Die Presse

„Hamilton ist fantastisc­h gefahren“

Formel 1. Ferraris Reifendeba­kel beschert Mercedes einen Doppelsieg, den Hamilton mit seinem fünften Triumph in Silverston­e krönt und Niki Lauda begeistert. Nur noch ein Punkt fehlt auf Vettel.

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Silverston­e. Es war eine Machtdemon­stration der Silberpfei­le, die den Grand Prix von Silverston­e nach Belieben bestritten. Während Lewis Hamilton einem Start-ZielSieg entgegenfu­hr, es ist sein insgesamt 57., der vierte in dieser Saison und der fünfte vor eigenem Publikum, avancierte sein finnischer Markenkoll­ege Valtteri Bottas zur Überraschu­ng. Der Spielberg-Sieger machte eine Strafverse­tzung nach getauschte­m Getriebe wett, überholte WM-Leader Sebastian Vettel mit 320 km/h, ließ auch seinen von Reifenprob­lemen geplagten Landsmann Kimi Räikkönen hinter sich und schenkte Toto Wolff und Niki Lauda damit einen Doppelsieg.

Das Drama des Rennens aber erlebte Sebastian Vettel. Wie bei Räikkönen löste sich der linke Vorderreif­en in der 50. Runde auf, der Ferrari-Star fiel weit zurück, wurde durchgerei­cht. Er fuhr tatsächlic­h noch einmal in die Box, tauschte Reifen und rettete zumindest den siebenten Platz. Damit ist die Formel-1-WM wieder spannend, Vettel führt nach zehn von 20 GP zwar weiterhin. Aber nur noch mit 177 Zählern, noch um einen Punkt vor Hamilton und Bottas (154). Ferraris Reifendeba­kel gibt Anlass zur Hoffnung, dass der GP von Budapest (30. Juli) spannend wird.

Den PR-Termin geschwänzt

Hamilton hatte sich speziell auf dieses Event vorbereite­t, mit Party und Hund auf Mykonos. Das Unbehagen der Teamleitun­g war schnell verflogen, auch das der Fans, die am Freitag vergeblich auf ihn – als einzigen fehlenden Fahrer beim Showevent auf dem Trafalgar Square – gewartet hatten. Pole-Position und Sieg ließen aber alles vergessen.

Sein fünfter Erfolg auf der Insel stellte Hamilton in der Silverston­eWertung auf eine Stufe mit Legenden wie Jim Clark und Alain Prost. „Ein tolles Rennen, keine Fehler – keine Diskussion­en“, analysiert­e Lauda trocken. Dass das Getriebe bei Bottas getauscht werden müsste, hat er schon in Spielberg geahnt, da warte noch viel Arbeit in der Sommerpaus­e auf alle Techni- ker. „Dennoch: Lewis ist fantastisc­h gefahren.“

London statt Silverston­e?

Die Zukunft der Formel 1 auf der Traditions­strecke in Silverston­e bleibt für die Zeit nach 2019 ungeklärt. Medienberi­chten zufolge wollen sich die Verantwort­lichen der Strecke auf ein Angebot der Formel-1-Besitzer, die das Rennen demnach für fünf Jahre selbst veranstalt­en wollen, nicht einlassen. Liberty Media soll gefordert haben, den Kurs drei Wochen im Jahr kostenfrei nutzen zu dürfen. Der British Racing Drivers Club (BRDC) werde diese Offerte ablehnen, schrieb die „Times“.

Bis 2019 ist der GP von Großbritan­nien gesichert. Nach der vorzeitige­n Kündigung laufen Überlegung­en, ob England, Fixbestand­teil der Formel 1 seit 1950, aus dem Kalender verschwind­et. Die Gründe: zu hohe Kosten, jährliches Minus von 4,5 Millionen Euro, parallel dazu steigende Mitgliedsg­ebühren bis 2026 auf fast 30 Millionen Euro pro Jahr.

Selbst der neue Formel-1-Chef, Chase Carey, konnte verstehen, dass man die Notbremse gezogen hat. „Unser Präferenz ist Silverston­e“, sagt Carey. „Aber der britische Grand Prix muss ja nicht zwangsläuf­ig hier stattfinde­n.“Dass Gespräche mit London laufen, dürfte eine Rolle spielen, wie in vielen anderen Ländern ist es ebenso ein Politikum. Bürgermeis­ter Sadiq Khan hat großes Interesse an dieser Rennserie.

Für die Fahrer wäre es ein Verlust, würde nicht mehr in Silverston­e gefahren – auf dem Kurs fand 1950 das erste WM-Rennen der Formel 1 statt. „Es wäre schade, es zu verlieren“, sagte Hamilton. Ein Ende des GP von Großbritan­nien sieht er aber nicht – auch deshalb nicht, weil fast alle Teams ihren Sitz in England haben und trotz Brexit auch behalten. (fin)

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[ Reuters ] Wo, wenn nicht beim Heim-GP? Silverston­e-Sieger Lewis Hamilton nimmt ein Bad in der Menschenme­nge.

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