Miet­rechts­plä­ne von Mit­te-rechts sind noch va­ge

Über wohn­recht­li­che The­men wur­de in den Ver­hand­lun­gen von ÖVP und FPÖ bis­her noch nicht ge­spro­chen. Frü­he­re Aus­sa­gen und Stand­punk­te las­sen aber Schlüs­se zu, wo­hin die Rei­se ge­hen könn­te.

Der Standard - - RECHTSTANDARD - Mar­tin Putschögl

Wi­en – Die Na­tio­nal­rats­wahl ist ge­schla­gen, es zeich­net sich ei­ne bal­di­ge schwarz-blaue Ko­ali­ti­on ab. Die Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen lau­fen, die Par­tei­en fo­kus­sie­ren da­bei in den ers­ten Wo­chen auf bud­get­re­le­van­te Vor­ha­ben. Zi­vil­recht­li­che The­men wie das Miet­recht ste­hen des­halb auf der „To do“-Lis­te der da­für zu­stän­di­gen Fach­grup­pe „Jus­tiz“et­was wei­ter un­ten. Vom STAN­DARD kon­tak­tier­te Wohn­rechts­pro­fis aus ÖVP und FPÖ rech­nen erst ab De­zem­ber mit de­tail­lier­ten Ge­sprä­chen.

Da ist al­so vie­les noch of­fen – ein­zig so man­che Rich­tung, in die es künf­tig ge­hen kann, lässt sich aus­ma­chen. Die ÖVP blieb zwar in ih­rer wohn­recht­li­chen Aus­rich­tung in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit sehr va­ge; mit der SPÖ konn­te be­kannt­lich kein neu­es Miet­recht mehr ver­ab­schie­det wer­den, man war sich bis zu­letzt in man­chen grund­le­gen­den Din­gen und in vie­len De­tails un­eins. Die SPÖ be­klag­te so­gar „Schein­ver­hand­lun­gen“von­sei­ten der ÖVP über das von der SPÖ aufs Ta­pet ge­brach­te „Uni­ver­sal­miet­recht“.

In den nun statt­fin­den­den Ver­hand­lun­gen mit der FPÖ wird die ÖVP aber Far­be be­ken­nen müs­sen, was sie in Sa­chen Wohn­recht vor­hat. Die im Wahl­kampf haupt­säch­lich pos­tu­lier­ten Plä­ne – Maß­nah­men, um mehr Ei­gen­tum zu schaf­fen – hat­ten na­tur­ge­mäß nichts mit dem Miet­recht, son­dern viel­mehr mit steu­er­li­chen Er­leich­te­run­gen zu tun; bei­spiels­wei­se soll­ten staat­li­che Ge­büh­ren bei der erst­ma­li­gen An­schaf­fung ei­nes Ei­gen­heims ent­fal­len, mit ei­ner De­cke­lung bei 20.000 Eu­ro.

Un­strit­tig ist zwi­schen Schwarz/Tür­kis und Blau, dass die Miet­kauf­op­ti­on im ge­för­der­ten Wohn­bau for­ciert wer­den soll. In Tei­len der ÖVP wird zu die­sem Zweck et­wa wie­der die Schaf­fung ei­ner ei­ge­nen ge­mein­nüt­zi­gen Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft dis­ku­tiert; schon un­ter Schwarz-Blau I war das ge­plant, wur­de dann aber doch nicht um­ge­setzt. Ei­ne sol­che Ge­sell­schaft soll sich ge­zielt um den Ver­kauf von Kauf­op­ti­ons­woh­nun­gen an Mie­ter küm­mern.

An­de­re Lö­sun­gen wä­ren Er­leich­te­run­gen bei den Vor­aus­set­zun­gen für die Kauf­op­ti­on – und da­mit wä­ren wir wie­der beim Wohn­recht. Im Woh­nungs­ge­mein­nüt­zig­keits­ge­setz (WGG) sind der­zeit näm­lich et­wa Woh­nun­gen in An­la­gen, die auf Bau­rechts­grün­den ent­stan­den sind, von der Kauf­op­ti­on aus­ge­nom­men. Auch bei den Ei­gen­mit­teln, die ein Mie­ter beim Be­zug auf­brin­gen muss, gibt es ei­ne Min­dest­hö­he. Die­se könn­te ent­fal­len oder nied­ri­ger fest­ge­setzt wer­den.

Was das Miet­rechts­ge­setz (MRG) be­trifft, hat die FPÖ im Früh­jahr ein paar Pf­lö­cke ein­ge­schla­gen, kon­kret in Form ei­nes An­trags an den 32. Bun­des­par­tei­tag im März. Der An­trag für ei­ne Miet­rechts­re­form, der dann ein­stim­mig an­ge­nom­men wur­de, be­inhal­tet ei­ni­ge Punk­te, bei de­nen die ÖVP wohl mit­kann. „Zeit­ge­mä­ße Woh­nung, markt­üb­li­che Mie­te – un­zeit­ge­mä­ße Woh­nung, re­gu­lier­te Mie­te“, so lau­tet der Grund­satz des blau­en Vor­schlags für ei­ne Re­form, die zu­min­dest all je­ne Miet­ge­gen­stän­de be­tref­fen soll, die der­zeit ent­we­der in den Voll- oder in den Tei­l­an­wen­dungs­be­reich des Miet­rechts­ge­set­zes fal­len – im We­sent­li­chen al­so al­le Wohn­ein­hei­ten in Häu­sern mit mehr als zwei Ein­hei­ten (al­so kei­ne Ein­fa­mi­li­en­häu­ser).

Sa­nie­rungs­an­rei­ze

Miet­ob­jek­te, die in ei­nem sol­chen „zeit­ge­mä­ßen“bau­li­chen Zu­stand und nicht äl­ter als 25 Jah­re alt sind, sol­len frei ver­mie­tet wer­den kön­nen. Die Mie­te äl­te­rer Ob­jek­te soll zwar grund­sätz­lich ge­de­ckelt sein, al­ler­dings sol­len Ver­mie­ter die Mög­lich­keit ha­ben, äl­te­re Ob­jek­te in ei­nen „zeit­ge­mä­ßen Zu­stand“zu brin­gen und dann neu­er­lich 25 Jah­re lang markt­üb­lich zu ver­mie­ten. Den von der ÖVP stets ge­for­der­ten „In­ves­ti­ti­ons­an­rei­zen“im Miet­recht kä­me das wohl ent­ge­gen, auch wenn die ÖVP ei­nen sol­chen „Kor­ri­dor“bis­her ab­ge­lehnt hat.

Mehr auf An­rei­ze als auf Ver­bo­te setzt die FPÖ auch bei den Be­fris­tun­gen: Sie will die Min­dest­be­fris­tungs­dau­er auf zwei Jah­re (statt drei) re­du­zie­ren, da­für sol­len Mie­ter bei ei­ner Kün­di­gung durch den Ver­mie­ter zwölf Mo­na­te miet­freie Zeit be­kom­men, au­ßer­dem sol­len Mie­ter auch schon frü­her als die der­zeit gel­ten­de Ein-Jah­res-Frist aus ei­nem Miet­ver­trag ein­sei­tig wie­der aus­stei­gen kön­nen (dann al­ler­dings oh­ne miet­freie Zeit).

Mit Vor­schlä­gen wie die­sen wird die FPÖ al­so in et­wai­ge Wohn­rechts­ver­hand­lun­gen ge­hen. Man darf ge­spannt sein.

Mehr Ei­gen­tum wol­len ÖVP und FPÖ, das ist fix. An­sons­ten wird viel ver­han­delt wer­den müs­sen.

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