Häupl bläst zur Atta­cke auf Kurz

Er nennt den VP-Chef ei­nen „ideo­lo­gi­schen Flach­wurz­ler“

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Das In­ter­view zum heu­ti­gen 68. Ge­burts­tag: Wi­ens Bür­ger­meis­ter Micha­el Häupl (SP) über VP-Chef Se­bas­ti­an Kurz, Heinz-Chris­ti­an Stra­che und ob er mit Er­win Pröll in der Pen­si­on schnap­sen wird. „Heu­te“: Glück­wunsch. Micha­el Häupl: Wo­zu? „Heu­te“: Sie wer­den heu­te 68. Soll ich sa­gen al­les Gu­te? Bei­leid? Hop­p­auf? Häupl: Hop­p­auf (lacht). Schließ­lich bin ich heu­te im Sta­di­on. Mei­ne Aus­tria spielt ge­gen Milan. „Heu­te“: Sie fei­ern Ih­ren Ge­burts­tag auf der Tri­bü­ne? Häupl: Nicht nur. Schon auch mit Fa­mi­lie, Freun­den, Mit­ar­bei­tern, am Nach­mit­tag spielt ei­ne Blas­mu­sik­ka­pel­le für mich im Hof. „Heu­te“: Was spielt sie? Häupl: Blas­mu­sik. „Heu­te“: Für die SPÖ ist es ja viel­leicht die letz­te Chan­ce auf ei­ne Par­ty für die nächs­te Zeit … Häupl: Nein, nein! Ich bin für die Wah­len op­ti­mis­tisch. Au­ßer­dem glau­be ich nicht, dass die Ös­ter­rei­cher noch ein­mal Schwar­zBlau wol­len. „Heu­te“: War­um nicht? Häupl: Weil man nicht ernst­haft er­war­ten kann, dass man zum Re­gie­rungs­chef ge­wählt wird, wenn man in­halt­lich ein­fach nichts sagt. Nichts zu Wirt­schafts­po­li­tik, In­ves­ti­tio­nen, Ge­sund­heits­po­li­tik, jetzt hö­re ich ein paar Ver­satz­stü­cke zur Bil­dung. Dem gro­ßen Kämp­fer ge­gen is­la­mi­sche Kin­der­gär­ten fällt nichts an­de­res ein, als dass wir mehr Kon­trol­len ma­chen müs­sen. No na, pas­siert ja. „Heu­te“: Sie re­den von Kurz? Häupl: Ja, wenn ich an ihn den­ke, fällt mir ein, was Hai­der über Gras­ser ge­sagt hat: Kurz ist ein ideo­lo­gi­scher Flach­wurz­ler. „Heu­te“: Er­in­nert Sie Kurz denn an Jörg Hai­der? Häupl: Nein, ich ha­be Hai­der je­de Men­ge vor­zu­wer­fen, aber das än­dert nichts an mei­nem Re­spekt vor sei­nem In­tel­lekt und auch sei­nem Wis­sen. „Heu­te“: Und Kurz? Häupl: Ich kann mich mit ihm nicht aus­ein­an­der­set­zen, ich weiß nicht, wo­für er steht. Ich hö­re im­mer nur ,Mit­tel­meer­rou­te schlie­ßen‘. Soll er end­lich tun, wir ha­ben kein Pro­blem da­mit. „ Heu­te“: Bei Kanz­ler Kern ist es an­ders? Häupl: Ja, er sagt in­halt­lich klar, was er für die Zu­kunft plant. „Heu­te“: In Um­fra­gen hat Kurz über 30 Pro­zent. Hal­ten Sie die Ös­ter­rei­cher für zu na­iv, um das so zu se­hen wie Sie? Häupl: Nein, aber bei al­lem Be­mü­hen, ei­ge­ne In­hal­te dar­zu­stel­len, zei­gen wir als SPÖ die­se In­halts­lee­re ein­fach zu we­nig auf. „Heu­te“: Die SPÖ ist im Mo­ment zu schwach da­für? Häupl: Nein, das glau­be ich nicht, aber es gibt zu vie­le Vor­neh­me. „Heu­te“: Es feh­len Bo­dy­checks? Häupl: Ein Wahl­kampf ist kein El­may­er-Tanz­kurs. „Heu­te“: Die SPÖ hat ei­nen her­zeig­ba­ren Kan­di­da­ten, ein her­zeig­ba­res Team, ein her­zeig­ba­res Pro­gramm. Kann es sein, dass ei­ne Wahl noch nie so äs­the­tisch ver­lo­ren wur­de wie dies­mal? Häupl: Nein, wir wer­den am 15. Ok­to­ber Ers­ter. „Heu­te“: Die Um­fra­gen se­hen Kurz um 9 Pro­zent­punk­te vorn … Häupl: Wenn die Um­fra­gen vor der Wie­ner Land­tags­wahl wahr ge­we­sen wä­ren, sä­ße ich heu­te nicht hier. „Heu­te“: Wenn’s nicht klappt? Häupl: Auch Op­po­si­ti­on ist ei­ne eh­ren­haf­te Rol­le. Er­stre­bens­wert ist sie nicht. Aber wenn’s so is, is so. „Heu­te“: Wenn Kern jetzt an die Tür klopft und fragt, wie er in den letz­ten vier Wo­chen Wahl­kampf ma­chen soll, was ra­ten Sie? Häupl: Wenn er mei­ne Er­fah­rung an­zap­fen will, ste­he ich zur Ver­fü­gung. Aber das sa­ge ich ihm sel­ber. „Heu­te“: Bund, EU, Wi­en – Sie schla­gen Ih­ren 17. Wahl­kampf. Wer­den die im­mer stumpf­sin­ni­ger? Häupl: Nein, aber ich wür­de sie mir in­halt­li­cher wün­schen. Statt­des­sen hö­re ich Phra­sen wie ,über­bor­den­der So­zi­al­staat‘. Von Leu­ten, die an ei­nem Abend mehr aus­ge­ben als ein Be­zie­her von Min­dest­si­che­rung im Mo­nat hat. „Heu­te“: Wir ha­ben noch nicht über Heinz-Chris­ti­an Stra­che ge­re­det. Spielt er kei­ne Rol­le? Häupl: Ich füh­le mich di­rekt wohl (lacht). Er ist es ge­wohnt, den ju­gend­li­chen Pseu­do­re­vo­lu­tio­när zu spie­len. So wie ich ist auch er äl­ter ge­wor­den. Ich he­ge aber den dump­fen Ver­dacht, er ist nicht wei­ser ge­wor­den. „Heu­te“: Sie hö­ren im Jän­ner auf. Was tun sie am Tag da­nach? Häupl: Aus­schla­fen. „Heu­te“: Und am Wo­che­n­en­de dann schnap­sen mit Er­win Pröll? Häupl: Nein, wir ha­ben noch nie Kar­ten mit­ein­an­der ge­spielt. „Heu­te“: War­um nicht? Häupl: Weil wir bei­de nicht gern ver­lie­ren

„Auch Op­po­si­ti­on ist ei­ne eh­ren­haf­te Rol­le“Micha­el Häupl

Der Wie­ner Bür­ger­meis­ter wird heu­te 68 Jah­re alt

Ei­ne Ker­ze für je­des Jahr­zehnt, ei­ne für je­des wei­te­re Jahr. Häupl schaff­te al­le 14 Ker­zen auf ein­mal

Micha­el Häupl, Chris­ti­an Nus­ser („ Heu­te“)

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