um­welt­an­walt­schaft und der Na­tur­schutz­bund, for­der­ten am Mon­tag ein neu­es Ver­fah­ren. Das Land sei für die Ge­neh­mi­gung nicht al­lein zu­stän­dig, da die Lei­tung meh­re­re Bun­des­län­der be­tref­fe, ar­gu­men­tier­te An­walt Wolf­gang List. Die Pro­jekt­geg­ner hof­fen, dass die Zu­stän­dig­keits­fra­ge durch den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ge­klärt wird. Sie be­fürch­ten gra­vie­ren­de ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Na­tur, Land­schafts­bild und Tou­ris­mus. Für sie ist der po­si­ti­ve Be­scheid des Lan­des klar rechts­wid­rig.

Die Strom­au­to­bahn ist As­trid Röss­lers Schmer­zens­the­ma. Im ver­gan­ge­nen Wahl­kampf ist die grü­ne Lan­des­par­tei­che­fin noch als Lei­tungs­geg­ne­rin auf­ge­tre­ten. Als Um­welt­lan­des­rä­tin hat sie im De­zem­ber 2015 ei­nen po­si­ti­ven UVP-Be­scheid für die um­strit­te­ne Frei­lei­tung er­las­sen und den Bau ge­neh­migt.

Kei­ne grü­ne Hoff­nung

Die Aus­wir­kun­gen der Lei­tung auf Na­tur- und Land­schafts­schutz wur­den zwar ne­ga­tiv be­wer­tet. Ins­ge­samt sah die Be­hör­de aber mehr Vor- als Nach­tei­le. 38 Mo­na­te dau­er­te die Prü­fung. Aus­ge­rech­net je­ner Gut­ach­ter, der die Lei­tung aus tou­ris­ti­scher Sicht kri­tisch be­ur­teilt hat­te, wur­de von Röss­ler im Ver­fah­ren we­gen Un­ver­ein­bar­kei­ten nicht zu­ge­las­sen. Der Ex­per­te klag­te und be­kam vor Ge­richt recht. Für vie­le Frei­lei- tungs­geg­ner und An­rai­ner ha­ben die Grü­nen ih­re Rol­le als Hoff­nungs­trä­ger da­mit ver­spielt. Sie füh­len sich von der Re­gie­rungs­par­tei längst nicht mehr ver­tre­ten. Das wer­den die Salz­bur­ger Grü­nen auch bei den Land­tags­wah­len 2018 zu spü­ren be­kom­men.

Aus­wir­kun­gen hat die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch auf ei­nen Kraft­werks­bau in Ka­prun. Am Frei­tag wur­de für das Pump­spei­cher­kraft­werk Lim­berg III ein po­si­ti­ver UVP-Be­scheid er­las­sen. Der Ver­bund prü­fe nun, ob das un­ter­ir­di­sche 480-Me­ga­wat­tKraft­werk ge­baut wird. Das hän­ge auch von der 380-kV-Lei­tung ab. Pump­spei­cher­kraft­wer­ke sei­en für die Ab­fe­de­rung von Netz­schwan­kun­gen zwar not­wen­dig, ihr Bau und Be­trieb der­zeit aber nicht wirt­schaft­lich.

Oh­ne die 380-kV-Lei­tung sei das Kraft­werks­pro­jekt nicht sinn­voll, weil das Kraft­werk leis­tungs­star­ke Über­tra­gungs­net­ze brau­che, heißt es sei­tens des Ver­bund. Die Spei­cher­kraft wer­de drin­gend ge­braucht, weil durch den Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en der Be­darf an Aus­gleichs- und Re­gel­ener­gie zu­nimmt. Die Er­zeu­gung aus Wind und Son­ne sei vo­la­til und schwer plan­bar.

Dass 380-kV-Strom­mas­ten in der Salz­bur­ger Land­schaft ste­hen könn­ten, ist den Frei­lei­tungs­geg­nern ein Dorn im Au­ge. Die Ein­sprü­che ge­gen den po­si­ti­ven Be­scheid brach­ten ihn in die nächs­te In­stanz.

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