»Cruyff ist ein Vor­bild für uns al­le«

Salz­burg-Trai­ner Os­car Garc´ıa spricht vor dem Sai­son­auf­takt über sei­ne Am­bi­tio­nen als Coach, prä­gen­de Jah­re beim FC Bar­ce­lo­na und den neun­ten An­lauf von Red Bull in der Cham­pi­ons Le­ague. »Wir kön­nen Ge­schich­te schrei­ben.«

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON CHRIS­TOPH GASTINGER

Die Fuß­ball-EM geht heu­te mit dem Fi­na­le zu En­de. Was wird Ih­nen von die­ser End­run­de in Er­in­ne­rung blei­ben? Os­car Garc´ıa: Dass klei­ne Mann­schaf­ten wie Is­land und Wa­les Gro­ßes ge­leis­tet ha­ben und fast bis zum En­de durch­mar­schiert sind. Das Halb­fi­na­le zwi­schen Frank­reich und Deutsch­land war für mich be­reits das vor­weg­ge­nom­me­ne Fi­na­le. Das wa­ren die bei­den bes­ten Mann­schaf­ten un­ter den letz­ten vier. Be­reits am Di­ens­tag be­strei­tet Ih­re Mann­schaft das ers­te Pflicht­spiel die­ser Sai­son, Geg­ner in der zwei­ten Cham­pi­ons-Le­agueQua­li­fi­ka­ti­ons­run­de ist FK Lie­pa­ja. Ihr Ein­druck vom let­ti­schen Meis­ter? Das ist ei­ne gu­te Mann­schaft, die sich be­reits mit­ten im Meis­ter­schafts­rhyth­mus be­fin­det. Sie wer­den phy­sisch al­so in ei­ner bes­se­ren Ver­fas­sung sein als wir. Aber nichts­des­to­trotz: Wir wer­den vor­be­rei­tet sein, um sie zu schla­gen. Sie ken­nen die Ge­schich­te von Red Bull Salz­burg: Bei acht An­läu­fen ist man eben­so oft ge­schei­tert. Wo set­zen Sie an, wie be­rei­ten Sie Ih­re Spie­ler men­tal auf die­se Auf­ga­be vor? Ich wer­de mei­nen Spie­lern sa­gen, dass sie kei­ner­lei Druck ha­ben. Der Klub hat das Er­rei­chen der Cham­pi­ons­Le­ague-Grup­pen­pha­se nicht als er­klär­tes Ziel aus­ge­ge­ben. Das Ein­zi­ge, was wir al­so tun kön­nen, ist Ge­schich­te zu schrei­ben. Das ist der rich­ti­ge Weg, die rich­ti­ge Men­ta­li­tät. Die­se Qua­li­fi­ka­ti­on ist ei­ne tol­le Her­aus­for­de­rung für die Spie­ler, für mich, für den gan­zen Ver­ein. Wir müs­sen al­les ge­ben, um die­se fan­tas­ti­sche Chan­ce zu nut­zen. Ich ha­be als Spie­ler in der Cham­pi­ons Le­ague ge­spielt, jetzt möch­te ich das­sel­be als Trai­ner schaf­fen. Im Som­mer wird tra­di­tio­nell um­ge­baut, fünf Spie­ler sind ge­kom­men. Ist Ih­re Mann­schaft stär­ker als vo­ri­ge Sai­son? Ich hof­fe es, aber wir wer­den es erst auf dem Platz her­aus­fin­den. Der Klub hat neue, qua­li­ta­tiv gu­te Spie­ler ver­pflich­tet, doch auch je­ne, die schon vo­ri­ge Sai­son hier wa­ren, soll­ten bes­ser ge­wor­den sein. Es gibt jetzt mehr Kon­kur­renz­kampf in­ner­halb der Mann­schaft. Für ei­nen Trai­ner ist das gut, weil er öf­ter ro­tie­ren und ver­schie­de­ne Sys­te­me spie­len las­sen kann. Der Ver­lust von Na­by Kei­ta wiegt den­noch schwer. Ei­nen Spie­ler wie ihn zu fin­den ist schwie­rig. Es muss un­ser An­spruch sein, ihn im Kol­lek­tiv best­mög­lich zu er­set­zen, da­mit in Zu­kunft nie­mand mehr an Na­by Kei­ta denkt. Ich möch­te aber nur nach vorn schau­en, nicht zu­rück. Aber Ka­pi­tän Jo­na­tan So­ria­no wird der Mann­schaft er­hal­ten blei­ben, oder? Ich den­ke schon, aber am En­de des Ta­ges ist es im­mer die Ent­schei­dung des Spie­lers. Jon­ny ist so wich­tig für uns, er un­ter­schei­det sich von den an­de­ren Spie­lern. Ge­gen Sai­son­en­de gab es auch Ab­wan­de­rungs­ge­rüch­te um Ih­re Per­son. Hat­ten Sie Kon­takt zu an­de­ren Ver­ei­nen? Ich per­sön­lich nicht, aber mein Agent hat­te ei­ni­ge An­ge­bo­te für mich auf dem Tisch lie­gen – aus En­g­land und an­de­ren Län­dern. Ich ha­be aber noch ein Jahr Ver­trag in Salz­burg, möch­te die­sen auch er­fül­len. Mein Fo­kus liegt voll auf Salz­burg. Über Neu­zu­gang Mu­nas Dab­bur hört man viel Gu­tes. Kann er der nächs­te Top­spie­ler der Bun­des­li­ga wer­den? Ich hof­fe, al­le mei­ne Spie­ler kön­nen Stars in die­ser Li­ga wer­den. Mu­nas bringt gro­ße Qua­li­tä­ten mit, er kann auf ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen spie­len. Die­se Va­ria­bi­li­tät hat er schon in der Schweiz bei Gras­shop­per Zü­rich oder auch beim is­rae­li­schen Na­tio­nal­team be­wie­sen. Er wird uns si­cher bes­ser ma­chen. Wen er­war­ten Sie als ers­ten Her­aus­for­de­rer um die Meis­ter­schaft? Ra­pid ist im­mer ein schwe­rer Geg­ner. Sie ha­ben ein neu­es Sta­di­on, tol­le Fans – das ist ein gro­ßer Klub. Die Aus­tria, viel­leicht auch Sturm Graz und Ad­mi­ra wer­den vorn mit­spie­len. Den Meis­ter­ti­tel er­neut zu ver­tei­di­gen wird ei­ne schwie­ri­ge Auf­ga­be. Wel­che Zie­le ver­fol­gen Sie als Trai­ner? Spe­zi­ell als Spa­nier ist ein Job in der Pri­me­ra Di­vi­si­on für Sie doch si­cher reiz­voll, oder? Nein, nicht wirk­lich. Ich hat­te die­se Mög­lich­keit im Vor­jahr, ha­be aber ab­ge­lehnt. Kon­kre­te Träu­me gibt es kei­ne, se­hen Sie sich mei­ne bis­he­ri­ge Kar­rie­re an. Ich war in Is­ra­el, En­g­land, jetzt bin ich in Ös­ter­reich, ver­las­se mich auf mein Ge­fühl. Mein Ziel ist es

Os­car Garc´ıa

wur­de am 26. April 1973 in Sa­ba­dell, Spanien, ge­bo­ren. Als Ak­ti­ver spiel­te der of­fen­si­ve Mit­tel­feld­spie­ler bei FC Bar­ce­lo­na, Al­ba­ce­te Ba­lom­pie, FC Va­len­cia, Espan­yol Bar­ce­lo­na und UE Llei­da.

Trai­ner­kar­rie­re

Sei­ne be­gann Garc´ıa in der A-Ju­gend Bar­ce­lo­nas, spä­ter heu­er­te er bei Macca­bi Tel Aviv (Meis­ter 2013), Brigh­ton & Ho­ve Al­bi­on und FC Wat­ford an. En­de 2015 über­nahm Garc´ıa das Trai­ner­amt bei Salz­burg und ver­tei­dig­te so­gleich das Dou­ble. ein­fach, je­den Tag ein bes­se­rer Trai­ner zu wer­den. Ich bin selbst ge­spannt, was ich noch er­rei­chen kann. Sie kön­nen auf ei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re als Spie­ler zu­rück­bli­cken, stan­den sie­ben Jah­re beim FC Bar­ce­lo­na un­ter Ver­trag. Wer hat Sie am meis­ten in­spi­riert? Jo­han Cruyff, oh­ne je­den Zwei­fel. Er war mein bes­ter Trai­ner und für al­le Spie­ler in Bar­ce­lo­na ei­ne Le­gen­de. Heu­te sind vie­le sei­ner da­ma­li­gen Spie­ler so wie ich Trai­ner. Cruyff ist ein Vor­bild für uns al­le. Und wer ist der bes­te Spie­ler, mit dem Sie je den Platz ge­teilt ha­ben? Ich hat­te die Mög­lich­keit, mit so vie­len fan­tas­ti­schen Spie­lern zu spie­len, die­se Fra­ge ist al­so schwie­rig zu be­ant­wor­ten. Viel­leicht war Ro­ma­rio der Bes­te, im Straf­raum war es Ro­nal­do. Auf dem Flü­gel spiel­te Ri­val­do groß­ar­tig. Auch Lu­is Fi­go und Pep Guar­dio­la wa­ren auf ih­re Wei­se be­son­ders. Mit ih­nen ste­he ich heu­te noch in Kon­takt.

Red Bull

Os­car Garc´ıa führ­te Salz­burg zum drit­ten Dou­ble in Fol­ge. Mit dem Spa­nier soll nun erst­mals die Cham­pi­ons-Le­ague-Qua­li­fi­ka­ti­on ge­lin­gen.

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