Chi­ne­sen sind die neu­en Rus­sen

Wien will die Zahl der Näch­ti­gun­gen bis 2020 auf 18 Mil­lio­nen stei­gen. Da­für sol­len vor al­lem chi­ne­si­sche Gäs­te ge­won­nen wer­den. Mit Airb­nb hat man we­ni­ger ein Pro­blem.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON KA­RIN SCHUH

Wien die Welt noch in Ord­nung. Von Sprü­chen wie „Tou­rist, go ho­me“oder „Tourism is ter­ro­rism“, die in Bar­ce­lo­na oder Palma der Mallor­ca an Haus­wän­de ge­sprüht wer­den, ist man hier weit ent­fernt. Ber­lins Tou­ris­mus­chef, Burk­hard Kie­ker, klag­te un­längst ge­gen­über dem „Spie­gel“: „Es ist ein Alb­traum.“Wäh­rend­des­sen kann sich der Wien-Tou­ris­mus-Chef, Nor­bert Kett­ner, zu­rück­leh­nen und führt sei­ne Kol­le­gen gern durch das Mus­ter­bei­spiel in Sa-

Näch­ti­gun­gen pro Ein­woh­ner

im kroa­ti­schen Ku­r­ort Opa­ti­ja (der zur Ka­te­go­rie klei­ne Städ­te zählt, Durch­schnitt: 14,2) Quelle: Ro­land Ber­ger, Eu­ro­pean Ci­ty Tourism 2015 Zu­erst wa­ren es die Rus­sen, dann die Ara­ber, jetzt al­so die Chi­ne­sen. Je­ne Grup­pe von Tou­ris­ten, die in Wien so stark ver­tre­ten sind, dass sie in der Stadt spür­bar sind. Wo­bei – wie so oft bei Pau­scha­lie­run­gen –, ganz so stimmt das na­tür­lich nicht. Denn die am stärks­ten ver­tre­te­ne Grup­pe un­ter den Wien-Tou­ris­ten sind im­mer noch die Deut­schen, ge­folgt von den Ös­ter­rei­chern. Laut Halb­jah­res­bi­lanz 2016 von Wien Tou­ris­mus bil­den deut­sche Gäs­te mit 1,382 Mil­lio­nen Näch­ti­gun­gen die größ­te tou­ris­ti­sche Grup­pe, ge­folgt von Ös­ter­rei­chern (1,37 Mio. Näch­ti­gun­gen). Dann kommt mit gro­ßem Ab­stand die USA (367.000 Näch­ti­gun­gen), ge­folgt von Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en, der Schweiz und Spa­ni­en so­wie Frank­reich. Aus Russ­land sind mit 157.000 Näch­ti­gun­gen im­mer noch mehr Gäs­te hier als aus Chi­na (121.000 Näch­ti­gun- gen). Al­ler­dings gibt es bei den rus­si­schen Gäs­ten ein Mi­nus von 28 Pro­zent im Ver­gleich zum ers­ten Halb­jahr 2015. Die Chi­ne­sen ha­ben hin­ge­gen um neun Pro­zent zu­ge­legt – und dürf­ten so­mit die Ja­pa­ner ab­ge­löst ha­ben (die mit 112.000 Näch­ti­gun­gen be­reits hin­ter den Ru­mä­nen lie­gen). The­ma Si­cher­heit. In Sum­me lag die Zahl der Näch­ti­gun­gen im ers­ten Halb­jahr 2016 bei 6,6 Mil­lio­nen (ein Plus von knapp fünf Pro­zent). Bei Wien Tou­ris­mus ist man zwar op­ti­mis­tisch, dass die­ser Po­si­tiv­trend an­hält. All­zu eu­pho­risch will man sich an­ge­sichts der „geo­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen“– sprich der Ter­ror­ge­fahr – aber nicht zei­gen. Eu­ro­pa wer­de mitt­ler­wei­le nicht mehr als Kon­ti­nent an­ge­se­hen, auf dem „al­les glatt­läuft“, wie Wi­enTou­ris­mus-Chef Nor­bert Kett­ner bei der Prä­sen­ta­ti­on der Halb­jah­res­bi­lanz ver­kün­de­te.

Er hält den­noch an dem Ziel fest, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Näch­ti­gun­gen auf 18 Mil­lio­nen zu stei­gern. Der­zeit liegt die Zahl bei 14,3 Mil­lio­nen (Stand 2015). Es se­he zwar mo­men­tan da­nach aus, dass man das Ziel er­rei­che, meint Kett­ner zur „Pres­se“, si­cher sei das an­ge­sichts der „glo­ba­len La­ge“aber nicht.

Beim The­ma Sha­re Eco­no­my – Stich­wort Airb­nb – zeigt man sich ge­las­sen. Na­tür­lich ver­lan­ge man auch in Wien fai­re Re­geln – der­zeit wird an ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung ge­ar­bei­tet. Das Pro­blem sei in Wien aber nicht so groß wie in an­de­ren Städ­ten. Kett­ner da­zu: „40 Pro­zent der Wie­ner Woh­nun­gen kön­nen gar nicht auf die­sen Platt­for­men sein, weil sie Ge­mein­de- oder Ge­nos­sen­schafts­woh­nun­gen sind.“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.