»Im In­ners­ten träumt man im­mer vom

In­nen­ver­tei­di­ger Se­bŻs­tiŻn Prö©l muss noch um sei­nen Eu­ro-Fix­platz im Na­tio­nal­team ban­gen. Der »Pres­se am Sonn­tag« er­zählt er je­doch, wie wich­tig es ist, Rea­list zu sein, war­um der ös­ter­rei­chi­sche Fuß­ball mitt­ler­wei­le Wie­der­er­ken­nungs­wert hat. Und wie es

Die Presse am Sonntag - - Euro2016 - VON FRIE­DE­RI­KE LEIBL

Als Ver­tei­di­ger be­kommt man ganz schön viel ab, den Ruhm be­kom­men aber oft die an­de­ren, zu­meist die Stür­mer. War­um wur­den Sie al­so Ver­tei­di­ger? Se­bŻs­tiŻn Prö©l: Die Spiel­po­si­ti­on hängt von dei­nem Ta­lent und auch von dei­nem Kör­per­bau ab. Ich muss mei­nen Kör­per mit sei­ner Län­ge aus­nüt­zen. Aber es stimmt, man be­kommt schon was auf die Kno­chen als In­nen­ver­tei­di­ger, man muss hin­hal­ten. Sie ha­ben aber auch schon ein­mal ei­ne sehr schwe­re Kopf­ver­let­zung er­lit­ten. Beim Ver­such, ins Tor zu köp­feln, wur­de mir ins Ge­sicht ge­tre­ten. Das sind kei­ne schö­nen Er­in­ne­run­gen. Kann man das ganz hin­ter sich las­sen? Ich blen­de es kom­plett aus. Ich un­ter­hal­te mich kaum dar­über und stel­le mir die­se Si­tua­ti­on nur sel­ten vor. Nicht, dass ich sie ver­drän­ge, aber es bringt mich nicht wei­ter, wenn ich zu vie­le Ge­dan­ken dar­an ver­schwen­de. Da­mals, 2011, be­gann ich mit ei­nem Men­tal­trai­ner zu ar­bei­ten, ei­nem Psy­cho­lo­gen. Mit ihm ar­bei­te ich im­mer noch zu­sam­men. Man ahnt gar nicht, was für ein Po­ten­zi­al in die­sem Be­reich in ei­nem schlum­mert. Im Fuß­ball kann es we­gen ei­ner Ver­let­zung von heu­te auf mor­gen vor­bei sein. Des­we­gen bin ich froh, dass ich von Be­ginn an ei­nen Plan B hat­te. Ich woll­te nach der Ma­tu­ra ei­ne Aus­bil­dung ma­chen, in die Fir­ma mei­ner Fa­mi­lie, ei­nen Tisch­le­rei­be­trieb, ein­stei­gen. Ein Pro­fi­fuß­bal­ler ist ein Wan­de­rer, heißt es. Im Lauf ei­ner Kar­rie­re un­ter­läuft man ex­trem vie­len Ve­rän­de­run­gen. Man ist No­ma­de, Teil ei­nes Wan­der­volks. Man zieht wei­ter. Aber die Hei­mat ist Ös­ter­reich, Bre­men ist auch ein Stück Hei­mat ge­wor­den. Wo man spä­ter dann le­ben will, das hängt auch von Part­ner, Si­tua­ti­on und den Freun­den ab, die man be­hal­ten hat. Wie eng ist der Kon­takt zu den an­de­ren drei Ös­ter­rei­chern in der Pre­mier Le­ague? Ke­vin Wim­mer tref­fe ich am häu­figs­ten, weil er auch in Lon­don lebt. Aber wir ha­ben al­le un­ter­ein­an­der stän­di­gen Kon­takt. Ist man als Pro­fi frei von Neid? Was Chris­ti­an Fuchs mit Leices­ter Ci­ty ge­lun­gen ist, war ein­drucks­voll. Na­tür­lich. Man freut sich für den Mit­spie­ler. So­lan­ge man nicht ge­gen­ein­an­der spielt na­tür­lich. Im Spiel ruht die Freund­schaft. Für uns Ös­ter­rei­cher war das al­le ei­ne span­nen­de Sai­son. Se­bas­ti­an Prödl im Ge­spräch mit der „Pres­se“in der Kan­ti­ne des FC Wat­ford im Nor­den Lon­dons. Wel­che Ge­füh­le ha­ben Sie nun so knapp vor Be­ginn der EM? Die Vor­freu­de ist rie­sig. Wir ha­ben uns qua­li­fi­ziert, als ei­ne der stärks­ten Na­tio­nen Eu­ro­pas. Wir ha­ben 28 Punk­te in der Qua­li­fi­ka­ti­on ge­holt, und das müs­sen wir bei der Eu­ro nun auch un­ter Be­weis stel­len. Aber wir sind re­la­tiv un­er­fah­ren, was Tur­nie­re an­geht, und es wä­re gut, die Er­war­tungs­hal­tung so nied­rig wie mög­lich zu hal­ten. Wo­rin be­steht denn die Ma­gie, dass bei man­chen Spie­len al­les auf­geht? Da spielt lei­der zu viel mit, die ers­ten Mi­nu­ten et­wa. Ge­gen Schwe­den wur­de es zu ei­ner ma­gi­schen Nacht in Stock­holm. Je­der brach­te mehr als hun­dert Pro­zent, sie wa­ren so­gar noch gut be­dient mit dem 1:4. Da ging ein­fach al­les auf. Man muss den Un­ter­schied zwi­schen den Spie­len her­aus­fil­tern, dann kann man et­was dar­aus ler­nen. Wenn man das nicht macht, dann wird es zu ei­nem Pro­blem. Sie hat­ten mit Qua­li­fi­ka­ti­ons­spie­len ge­gen Schwe­den ja auch so ei­ne Vor­ge­schich­te. Das Spiel da­mals ( 2013, WM-Qua­li­fi­ka­ti­on für Bra­si­li­en 2014, Anm.) war ja auch ein hal­bes Mär­chen. Die ers­te Halb­zeit hat­ten wir bril­liert. Wir hät­ten das Spiel ge­nau­so gut für uns ent­schei­den kön­nen. Aber es kam an­ders, die Bra­si­li­en-Träu­me zer­platz­ten. Wir hat­ten nun die Ge­le­gen­heit für ei­ne Re­van­che. Wir wa­ren deut­lich ge­fes­tig­ter. Da­mals wa­ren wir aus­wärts wirk­lich schwach, das hat sich seit­her grund­le­gend ge­än­dert. Wir sind nun auch bei Aus­wärts­spie­len ernst zu neh­men, ha­ben uns wei­ter­ent­wi­ckelt. Wir ha­ben das Glück, ei­nen Trai­ner zu ha­ben, der auf ein Stamm­team baut. Gu­tes Stichwort: Stamm­platz. Wer­den Sie bei der EM in der In­nen­ver­tei­di­gung ne­ben Aleksan­dar Dra­go­vi´c zum Ein­satz kom­men? Ich hof­fe na­tür­lich, dass ich ei­ne Chan­ce ha­be, rein­zu­kom­men. Die Ent­schei­dung liegt beim Trai­ner. Da herrscht noch ein Kon­kur­renz­kampf. Wel­ches Spiel der Grup­pen­pha­se wird ent­schei­dend? Wir ha­ben, wie ge­sagt, we­nig Tur­nier­er­fah­rung. Ein paar von uns wa­ren zwar bei der Eu­ro 2008. Wir dür­fen uns aber nur auf das ers­te Spiel kon­zen­trie­ren. Wir dür­fen nicht über­le­gen, wel­ches Spiel ent­schei­dend ist. Wir kön­nen uns nicht auf Por­tu­gal ein­stel­len, be­vor das ers­te Spiel vor­bei ist. Jetzt gel­ten die Ge­dan­ken nur Un­garn. Da­nach wer­den wir mit dem Er­geb­nis dem­ent­spre­chend um­ge­hen müs­sen. Mar­cel Kol­ler ist ein freund­li­cher Mensch, er lä­chelt gern. Wir kön­nen mit der Aus­lo­sung und der Grup­pe zu­frie­den sein. Aber ich bin mir ganz si­cher, dass zum glei­chen Zeit­punkt die Trai­ner in Por­tu­gal und in Un­garn das glei­che Lä­cheln auf den Lip­pen hat­ten, als Ös­ter­reich aus dem Topf ge­zo­gen wur­de. Da hät­te es auch an­de­re Ka­li­ber ge­ge­ben. Wir ha­ben uns in der Qua­li­fi­ka­ti­on Re­spekt er­ar­bei­tet, aber den­noch sind wir für vie­le Na­tio­nen nicht der gro­ße Fa­vo­rit, in der Grup­pe wei­ter­zu­kom­men. Wir sind viel­leicht ein Ge­heim­fa­vo­rit auf­grund un­se­rer Leis­tung in der Qua­li­fi­ka­ti­on. Uns wird zu­ge­traut, ei­ne Über­ra­schung lie­fern zu kön­nen. Wir ge­hö­ren aber si­cher nicht zu den Fa­vo­ri­ten. Kann der Te­am­chef auch un­freund­lich sein? Un­freund­lich ha­be ich ihn noch nie er­lebt. Un­zu­frie­den, ja. Das ist im Sport so, dem muss man Raum ge­ben, als Spie­ler und als Trai­ner. Nur so kannst du auch Spie­ler er­rei­chen, wenn die Emo­ti­on nicht nur im po­si­ti­ven Fall da ist, son­dern auch im ne­ga­ti­ven. Es ist sehr wich­tig, dass der Trai­ner die Emo­ti­on mit­trägt. Wir sind von ihm ab­hän­gig. Er ist von uns ab­hän­gig. Wir ge­hen ge­mein­sam in ei­ne Rich­tung. Er hat dem Team ein Selbst­ver­trau­en ge­ge­ben, das es jahr­zehn­te­lang nicht gab. Er hat ei­nen Stil ent­wi­ckelt, er hat Ös­ter­reich zu ei­ner Mar­ke ge­macht, wir ha­ben nun Wie­der­er­ken­nungs­wert. Was war sein Er­folgs­re­zept? Grund­sätz­lich ein­mal sei­ne Art. Sei­ne Ge­nau­ig­keit und die Kon­ti­nui­tät, mit der Mann­schaft zu ar­bei­ten und ei­nen ei­ge­nen Spiel­stil zu ent­wi­ckeln. Er hat ent­schie­den, wel­che Spie­ler be­reit sind, al­les für Ös­ter­reich zu ge­ben, mit wem man den bes­ten Fuß­ball spie­len kann, und was zu die­ser Mann-

Bei der Aus­lo­sung sah man al­ler­dings ein Lä­cheln auf den Lip­pen Mar­cel Kol­lers.

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