Das Ge­schäft mit ei­nem Welt­fuß­bal­ler

Ju­ven­tus Tu­rin an­gelt nach Cris­tia­no Ro­nal­do, für nur 100 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se soll der Star aus Ma­drid kom­men. Über Geld, mie­se Prak­ti­ken, Wahr­heit und Vi­sio­nen.

Die Presse am Sonntag - - Fussball-wm 2018 - VON MARKKU DATLER

Für ge­wöhn­lich dient das Stil­mit­tel pu­blik ge­wor­de­ner, aber nie­mals spruch­rei­fer Trans­fers nur ei­nem Zweck: ein win­di­ger Spie­ler­be­ra­ter schlägt sei­nem Kli­en­ten beim ak­tu­el­len Ar­beit­ge­ber da­mit mehr Ge­halt und sich selbst ei­ne fet­te Pro­vi­si­on her­aus. Bei­spie­le de­rer gibt es son­der Zahl. Be­inhal­tet die­ses Spiel Su­per­stars, al­so Kön­ner wie Lio­nel Mes­si, Ney­mar oder Cris­tia­no Ro­nal­do, er­rei­chen die Sum­men um­ge­hend as­tro­no­mi­sche Sphä­ren. Dann bro­delt die Ge­rüch­te­kü­che, hy­per­ven­ti­lie­ren Bou­le­vard­me­di­en in punc­to Ab­lö­sen, Ge­häl­ter und Ver­trags­dau­er.

Es gibt aber Aus­nah­men, die die­ses Wett­bie­ten auf die­sem „Men­schen­ba­sar“kon­ter­ka­rie­ren. Al­ler­dings, dann geht es im Hin­ter­grund um noch viel mehr Geld.

100 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se sol­len von Ju­ven­tus Tu­rin für Welt­fuß­bal­ler Cris­tia­no Ro­nal­do ge­bo­ten wor­den sein. Und Re­al Ma­drid ha­be, weil we­ni­ge Ta­ge zu­vor die il­lu­so­ri­sche Klau­sel von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro aus des­sen Ver­trag ge­stri­chen wur­de, ein­ge­wil­ligt.

Un­ge­liebt in Ma­drid, mehr Geld in Tu­rin – Ro­nal­do hat so vie­le Op­tio­nen.

Die „Al­te Da­me“. Ein „Schnäpp­chen“, an­ders ist es ob der ob­sku­ren Ab­lö­se­sum­men im Welt­fuß­ball nicht zu deu­ten. Im­mer­hin ist „CR7“ein Welt­star, als 33-Jäh­ri­ger top­fit, seit drei Sai­so­nen in Se­rie Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger, Tor­schüt­zen­kö­nig, Eu­ro­pa­meis­ter 2016; der Por­tu­gie­se ist ei­ne der Licht­ge­stal­ten in Eu­ro­pas Klub­fuß­ball. Und die lässt Re­al ein­fach zie­hen nach neun Sai­so­nen mit 451 Tref­fern? Für nur 100 Mil­lio­nen Eu­ro? Ney­mar spiel­te doch 222 Mio. € ein. Mbap­pe,´ Cou­tin­ho, ja so­gar Ous­ma­ne Dem­bel´e´ (105) kos­te­ten mehr als Ro­nal­do.

Schenkt man spa­ni­schen Zei­tun­gen, al­len vor­an der in Re­al-Agen­den top-in­for­mier­ten „Mar­ca“Glau­ben, hat Ro­nal­dos Ab­schied aus Ma­drid ei­ne sehr lan­ge Vor­ge­schich­te. Ge­plagt vom Streit mit Prä­si­dent Flo­ren­ti­no Pe­rez,´ Fin­det Ro­nal­dos Wech­sel statt, lan­det der De­al zwi­schen Ju­ven­tus und Re­al ir­gend­wo in den Top Ten der His­to­rie. 1. Ney­mar (Bra­si­li­en): 2017, Bar­ce­lo­na zu Paris SG 222 Mil­lio­nen € 2. Mbapp´e (FRA): 2018, Mo­na­co zu Paris SG 180 Mio. € 3. Cou­tin­ho (Bra­si­li­en): 2017, Li­ver­pool zu Bar­ce­lo­na 120 Mio. € 4. Demb´el´e (FRA): 2017, Dort­mund zu Bar­ce­lo­na 105 Mio. € 5. Pog­ba (FRA): 2016, Ju­ven­tus zu Man­ches­ter Uni­ted 105 Mio. € 6. Ba­le (Wa­les): 2013, Tot­ten­ham zu Re­al Ma­drid 100,76 Mio. € 7. Ro­nal­do (Por­tu­gal): 2009, Ma­nU zu Re­al Ma­drid 94 Mio. € 8. Hi­guain (Ar­gen­ti­ni­en): 2016, SSC Nea­pel zu Ju­ven­tus 90 Mio. € 9. Ney­mar (Bra­si­li­en): 2013, FC San­tos zu Bar­ce­lo­na 86,2 Mio. € 10. Lu­ka­ku (Bel­gi­en): 2017, Ever­ton zu Ma­nU 84,8 Mio. € Qu­el­le: www.trans­fer­markt.com ei­nem Baumo­gul, soll es Ro­nal­do leid ge­we­sen sein. Das ewi­ge Ver­spre­chen nach mehr Geld – der Por­tu­gie­se ver­dient kol­por­tier­te 21 Mil­lio­nen Eu­ro net­to, al­so weit­aus we­ni­ger als Mes­si (50) oder Ney­mar (37) – blieb un­er­füllt. Der fünf­ma­li­ge Welt­fuß­bal­ler fühl­te sich nicht wert­ge­schätzt. Das ließ er beim Cham­pi­ons-Le­ague-Sieg in Kiew öf­fent­lich durch­drin­gen, seit­dem ru­mor­te es in er Ge­rüch­te­kü­che. Be­ra­ter Jor­ge Men­des son­dier­te aber den Markt – und fand die „Al­te Da­me“.

2003, als Ro­nal­do von Lis­s­a­bon nach Man­ches­ter über­sie­del­te, soll es ers­te Kon­tak­te mit dem Se­rie-A-Gi­gan­ten ge­ge­ben ha­ben. Man ste­he Andrea Ag­nel­li, dem Fi­at-Chef und Juve-Ei­g­ner, „im Wort“. In­di­zi­en wie Ro­nal­dos Fern­blei­ben bei der Tri­kot­prä­sen­ta­ti­on in Ma­drid oder Aus­sa­gen man­cher Tu­ri­ner Funk­tio­nä­re lie­ßen tat­säch­lich auf die­sen „Kö­nigs­trans­fer“schlie­ßen.

Manch ei­ner pro­kla­mier­te die ro­man­ti­sche Ver­si­on, dass es die Ju­veFans wa­ren, die Ro­nal­do den Wech­sel zum ita­li­en­schen Se­ri­en­meis­ter mit sie­ben Scu­det­ti in Fol­ge ans Herz ge­legt Lan­det Cris­tia­no Ro­nal­do in Tu­rin? hät­ten. We­gen des Ap­plau­ses und der Ehr­er­bie­tung nach sei­nem Fall­rück­zie­her in der ver­gan­ge­nen CL-Sai­son. Wer be­zahlt wirk­lich? Die Wahr­heit im Fuß­ball kennt kei­ne Ro­man­tik. Ro­nal­do soll dank der In­ves­ti­ti­on des Mut­ter­kon­zerns Exor be­zahlt wer­den. Die Fi­nanz­ge­sell­schaft ist an Fi­at-Chrys­ler be­tei­ligt, die FCA-Grup­pe will Ro­nal­do auch eher als Wer­be­trä­ger denn Spie­ler. Sie be­zahlt den Vier­jah­res­ver­trag, mit jähr­lich 30 Mio. Eu­ro net­to. Nebst al­len sport­li­chen Op­tio­nen, nach Por­tu­gal, En­g­land und Spa­ni­en auch in Ita­li­en Ti­tel zu ge­win­nen, geht es – na­tür­lich – nur um Geld.

Kommt es so? Re­al an­gelt dann nach neu­en Stars (Mbap­pe,´ Ney­mar?) und Pe­rez´ könn­te nach dem Ab­schied von Zi­da­ne und Ro­nal­do den Neu­start vor­an­trei­ben. Juve glänzt mit nied­ri­ger Ab­lö­se, hat aber ho­he lau­fen­de Kos­ten und Pro­ble­me mit dem „Fi­nan­ci­al Fair­play“. Al­so müss­ten teu­re Spie­ler ge­hen, wie die Ar­gen­ti­ni­er Gon­za­lo Hi­gua´ın (60 Mio. € zu Chel­sea) und Pau­lo Dy­ba­la (110 Mio. €, Li­ver­pool). Da­mit wä­re der Ro­nal­do-Coup für­wahr bil­lig und samt der zu er­war­ten­den Mil­lio­nen­ein­nah­men aus dem Tri­kot­ver­kauf um­ge­hend ein lu­kra­ti­ves Ge­schäft.

Was aber be­wegt Andrea Ag­nel­li? Un­ter sei­ner Füh­rung ist der Klub schul­den­frei, in Ita­li­en un­schlag­bar. Er will aber, um je­den Preis, die Cham­pi­ons Le­ague ge­win­nen. Nach Fi­nalent­täu­schun­gen 2015 und 2017 such­te er nach Lö­sun­gen und fand Ro­nal­do. Der Por­tu­gie­se wä­re sei­ne per­sön­li­che Tro­phäe. Groß­va­ter Edo­ar­do Ag­nel­li en­ga­gier­te in den 1930er-Jah­ren teu­re Süd­ame­ri­ka­ner. Gi­an­ni Ag­nel­li, sein On­kel, schmück­te 1982 die Klub­his­to­rie mit Mi­chel Pla­ti­ni. War­um nicht? „CR7“passt auf je­de Num­mern­ta­fel.

Und falls der De­al platzt? Dann streift Ro­nal­dos Be­ra­ter die­ser Ta­ge sei­ne fet­te Prä­mie ein.

Für Ag­nel­li und Fi­at wä­re Ro­nal­do ei­ne Tro­phäe: als Tor­jä­ger und Wer­bei­ko­ne.

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