»Trai­nie­ren ist nicht meins«

Ge­heim­agent Ja­son Bourne ist mit dem gleich­na­mi­gen Film wie­der im Ki­no. Darstel­ler Matt Da­mon er­zählt im In­ter­view, wie schwer es ihm fiel, wie­der das Äu­ße­re des Ac­tion­hel­den an­zu­neh­men, und wie gern er – wie Vor­bild Cl­int East­wood – hin­ter die Ka­me­ra wec

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON PATRICK HEID­MANN

14Jah­re ist es her, dass Matt Da­mon für „Die Bourne Iden­ti­tät“erst­mals in die Rol­le des Ge­heim­agen­ten mit den Ge­dächt­nis­lü­cken schlüpf­te und das Ac­tion­ki­no re­vo­lu­tio­nier­te. Nun kehrt der in­zwi­schen 45-Jäh­ri­ge für „Ja­son Bourne“in die Rol­le zu­rück, die er ei­gent­lich schon an den Na­gel ge­hängt hat­te – und stand uns leicht er­graut, aber gut ge­launt Re­de und Ant­wort. Mr. Da­mon, ha­ben wir das da­mals nach dem drit­ten „Bourne“-Film 2007 falsch ver­stan­den? Ei­gent­lich woll­ten Sie die­se Ge­heim­agen­ten­rol­le doch hin­ter sich las­sen. Matt Da­mon: Zu­min­dest vor­über­ge­hend. Aber ich ha­be den Ab­schied von Bourne nie zwin­gend als end­gül­tig ver­stan­den. Auch mit Re­gis­seur Paul Gre­en­grass ha­be ich im­mer wie­der ein­mal dar­über ge­spro­chen. Al­ler­dings wa­ren wir skep­tisch, ob uns noch ein­mal ei­ne Ge­schich­te ein­fällt, die es sich zu er­zäh­len lohnt. Zwi­schen­zeit­lich war dann ja Ihr Kol­le­ge Je­re­my Ren­ner in „Das Bourne Ver­mächt­nis“zu se­hen. War das kein Pro­blem? Über­haupt nicht. Das pro­du­zie­ren­de Stu­dio muss­te ei­nen wei­te­ren „Bourne“-Film in die Ki­nos brin­gen, sonst hät­te es die Rech­te an den Ro­ma­nen von Ro­bert Lud­lum ver­lo­ren. Paul und ich konn­ten da­mals kei­nen dre­hen, al­so be­hal­fen sie sich an­ders. Das war ja auch kein Er­satz für un­se­ren Ja­son Bourne, son­dern le­dig­lich ei­ne wei­te­re Ge­schich­te aus der glei­chen Ge­heim­dienst­welt. Da gibt es schließ­lich noch an­de­re Fi­gu­ren, von de­nen man er­zäh­len kann. Doch je mehr Zeit ver­strich, des­to häu­fi­ger ka­men die Nach­fra­gen, ob wir es nicht doch noch ein­mal ver­su­chen wol­len. Sie er­fül­len mit „Ja­son Bourne“nun al­so die Wün­sche der Zu­schau­er? Ich ha­be „Ja­son Bourne“auf je­den Fall für das Pu­bli­kum ge­dreht. Denn in mei­ner Kar­rie­re stand ich schon für so vie­le Fil­me vor der Ka­me­ra, die am En­de qua­si kei­ner ge­se­hen hat, dass ich es sehr zu schät­zen weiß, wenn die Fans ge­ra­de­zu ei­nen Film ein­for­dern. Das ist eben­so sel­ten wie wun­der­voll. Und ich fin­de nichts ver­werf­lich dar­an, ei­nen Film vor al­lem des­we­gen zu dre­hen, weil er den Leu­ten Spaß ma­chen soll. Wo­bei doch auch in die­sem Film – ge­nau wie in den frü­he­ren „Bourne“-Aben­teu­ern – auch wie­der ei­ni­ges an Po­li­tik steckt. Die­ser Aspekt war uns in der Tat im­mer wich­tig, und si­cher­lich hat es auch des­we­gen ei­ne gan­ze Wei­le ge­dau­ert, bis wir wie­der ei­ne pas­sen­de Ge­schich­te hat­ten. Die ers­ten drei Fil­me spiel­ten ja letzt­lich noch in ei­ner voll­kom­men an­de­ren Zeit: Das war die Welt di­rekt nach dem 11. Sep­tem­ber, es ging um das Ame­ri­ka von Ge­or­ge W. Bush und den „war on ter­ror“. Auch nun geht es uns wie­der dar­um, die Rea­li­tät ab­zu­bil­den, auch wenn wir na­tür­lich ei­ne fik­ti­ve, leicht über­höh­te Ver­si­on da­von zei­gen. Des­we­gen be­ginnt „Ja­son Bourne“an der grie­chisch-ma­ze­do­ni­schen Gren­ze, die von so vie­len Flüch­ten­den über­quert wird. Und des­we­gen zei­gen wir Pro­tes­te in At­hen. Über al­lem schwebt da­bei die Fra­ge von Pri­vat­sphä­re und Da­ten­schutz auf der ei­nen und glo­ba­ler Si­cher­heit auf der an­de­ren Sei­te. Das ist schließ­lich die ganz gro­ße De­bat­te un­se­rer Zeit. Nut­zen Sie denn noch ein ganz nor­ma­les E-Mail-Pro­gramm, oder ha­ben Sie auch Angst, ge­hackt zu wer­den? Nein, ich schrei­be na­tür­lich auch nach den Ent­hül­lun­gen von Snow­den und Co. wei­ter­hin E-Mails. Aber ich fürch­te, dass da­rin nur ziem­lich lang­wei­li­ges Zeug steht. Soll­te al­so je­mand mit­le-

Matt Da­mon

(geb. 8. Ok­to­ber 1970) stammt aus Mas­sa­chu­setts. Er ist ent­fernt mit Freund und Film­part­ner Ben Af­f­leck ver­wandt. Schon als Ju­gend­li­cher be­tä­tig­te er sich als Schau­spie­ler, brach spä­ter ein Stu­di­um in Har­vard ab, um nach Hol­ly­wood zu ge­hen. Der Durch­bruch ge­lang ihm mit „Mut zur Wahr­heit“(ne­ben Den­zel Wa­shing­ton und Meg Ryan). Vier­mal war er für den Os­car no­mi­niert, ge­won­nen hat er ihn 1998 für das Dreh­buch von „Good Will Hun­ting“, in dem er auch die Haupt­rol­le spiel­te. sen, dürf­te er re­la­tiv ent­täuscht und ge­lang­weilt sein. Der tech­ni­sche Fort­schritt der letz­ten Jah­re ist Ih­nen al­so nicht aus­schließ­lich su­spekt? Mein Smart­pho­ne hat mich ge­nau­so sehr im Griff wie schein­bar al­le an­de­ren Men­schen auch. Ich ha­be es stän­dig bei mir – und ir­gend­wie hängt mehr oder we­ni­ger mein gan­zes Le­ben dar­an. Ich brau­che es für mei­nen Ar­beits­all­tag ge­nau­so wie um mit mei­nen Kin­dern in Kon­takt zu blei­ben, wenn ich nicht zu Hau­se bin. Das will ich nicht mis­sen, al­ler Dis­kus­si­on über die Pri­vat­sphä­re zum Trotz. Nur von So­ci­al Me­dia hal­te ich mich fern. Auf Twit­ter oder Face­book sucht man mich des­we­gen bis heu­te ver­geb­lich. Sie klin­gen nicht wie ein Schwarz­ma­ler. Das bin ich auch nicht. Ei­gent­lich wür­de ich mich als Op­ti­mis­ten be­zeich­nen. Ge­ra­de wenn es dar­um geht, was uns als Mensch­heit er­war­tet. In den letz­ten paar hun­dert Jah­ren hat sich die Le­bens­qua­li­tät der Men­schen ja im­mer wei­ter ge­stei­gert, und ich set­ze dar­auf, dass neue Tech­no­lo­gi­en die­sen Trend noch wei­ter fort­set­zen. Aber na­tür­lich ha­be ich kei­ne Ah­nung. Ge­nau­so gut kann es auch sein, dass un­se­re Zu­kunft die reins­te Höl­le wird. Wo­her kommt die po­si­ti­ve Ein­stel­lung? Na­tür­lich bleibt mir nicht ver­bor­gen, dass es mehr als ge­nug gu­te Grün­de gibt, pes­si­mis­tisch in die Zu­kunft zu bli­cken. Im­mer klei­ne­re Grup­pen von Men­schen kön­nen im­mer grö­ße­ren Scha­den an­rich­ten. Dank der mo­der­nen Tech­nik braucht man be­kannt­lich kein rie­si­ges Heer mehr, um Krie­ge zu ge­win­nen. Aber ich bin ein­fach von Na­tur aus ein hoff­nungs­vol­ler Mensch, dar­an kön­nen auch die Ver­nunft und schlech­te Er­fah­run­gen nichts än­dern. Mit vier Töch­tern zu Hau­se kann man sich ver­mut­lich gar nicht er­lau­ben, Tr­üb­sal zu bla­sen, oder? Be­vor mei­ne Frau und ich un­se­re Fa­mi­lie ge­grün­det ha­ben, ha­be ich dar­über nach­ge­dacht, ob ich Kin­der in die­se Welt set­zen will. Letzt­lich ha­be ich mich da­für ent­schie­den. Denn ich bin über­zeugt da­von, dass es uns ge­lin­gen wird, ih­nen ei­ne po­si­ti­ve Zu­kunft zu bie­ten. Und es gibt auch ge­nug Er­he­bun­gen dar­über, dass sich un­se­re Ge­sell­schaft in die rich­ti­ge Rich­tung ent­wi­ckelt. Was für ei­ne Fra­ge! Na­tür­lich, schließ­lich war ich da­mals ge­ra­de An­fang 30! Heu­te bin ich 45 Jah­re alt, und selbst­ver­ständ­lich hat mein Kör­per mit dem Al­ter zu kämp­fen. Wä­re ja selt­sam, wenn nicht. War­um tun Sie sich sol­che Stra­pa­zen über­haupt an? Bei Ja­son Bourne war ein­fach klar, dass die­ser Mann nach zehn Jah­ren im Un­ter­grund und auf der Flucht na­tür­lich nicht aus­se­hen kann, als hät­te er es sich gut­ge­hen las­sen. Au­then­ti­zi­tät wur­de bei den „Bourne“-Fil­men schließ­lich im­mer groß­ge­schrie­ben. Al­so hieß es für mich: run­ter mit den Pfun­den – und ab ins Gym. Macht Ih­nen Sport kei­nen Spaß? Je­den Tag trai­nie­ren, manch­mal so­gar zwei­mal? Das ist nor­ma­ler­wei­se nicht so meins. Ich füh­le mich ei­gent­lich ganz wohl in mei­ner Haut, ganz gleich, ob ich ein paar Ki­lo mehr oder we­ni­ger drauf ha­be. Ich war noch nie je­mand, der das Fit­ness­stu­dio brauch­te, um glück­lich zu sein. Und wie mo­ti­viert sind Sie, was ganz all­ge­mein Ih­ren Be­ruf an­geht? Wür­den Sie nicht manch­mal lie­ber nur zu Hau­se bei der Fa­mi­lie sein und die Schau­spie­le­rei ein­fach auf­ge­ben? Ich lie­be es, Fil­me zu ma­chen, das steht au­ßer Fra­ge. Und ich wür­de wirk­lich sehr gern bald ein­mal selbst Re­gie füh­ren. Nicht zu­letzt des­we­gen kann ich mir durch­aus vor­stel­len, dass ir­gend­wann die Zeit kommt, in der ich nicht mehr die gan­ze Zeit vor der Ka­me­ra ste­hen will. Mir fällt da im­mer Cl­int East­wood ein, der ein­mal zu mir sag­te: „Ich hat­te ir­gend­wann ein­fach die Schnau­ze voll, stän­dig mei­ne ei­ge­ne Vi­sa­ge zu se­hen.“ Cl­int East­wood ist al­so Ihr Vor­bild? Das könn­te man viel­leicht so sa­gen. Er spielt ja bis heu­te auch noch hin und wie­der in Fil­men mit, doch vor al­lem in­sze­niert und pro­du­ziert er wel­che. Das ge­fällt mir. Ich bren­ne für die Ar­beit hin­ter der Ka­me­ra, auf sie könn­te ich nie ver­zich­ten. Aber was das Spie­len an­geht, könn­te ich mir durch­aus vor­stel­len kürz­er­zu­tre­ten.

AFP

Bourne schlüp­fen. in die Rol­le von Ja­son Da­mon nicht noch ein­mal Ei­gent­lich woll­te Matt kehrt er nun je­doch zu­rück. Weil es das Pu­bli­kum woll­te, Bli­cken Sie so po­si­tiv auch auf das Al­ter? Die kör­per­li­chen An­for­de­run­gen in „Ja­son Bourne“fie­len Ih­nen si­cher­lich nicht mehr so leicht wie beim ers­ten Teil.

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