Nack­te, Stars und wil­de Pfer­de

Fo­to­gra­fie. Man­fred Bau­mann ist Ös­ter­reichs Mann für Mo­dels, Mis­sen und Be­rühm­te. Nun zeigt er bei Lei­ca Bil­der aus 30 Jah­ren – und Mustangs im Mu­se­um.

Die Presse - - MENSCHEN/VERANSTALTUNGEN - VON TERESA SCHAUR-WÜNSCH

Be­grüßt wird man von Man­fred Bau­manns Ehe­frau Nel­ly – be­zie­hungs­wei­se ih­rer blo­ßen Kehr­sei­te: Un­be­klei­det steht sie in der Wüs­te des Jos­hua-Tree-Na­tio­nal­parks, sorg­fäl­tig in Sze­ne ge­setzt in ei­nem Spiel aus Licht und Schat­ten. „Ei­nes mei­ner Lieb­lings­bil­der“, sagt Man­fred Bau­mann – und da­bei kei­ne Über­ra­schung. Ak­te sind ei­nes der bei­den gro­ßen The­men, mit de­nen man den Wie­ner Fo­to­gra­fen ver­bin­det. Das an­de­re sind Stars. Bei­des wird man in der Aus­stel­lung in der Lei­ca-Ga­le­rie fin­den.

Seit zwei Jah­ren fo­to­gra­fiert Bau­mann mit Lei­ca, die Aus­stel­lung „The Collec­tion“sei nun qua­si der Kick-off für die Ko­ope­ra­ti­on – und der Be­ginn ei­ner Tour sei­ner Bil­der durch Lei­caGa­le­ri­en von Sin­ga­pur bis Los An­ge­les. Dort, in Ame­ri­ka, vor al­lem in Los An­ge­les, ist Bau­mann gern und oft, auch das zei­gen die Fo­tos. Da ist Dr­ew Bar­ry­mo­re im Au­to auf dem Weg zur Gol­den-Glo­be-Ver­lei­hung. Na­ta­lie Port­man beim Tisch beim Film­fes­ti­val in Palms Springs, „wo die Stars ih­re Re­den für die Glo­bes pro­ben“, we­ni­ge Mi­nu­ten, be­vor sie auf die Büh­ne geht. Bau­mann un­ter­rich­tet dort und ist ei­ner der we­ni­gen Fo­to­gra­fen, die nicht nur auf dem Red Car­pet, son­dern auch drin­nen fo­to­gra­fie­ren dür­fen. „L. A. Sto­ries“heißt die Se­rie, „was ei­gent­lich ko­misch ist, weil es ja Palm Springs ist“.

An­ge­sichts der vie­len Ruf­zei­chen, mit de­nen sei­ne Ar­beit üb­li­cher­wei­se be­wor­ben wird, er­zählt Bau­mann sei­ne Ge­schich­te er­staun­lich we­nig markt­schreie­risch. Wie er als Mein­lVer­käu­fer das Hob­by (der Groß­va­ter hat­te ihm die Ka­me­ra ge­schenkt) zum Be­ruf mach­te. Wie er sich ein Port­fo­lio zu­sam­men­stell­te und über­all an­ge­klopft hat, die ers­ten Be­kann­ten zum Akt­shoo­ting bat („Mein gro­ßes Vor­bild ist Hel­mut New­ton“), die ers­ten Stars vor die Lin­se be­kam. Die Aus­bil­dung als Kauf­mann sei rück­bli­ckend kein Nach­teil ge­we­sen. „Vie­le, die von der gra­fi­schen Sei­te kom­men, kön­nen da drau­ßen nicht über­le­ben.“

Cam­per und Sur­fer

Die neue Schau zeigt nun ei­nen Qu­er­schnitt aus 25, 30 Jah­ren: Bru­ce Wil­lis’ Eier­kopf, nur von der Glat­ze bis zur Na­se, fo­to­gra­fiert an­läss­lich ei­ner Ki­no­pre­mie­re in Wi­en, „wir hat­ten 15 Mi­nu­ten mit ihm im Ho­tel“(Wil­lis ha­be das Bild selbst recht cool ge­fun­den, „weil ihn bis­her kaum ein Fo­to­graf halb fo­to­gra­fiert hat“). Aber auch ein ana­lo­ges Bild von der Rou­te 66, oder zerlem­per­te Cam­ping­wa­gen – Bau­mann und sei­ne Frau rei­sen gern, sind selbst oft wo­chen­lang mit dem Wohn­wa­gen un­ter- wegs. Auch Sur­fer fo­to­gra­fiert er mit gro­ßer Lei­den­schaft. „Wann im­mer es gro­ße Wel­len gibt, sind wir auch dort“; CSI-Darstel­le­rin und Sur­fe­rin Jor­ja Fox steckt ihm üb­li­cher­wei­se, „wo sie sind“.

Ken­nen­ge­lernt hat er Fox bei ei­nem Shoo­ting im Auf­trag ei­nes Ki­no­ma­ga­zins. Er be­mü­he sich aber auch stets um Kon­tak­te zu Pres­se­agen­ten und Agen­tu­ren, er­klärt Bau­mann, wie das mit den Stars so läuft. Et­wa so, dass er für ei­ne Agen­tur de­ren neue Schau­spie­ler por­trä­tiert – und im Ge­gen­zug die Be­rühm­ten in der Kar­tei ab­lich­ten darf. „Als Fo­to­graf hat man die Am­bi­ti­on, dass dei­ne Wer­ke ge­se­hen wer­den“, sagt er. Und Hol­ly­wood­stars sei­en da­bei hilf­rei­cher als hei­mi­sche. In­zwi­schen kä­men Agen­tu­ren oder Pro­mi­nen­te auch selbst auf ihn zu. „Man weiß, wir sind un­kom­pli­ziert, schnell, aber mit ös­ter­rei­chi­scher Ge­müt­lich­keit.“Eben et­wa durf­te er den 100-jäh­ri­gen Kirk Dou­glas in sei­nem Haus in Be­ver­ly Hills fo­to­gra­fie­ren. „Er hat mit 93 die letz­ten Pres­se­fo­tos ma­chen las­sen und ge­meint, er brau­che neue.“

Im Herbst hat Bau­mann dann noch ein­mal ei­ne Aus­stel­lung in Wi­en – im Na­tur­his­to­ri­schen Mu­se­um. Dort zeigt er Fo­tos ame­ri­ka­ni­scher Mustangs. Im „Stern“hat­te er ei­ne Re­por­ta­ge über die Tie­re ge­le­sen, de­ren Le­bens­raum durch Vieh­zucht und Fracking be­droht ist. Tier­schutz sei ei­nes sei­ner An­lie­gen, sagt Bau­mann. Sei­ne knap­pe Mil­li­on So­ci­al-Me­dia-Fol­lo­wer sei da kein Nach­teil. „Da kann man zwi­schen den hüb­schen Da­men den Leu­ten auch hier und da et­was be­wusst ma­chen.“

[ Kat­ha­ri­na Roß­both ]

Man­fred Bau­mann beim Auf­bau sei­ner Aus­stel­lung in der Lei­ca-Ga­le­rie in Wi­en.

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