Der bes­te Schutz für Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen im Iran

Ein ös­ter­rei­chisch-ira­ni­sches Ab­kom­men be­wahrt vor Dis­kri­mi­nie­rung und bie­tet Zu­gang zu Schieds­ge­rich­ten

Der Standard - - WIRTSCHAFT & RECHT - Fa­rid Si­ga­ri-Ma­jd Amir-Said Ghas­sabeh

Wien/Hamburg – Seit der Lo­cke­rung der ge­gen den Iran ver­häng­ten Wirt­schafts- und Fi­nanz­sank­tio­nen An­fang 2016 ver­sucht die ira­ni­sche Re­gie­rung un­ter der Füh­rung ih­res Prä­si­den­ten Has­san Ro­ha­ni wie­der ver­stärkt, aus­län­di­sche In­ves­to­ren in das Land zu lo­cken. Als ei­ne wich­ti­ge Maß­nah­me hat sich da­bei das be­reits seit über 15 Jah­ren be­ste­hen­de ira­ni­sche Ge­setz zur För­de­rung und zum Schutz aus­län­di­scher In­ves­ti­tio­nen (For­eign In­vest­ment Pro­mo­ti­on and Pro­tec­tion Act, FIPPA) her­aus­ge­stellt.

Das FIPPA ent­hält ei­ne Rei­he ma­te­ri­el­ler Schutz­vor­schrif­ten für aus­län­di­sche In­ves­to­ren, wo­zu der Schutz vor will­kür­li­cher und ent­schä­di­gungs­lo­ser Ent­eig­nung, das Prin­zip der In­län­der­gleich­be­hand­lung so­wie die Ga­ran­tie ei­nes frei­en Ka­pi­tal­trans­fers ge­hö­ren. Da­zu sieht das Ge­setz wei­te­re Pri­vi­le­gi­en wie die zoll­freie Ein­fuhr von Ar­beits­ge­rä­ten und Ma­schi- nen so­wie di­ver­se Steu­er­er­leich­te­run­gen für aus­län­di­sche In­ves­to­ren vor.

Um in den Ge­nuss die­ses Schut­zes zu kom­men, muss die In­ves­ti­ti­on je­doch zu­vor von ira­ni­scher Seite ge­neh­migt wor­den sein. Zu­stän­dig ist die da­für ein­ge­rich­te­te Or­ga­niza­t­i­on for In­vest­ment, Eco­no­mic and Tech­ni­cal As­sis­tan­ce of Iran (OIETAI), die die An­trä­ge auf aus­län­di­sche In­ves­ti­tio­nen im Iran ent­ge­gen­nimmt und be­wer­tet. Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung trifft ei­ne be­son­de­re Kom­mis­si­on für Aus­lands­in­ves­ti­tio­nen auf Ba­sis des OIETAI-Be­richts. Kri­te­ri­en wie die Schaf­fung von Ar­beits­plät­zen, die Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät und die Wei­ter­ent­wick­lung der hei­mi­schen Tech­no­lo­gie spie­len bei die­ser Ent­schei­dung meist ei­ne be­son­de­re Rol­le.

Ös­ter­rei­chi­sche Un­ter­neh­men soll­ten sich je­doch nicht al­lein auf den FIPPA-Schutz ver­las­sen. Denn das ira­ni­sche In­ves­ti­ti­ons­schutz­ge­setz weist ei­ni­ge De­fi­zi­te auf, die von vie­len aus­län­di­schen In­ves­to­ren un­nö­tig in Kauf ge­nom- men wer­den. Ei­nen we­sent­lich um­fas­sen­de­ren Schutz bie­tet da­ge­gen das zwi­schen dem Iran und Ös­ter­reich seit 2004 be­ste­hen­de bi­la­te­ra­le In­ves­ti­ti­ons­schutz­ab­kom­men (BIT). Vor­aus­set­zung für sei­ne An­wen­dung ist, dass das Un­ter­neh­men in Ös­ter­reich ge­grün­det oder er­rich­tet wor­den und in Ös­ter­reich auch tat­säch­lich wirt­schaft­lich tä­tig ist. Die Grün­dung ei­ner blo­ßen Zweck­ge­sell­schaft reicht nicht aus.

Ge­rech­te Be­hand­lung

Im Ge­gen­satz zu FIPPA sieht das BIT zu­dem den Grund­satz der ge­rech­ten und bil­li­gen Be­hand­lung vor. Dies ist der am wei­tes­ten ge­fass­te Schutz­ge­halt im Rah­men ei­nes BIT und um­fasst die Ga­ran­tie, dass der Gast­staat ei­ne ge­wis­se recht­li­che und ge­schäft­li­che Sta­bi­li­tät, Vor­her­seh­bar­keit und Trans­pa­renz dem Ver­trau­ens­schutz­in­ter­es­se der In­ves­to­ren ent­spre­chend si­cher­stellt und kei­ne dis­kri­mi­nie­ren­den und po­li­tisch mo­ti­vier­ten Maß­nah­men ge­gen die In­ves­ti­tio­nen er­greift.

Dar­über hin­aus er­öff­net das BIT ös­ter­rei­chi­schen Un­ter­neh­men den Zu­gang zu in­ter­na­tio­na­len Schieds­ge­rich­ten. Strei­tig­kei­ten zwi­schen dem In­ves­tor und dem Iran müs­sen da­nach nicht vor den ira­ni­schen Ge­rich­ten aus­ge­tra­gen wer­den. Der in­ter­na­tio­na­le Rechts­weg kann aber erst be­schrit­ten wer­den, wenn der Ver­such ei­ner güt­li­chen Ei­ni­gung ge­schei­tert ist. Ei­ne zeit­li­che Vor­ga­be da­für, wann von ei­nem Schei­tern aus­zu­ge­hen ist, sieht das BIT nicht vor.

Trotz des po­li­tisch un­ru­hi­gen Um­felds se­hen zahl­rei­che eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men Ge­schäfts­chan­cen im Iran, wie die jüngs­ten Bei­spie­le von To­tal, Al­st­om oder auch der Lin­zer Ober­bank zei­gen. Aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen soll­ten da­bei so struk­tu­riert wer­den, dass ein best­mög­li­cher In­ves­ti­ti­ons­schutz si­cher­ge­stellt ist.

FA­RID SI­GA­RI-MA­JD ist Part­ner, AMIR-SAID GHAS­SABEH Rechts­an­walt bei Fresh­fiel­ds Bruck­haus De­rin­ger in Wien. fa­rid.si­ga­ri@fresh­fiel­ds.com

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