Ro­nal­do und der Rest: Die Selec¸ao˜ will den Ti­tel

Su­per­star Cris­tia­no Ro­nal­do bleibt nicht mehr viel Zeit, um end­lich den noch feh­len­den Ti­tel mit Por­tu­gal zu ge­win­nen.

Die Presse am Sonntag - - Euro2016 -

schaft passt. Er hat sich für Of­fen­siv­fuß­ball ent­schie­den, für Pres­sing, für ho­hes At­ta­ckie­ren und da­für sind wir und auch er be­lohnt wor­den. Und die Fans sind eu­pho­risch. Bis­her war es ein tol­les Pro­jekt. Wir sind sehr froh, dass er den Ver­trag ver­län­gert hat. Ein gro­ßer Ver­trau­ens­be­weis. Ja, das heißt, dass er an uns und an die­se Mann­schaft glaubt und dar­an, dass er mit ihr Er­folg ha­ben kann. Die Trai­ner schau­en ja auch dar­auf, wie sie sich selbst wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Wenn er da­von über­zeugt ist, das mit uns zu kön­nen, dann ist das auch ei­ne An­er­ken­nung für die Spie­ler. An­fangs weh­te ihm ein rau­er Wind ent­ge­gen. In Ös­ter­reich kann man schnell vom Buh­mann zum Lieb­ling wer­den . . . Ös­ter­reich ist him­mel­hoch­jauch­zend, zu To­de be­trübt. Das ist bei der Er­war­tungs­hal­tung uns ge­gen­über so und auch ge­gen­über dem Trai­ner. Am An­fang war das wirk­lich ein Wahn­sinn. Ei­ni­ge wa­ren an­schei­nend be­lei­digt und nicht an­ge­tan von der Ent­schei­dung für Kol­ler. Sie muss­ten ih­re Kri­tik dann al­le re­vi­die­ren. Un­ser Trai­ner ist mit der Ge­schich­te so pro­fes­sio­nell wie kein an­de­rer um­ge­gan­gen. Das zeugt auch von sei­ner Klas­se und dass die, die ihn so mas­siv kri­ti­siert ha­ben, eher kei­ne ha­ben. Im In­ners­ten träumt je­der vor ei­nem Tur­nier­start auch vom Ti­tel. Im Lauf ei­nes Tur­niers, das sieht man auch in der Cham­pi­ons Le­ague, geht es viel um die Ent­wick­lung, um Emo­tio­nen, na­tür­lich auch um Fit­ness. In­ner­halb ei­nes Tur­niers geht es sehr stark um die Psy­che. Das ha­be ich auch 2007 bei der U20-WM er­le­ben dür­fen. Im In­ners­ten träumt man im­mer nur vom Größ­ten. Aber man muss Rea­list sein. Um Rea­list zu sein, muss man sich bei so ei­nem Tur­nier nicht auf das kon­zen­trie­ren, was sein könn­te, son­dern im­mer nur auf das, was man be­ein­flus­sen kann. Und das ist im­mer nur das nächs­te Spiel. Un­garn ist das nächs­te Spiel, dar­auf liegt der Fo­kus. Ist al­so Platz zehn für Ös­ter­reich in der Fuß­ball­welt­rang­lis­te ge­recht­fer­tigt? Um ehr­lich zu sein, ver­ste­he ich das Sys­tem der Welt­rang­lis­te nicht ganz. Was wir ha­ben, sind zwei oder ei­gent­lich fast vier er­folg­rei­che Jah­re, je­de Men­ge Punk­te, je­de Men­ge Sie­ge. Wir Se­bas­ti­an Prödl: Ob er auch bei der EM auf der Bank sit­zen wird?

Ge­bo­ren

21. Ju­ni 1987 in Graz Spielt in der Ju­gend für SV Kirch­berg und SV Feld­bach.

2002

Wech­sel zum SK Sturm Graz. De­büt in der Bun­des­li­ga 2006.

2008/09

Wech­sel nach Deutsch­land zu Wer­der Bre­men. Ge­winnt DFB-Po­kal.

2015

Wech­sel in die eng­li­sche Pre­mier Le­ague zu FC Wat­ford; Ver­trag bis 2020.

Na­tio­nal­mann­schaft

De­büt 2007 ge­gen Schott­land. Ka­pi­tän des U20-Teams; Teil­nah­me an der WM in Ka­na­da 2007 (4. Platz). Teil­nah­me an der Eu­ro 2008. 56 Län­der­spie­le, vier To­re. Lebt mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin in Lon­don. ha­ben uns viel Re­spekt er­ar­bei­tet. Es ist da­her schon ge­recht­fer­tigt, dass wir mitt­ler­wei­le ei­ne Haus­num­mer sind. Ob der Platz zehn groß­ar­tig et­was über mög­li­che EM-Chan­cen aus­sagt, das ver­mag ich nicht zu sa­gen. Man soll­te nicht zu viel Wert auf die­se Plat­zie­run­gen le­gen, aber na­tür­lich tut es gut, wenn man vorn liegt. Was ra­ten Sie den ös­ter­rei­chi­schen Fans wäh­rend der Fuß­ball-EM? Sie sol­len die Emo­ti­on, den Glau­ben an uns pfle­gen, uns un­ter­stüt­zen. Aber es soll­te je­der am Bo­den blei­ben. Wir soll­ten al­le in ei­ne Rich­tung ge­hen. Ab­war­ten, was im ers­ten Spiel pas­siert, und dann wei­te­re Zie­le set­zen. Al­les an­de­re wä­re nicht se­ri­ös. Mit Da­vid Ala­ba gibt es ei­nen Spie­ler, der un­glaub­li­che Eu­pho­rie bei den Fans aus­ge­löst hat, nicht nur bei den Jun­gen. Er ist ein Spie­ler, der . . . . . . Gott ist? Wie ist das für die Team­ka­me­ra­den? Er ist bei uns nicht der Star. Er kommt nicht mit ei­ner Krone in die Ka­bi­ne. Noch nicht. Ich freu mich für je­den, der er­folg­reich ist und er ist ein Spie­ler, der au­ßer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen bringt, nicht nur bei Bay­ern Mün­chen. Er ist ein Ge­trie­be­ner, will bei je­dem Trai­ning der Bes­te sein. Er ist ein sehr spe­zi­el­ler Spie­ler. Wäh­rend er die Auf­merk­sam­keit auf sich zieht, kön­nen sich an­de­re wei­ter­ent­wi­ckeln, die mehr Ru­he brau­chen. Es ist für nie­man­den in der Mann­schaft ein Pro­blem, dass ihn die Fans ver­göt­tern. Nie­mand ist nei­disch. Mo­ti­viert er mit sei­ner Art an­de­re Spie­ler? Ab­so­lut. Er ist ein mit­rei­ßen­der Spie­ler, sehr lauf­stark, krea­tiv, tech­nisch stark, hat ei­nen gu­ten Schuss. Je­mand, der es ge­wöhnt ist, Er­folg zu ha­ben und das stets zum Ziel hat, tut ei­ner Mann­schaft gut. Da­von pro­fi­tie­ren al­le! Wenn je­mand ei­nen gra­vie­ren­den Feh­ler macht, gibt es dann auch mal bö­se Bli­cke in­ner­halb der Mann­schaft? Nein. Fuß­ball ist ein Mann­schafts­sport. Punkt. Ich ken­ne kei­nen Spie­ler, der noch kei­nen Feh­ler ge­macht hat. So et­was gleicht sich meist aus. Wenn es zu oft vor­kommt, greift oh­ne­hin der Trai­ner ein. Fuß­ball lebt von Feh­lern. To­re ent­ste­hen zu 90 Pro­zent we­gen Feh­ler des Geg­ners, Ab­spiel­feh­ler, tak­ti­sche Feh­ler, phy­si­sche De­fi­zi­te. Und beim El­fer­schie­ßen? Es sind meist frei­wil­li­ge Ent­schei­dun­gen, wer an­tritt. Wür­den Sie ei­nen schie­ßen wol­len? Ich ha­be im Team noch kei­nen Elf­me­ter ge­schos­sen, meist tre­ten die Of­fen­siv­spie­ler an. Ich ha­be ein­mal ei­nen ent­schei­den­den Elf­me­ter ge­schos­sen, in Deutsch­land. Aber ich wür­de schon gern, ja. Si­cher­heit ist in Frank­reich wei­ter­hin ein gro­ßes The­ma. Be­schäf­tigt Sie das? Man soll­te es nicht ver­drän­gen. Wir müs­sen zur Kennt­nis neh­men, dass es Ter­ror gibt, dass man in Ge­fahr lebt, aber das tut man oh­ne­hin tag­täg­lich. Ich ha­be da­hin­ge­hend noch kei­ne per­sön­li­chen Er­fah­run­gen ge­macht. Mei­ne Fa­mi­lie war da­mals in Graz in der Ge­gend, als die Amok­fahrt statt­fand. Es kann dir über­all pas­sie­ren. Ich fah­re in Lon­don täg­lich mit der U-Bahn, ich möch­te nicht zu vie­le Ge­dan­ken dar­an ver­schwen­den. Ich ver­traue da ganz der fran­zö­si­schen Or­ga­ni­sa­ti­on. Aber Sta­di­en als Hoch­si­cher­heits­trakt, ist das nicht ge­wöh­nungs­be­dürf­tig? Es ist für Spie­ler ein­fa­cher, sich si­cher zu füh­len als für Be­su­cher. Wir sind leich­ter zu schüt­zen als die Mas­sen. Man soll­te trotz­dem sein Le­ben le­ben und sich nicht da­von ab­hal­ten las­sen, Spie­le zu be­su­chen. Wenn man das nicht mehr macht, hat man den Ter­ro­ris­ten ge­ge­ben, was sie wol­len. Wie wich­tig ist die Fan­ku­lis­se? Ich glau­be, dass sehr vie­le Fans an­rei­sen, uns un­ter­stüt­zen wer­den. Wir neh­men es aber auch nie­man­dem übel, der sich das lie­ber da­heim im Fern­se­hen an­sieht. Nur Ar­gen­ti­ni­en und Uru­gu­ay ha­ben öf­ter, 196-mal, ge­gen­ein­an­der ge­spielt als Ös­ter­reich ge­gen Un­garn. Die Bi­lanz des ÖFB-Teams ist ne­ga­tiv: 40 Sie­ge, 30 Re­mis und 66 Nie­der­la­gen in 136 Par­ti­en. In Bor­deaux (14. Ju­ni) ist al­ler­dings Ös­ter­reich zu fa­vo­ri­sie­ren.

Für Un­garn be­deu­tet das Du­ell das En­de ei­ner 30-jäh­ri­gen Durst­stre­cke. So lang muss­te die einst so ruhm­rei­che Fuß­ball­na­ti­on war­ten, bis sich ih­re Na­tio­nal­mann­schaft wie­der für ein Groß­er­eig­nis qua­li­fi­ziert. Zu­letzt war der Vi­ze-Welt­meis­ter von 1954 bei der WM 1986 da­bei, schied aber be­reits in der Vor­run­de aus. Da­nach ver­schwan­den die Un­garn fuß­bal­le­risch in der Ver­sen­kung, erst ein deut­scher Trai­ner hol­te sie wie­der her­vor. Al­le zwei Jah­re die­sel­be Fra­ge: Kann der drei­fa­che Welt­fuß­bal­ler Cris­tia­no Ro­nal­do end­lich mit sei­ner Na­tio­nal­mann­schaft ei­nen Ti­tel ge­win­nen? Geht es nach Fer­nan­do San­tos, ist die Ant­wort klar, Por­tu­gals Te­am­chef hat bei der EM in Frank­reich den Ti­tel im Vi­sier. „Ich hal­te die­ses Ziel nicht für über­trie­ben am­bi­tio­niert“, er­klär­te der 61-Jäh­ri­ge. Ent­täu­schun­gen wie das Vor­run­den-Aus bei der WM 2014 näh­ren aber im­mer wie­der das Vor­ur­teil, die Selec¸ao˜ kön­ne ihr Po­ten­zi­al nicht ab­ru­fen und sei nicht viel mehr als „Ro­nal­do und der Rest“.

Spie­ler wie Pe­pe, 33, Na­ni, 29, oder Ri­car­do Car­val­ho, 38, ha­ben ih­re bes­te Zeit wohl hin­ter sich. Den Jung­stars Nur 20.000 Fuß­bal­ler sind beim is­län­di­schen Ver­band re­gis­triert. Den­noch hat das 328.000-Ein­woh­ner-Land in der EM-Qua­li­fi­ka­ti­on die Tür­kei und die Nie­der­lan­de hin­ter sich ge­las­sen – Is­land ist da­mit das mit Ab­stand be­völ­ke­rungs­ärms­te Land, das sich je für ein Fuß­ball­groß­er­eig­nis qua­li­fi­ziert hat. Sport­lich ha­ben auf der At­lan­tik­in­sel bis­her vor al­lem die Hand­bal­ler für Schlag­zei­len ge­sorgt, nun herrscht in Is­land ei­ne wah­re Fuß­bal­leu­pho­rie.

Das Te­am­chef­duo, Lars La­ger­bäck („Die An­er­ken­nung, die wir er­fah­ren, ist durch­aus ver­dient“) und Hei­mir Hall­grims­son, kann auf ei­nen Ka­der zu­rück­grei­fen, der fast aus­schließ­lich aus Le­gio­nä­ren be­steht. Vie­le Is­län­der ver- Re­na­to San­ches, 18, und Wil­li­am Car­val­ho, 24, fehlt noch in­ter­na­tio­na­le Er­fah­rung. Wie stark die­se Mann­schaft tat­säch­lich ist, bleibt ab­zu­war­ten. Beim Test ge­gen En­g­land blie­ben die „Bra­si­lia­ner Eu­ro­pas“je­den­falls un­auf­fäl­lig, ver­lo­ren mit 0:1. Am Mitt­woch wol­len sich die Por­tu­gie­sen ge­gen Estland ein letz­tes Mal für die EM warm­schie­ßen.

Die Grup­pen­geg­ner sei­en be­reits genau un­ter die Lu­pe ge­nom­men wor­den, ver­si­cher­te Te­am­chef Fer­nan­do San­tos, der un­ter an­de­ren schon Por­to, Sporting und Ben­fi­ca Lis­s­a­bon be­treut hat. Sein Fa­zit: Die Selec¸ao˜ sei der ers­te Kan­di­dat auf den Grup­pen­sieg.

2012 er­reich­te Por­tu­gal mit Ro­nal­do das EM-Halb­fi­na­le, nun ist der Su­per­star 31, um den feh­len­den Ti­tel mit dem Na­tio­nal­team zu ho­len, läuft ihm die Zeit da­von. Der Te­am­chef mein­te: „Wir wer­den auf al­le Fäl­le ei­nen su­per­mo­ti­vier­ten Cris­tia­no ha­ben.“

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