Ab­flug in die Uto­pie

»DIE FEU­ER­RO­TE FRIE­DE­RI­KE«

Die Presse am Sonntag - - Kultur - GE­LE­SEN VON KA­TRIN NUSSMAYR

Das muss man sich ein­mal vor­stel­len: ein klei­nes di­ckes Mäd­chen mit Haa­ren, de­ren Far­be von Ka­rot­te über Pa­ra­dei­ser bis zu Rot­wein reicht, die noch da­zu glü­hen und flie­gen kön­nen! Und da­mit fliegt das Mäd­chen in ein fer­nes Land, und es nimmt ei­nen Ka­ter mit, der spre­chen kann (nur wenn Be­such da ist, hält er sich zu­rück), und ei­nen far­ben­blin­den Brief­trä­ger, der so tut, als könn­te er eh Far­ben se­hen.

Vom An­ders­sein, von Aus­gren­zung und auch von ei­ner sehr po­li­tisch ge­färb­ten Uto­pie er­zählt Chris­ti­ne Nöst- lin­ger in ih­rem al­ler­ers­ten Buch „Die feu­er­ro­te Frie­de­ri­ke“(er­schie­nen 1970), das so­fort ein Er­folg wur­de: In dem ge­heim­nis­vol­len Land ar­bei­tet je­der so viel, wie er möch­te, al­les wird ge­teilt, es gibt schö­ne Schu­len, und kein Kind wird aus­ge­lacht. Die bit­te­re Wahr­heit wird mit­ge­lie­fert: Ein per­fek­tes Land gibt es nicht, je­den­falls nicht für Men­schen mit ge­wöhn­li­chen, flug­un­fä­hi­gen Haa­ren.

Die Ge­schich­te stand da­bei gar nicht am An­fang von Nöst­lin­gers Kar­rie­re als Kin­der­buch­au­to­rin: Die aus­ge­bil­de­te Gra­fi­ke­rin hat­te Frie­de­ri­ke erst ge­zeich­net und die Er­zäh­lung spä­ter um die Bil­der her­um ge­baut. Die gro­ße öf­fent­li­che An­er­ken­nung (die dem Text galt, we­ni­ger den Il­lus­tra­tio­nen) er­mu­tig­te sie, wei­ter zu schrei­ben. Welch Glück!

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