Unend­li­ches Po­ten­zi­al

Frank­reich konn­te sich recht­zei­tig zur K.-o.-Pha­se stei­gern, zeig­te aber im­mer noch nicht all sein Kön­nen. „Wir ha­ben noch sehr viel Po­ten­zi­al.“

Die Presse am Sonntag - - Fussball-wm 2018 -

Es klang fast wie ei­ne War­nung an die Kon­kur­renz. Frank­reich hat in der K.-o.-Pha­se der Welt­meis­ter­schaft mit Ar­gen­ti­ni­en und Uru­gu­ay be­reits zwei ExWelt­meis­ter eli­mi­niert. Den­noch läuft beim Cham­pi­on von 1998 noch lan­ge nicht al­les per­fekt. „Wir ha­ben noch sehr viel mehr Po­ten­zi­al, das wir zei­gen kön­nen“, mein­te Te­am­chef Di­dier De­schamps nach dem 2:0 am Frei­tag im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Uru­gu­ay.

Nur noch zwei Sie­ge tren­nen Frank­reich vom zwei­ten WM-Ti­tel. Die „Equi­pe tri­co­lo­re“hat sich nach dem Aus von Bra­si­li­en bei den Buch­ma­chern zum neu­en Top­fa­vo­ri­ten auf­ge­schwun­gen. „Teuf­lisch“, ti­tel­te die Sport­zei­tung „L’Equi­pe“am Sams­tag über ei­nem gro­ßen Foto der Vier­tel­fi­nal­hel­den. Die Schlag­zei­le galt schon dem Halb­fi­na­le am Di­ens­tag (20.00 Uhr, live ORF eins), in dem in St. Pe­ters­burg Bel­gi­ens „Ro­te Teu­fel“war­ten. Stei­ge­rung. Für Frank­reich soll die Rei­se dort nicht zu En­de sein. „Un­ser Ziel ist nicht das Halb­fi­na­le, wir wol­len es bis zum Schluss schaf­fen“, be­ton­te Mit­tel­feld­star Paul Pog­ba. Die Eu­pho­rie in der Hei­mat ist groß. Auf den Pa­ri­ser Champs-E´ly­se´es wur­de mit Hup­kon­zer­ten ge­fei­ert wie einst bei der Heim-WM 1998. „Al­le Träu­me sind er­laubt für die­se Blau­en, die nichts auf­zu­hal­ten scheint“, schrieb die Zei­tung „Le Fi­ga­ro“. De­schamps sah es et­was nüch­ter­ner. „Wir ha­ben ei­ne kom­pli­zier­te ers­te Run­de ge­habt. Wir wa­ren vi­el­leicht nicht die Bes­ten, sind aber im­mer wei­ter­ge­kom­men. Wir wa­ren rea­lis­tisch und ef­fek­tiv“. Ab dem 4:3 im Ach­tel­fi­na­le ge­gen Ar­gen­ti­ni­en ha­be man an Stär­ke zu­ge­legt. „Wir wa­ren ge­gen Uru­gu­ay die bes­se­re Mann­schaft. Es gab aber im­mer noch Din­ge, die nicht per­fekt wa­ren.“

Frank­reichs De­fen­si­ve ist nicht die stärks­te, der Ka­der mit ei­nem Durch­schnitts­al­ter von 26 Jah­ren nach Ni­ge­ria der zweit­jüngs­te bei die­ser WM. Ge­gen Nach­bar Bel­gi­en wird es auch dar­um ge­hen, ge­gen des­sen hoch­ka­rä­ti­ge Of­fen­si­ve die Ruhe zu be­wah­ren. „Ich ha­be ein jun­ges Team, das im­mer re­so­lu­ter wird“, mein­te De­schamps. „Man kann se­hen, dass sie po­si­tiv den­ken und sich sehr stark wei­ter­ent­wi­ckelt ha­ben.“ Der nächs­te Schritt. De­schamps hat die Chan­ce, als Spie­ler und als Trai­ner Welt­meis­ter zu wer­den. Bis­her ist das nur dem Bra­si­lia­ner Ma­rio Za­gal­lo und dem Deut­schen Franz Be­cken­bau­er ge­lun­gen. „Ich mag es, Zie­le zu er­rei­chen“, er­klär­te der Welt­meis­ter-Ka­pi­tän von 1998. „Ich se­he das aber nicht von ei­nem per­sön­li­chen Stand­punkt aus.“Seit 2012 ist De­schamps be­reits Na­tio­nal­trai­ner. „Mein gan­zer Stolz ist die Mann­schaft.“Bei der Heim-EM 2016 wa­ren die Fran­zo­sen im Fi­na­le an Por­tu­gal ge­schei­tert.

Zwei Jah­re spä­ter soll es mit ei­nem neu­er­lich ver­jüng­ten, ta­len­tier­ten Team – ver­stärkt et­wa durch den erst 19-jäh­ri­gen Of­fen­siv­star Ky­li­an Mbap­pe – noch bes­ser wer­den. „Die Fran­zo­sen er­war­ten viel von uns, dass wir wei­ter­ge­hen und sie wei­ter­hin zum Träu­men brin­gen“, er­klär­te An­toi­ne Griez­mann, ge­gen Uru­gu­ay mit ei­nem Tor und ei­nem As­sist Match­win­ner.

Bei der EM 2016 kam das Aus im Halb­fi­na­le. Geht Frank­reich dies­mal ei­nen Schritt wei­ter?

Schon bei der EM war Griez­mann erst in der K.-o.-Pha­se so rich­tig in Fahrt ge­kom­men. Wie Mbap­pe hält der 27-Jäh­ri­ge nun bei drei Tur­nier­tref­fern. Als nächs­te Hür­de war­tet Bel­gi­en. „Wir ha­ben ei­ne Mann­schaft, die je­der Ab­wehr weh­tun kann“, ver­si­cher­te Griez­mann. „Wenn wir uns auf un­ser Spiel kon­zen­trie­ren, ha­ben wir gu­te Chan­cen. Wir wer­den al­les tun, um uns so schnell wie mög­lich zu er­ho­len.“

Schon am Abend nach dem Vier­tel­fi­na­le kehr­te das Team aus Ni­sch­ni Now­go­rod ins WM-Ho­tel nach Is­tra zu­rück, am Mon­tag geht es wei­ter nach St. Pe­ters­burg. Dort ha­ben sich pro­mi­nen­te Un­ter­stüt­zer an­ge­kün­digt. Auch Staats­prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron, der in der Hei­mat mit ei­nem Um­fra­ge­tief zu kämp­fen hat, reist zum Halb­fi­na­le. Wei­te­re Fei­er­lich­kei­ten kä­men ihm ge­ra­de recht.

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