Ste­hen al­le Spar­ver­ei­ne un­ter Ter­ror­ver­dacht?

Ge­mäß ei­ner EURicht­li­nie müs­sen Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ih­re Kli­en­ten genau über­prü­fen, um Geld­wä­sche und Ter­ror­fi­nan­zie­rung zu ver­hin­dern.

Kleine Zeitung Steiermark - - | IHR GELD -

Laut Ge­setz hat ei­ne Bank zu prü­fen, ob ein Spar­ver­ein ein Ri­si­ko auf Geld­wä­sche dar­stellt. Das ha­be ich als Ver­eins­kas­sier zur Not noch ak­zep­tiert!“, wand­te sich ein Le­ser an den Om­buds­mann. „Doch jetzt steht noch da­bei, die Bank muss be­ur­tei­len, ob er ein Ri­si­ko als Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rer dar­stellt! In mei­nen Au­gen ist das ei­ne bo­den­lo­se Ge­mein­heit und Frech­heit!“, är­ger­te sich der Mann und bat: „Viel­leicht kön­nen Sie das öf­fent­lich an­pran­gern und die Re­gie­rung auf­for­dern, das Wort Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung aus dem Ge­setz zu strei­chen.“Dem folg­te die An­kün­di­gung: „Wenn die­se Be­zeich­nung bleibt, lö­se ich den Spar­ver­ein auf!“

Ei­ne Aus­nah­me

Ban­ken müs­sen be­reits seit vie­len Jah­ren die Iden­ti­tät je­des Kun­den fest­stel­len und je­de Kun­den­be­zie­hung auch un­ter dem Ge­sichts­punkt der Geld­wä­sche­rei- und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung über­prü­fen. Das wur­de bei den Spar­ver­ei­nen al­ler­dings in der Ver­gan­gen­heit nicht so ge­hand­habt. Auf­grund der stren­gen Vor­ga­ben der EU-Geld­wä­sche­richt­li­nie ist ei­ne aus­nahms­lo­se Iden­ti­fi­zie­rung von Spa­rern bei der Bank vor­ge­se­hen. Da­mit müss­te sich auch je­des ein­zel­ne Mit­glied ei­nes Spar­ver­eins mit ei­ner Le­gi­ti­ma­ti­ons­ur­kun­de (Rei­se­pass, Füh­rer­schein, Per­so­nal­aus­weis) per­sön­lich bei der Bank aus­wei­sen. Das hät­te für vie­le Spar­ver­ei­ne auf­grund des bü­ro­kra­ti­schen Auf­wan­des das Aus be­deu­tet. „Die Fi­nanz­markt­auf­sicht hat al­ler­dings ei­ne Ver­ord­nung er­las­sen, nach der un­ter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen nach wie vor ein Or­gan des Ver­eins die Iden­ti­fi­zie­rung der Mit­glie­der ei­nes Spar­ver­eins an­hand ei­ner der Bank aus­zu­fol­gen­den Lis­te vor­neh­men kann, die Na­men, Ge­burts­da­ten und Adres­sen der Mit­glie­der ent­hält“, er­klär­te uns Kon­su­men­ten­schüt­zer Rai­ner See­wann von der Ar­bei­ter­kam- mer. Au­ßer­dem dür­fe der von ei­nem Spar­ver­eins­mit­glied ein­ge­zahl­te Be­trag 1500 Eu­ro pro Ka­len­der­jahr nicht über­stei­gen.

Schwar­ze Lis­te

„Ich ver­ste­he die Ver­är­ge­rung Ih­res Le­sers und kann mir auch nicht vor­stel­len, dass ein Spar­ver­ein ei­ne taug­li­che In­sti­tu­ti­on für Geld­wä­sche­rei und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung ist“, mein­te See­wann, der aber nicht glaubt, dass Ös­ter­reich mit sei­nen Re- geln zur Geld­wä­sche­rei- und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung hin­ter EUStan­dards zu­rück­fal­len will und die­se Be­stim­mung aus dem Ge­setz strei­chen oder ab­schwä­chen wer­de. Ös­ter­reich sei ja be­reits in der Ver­gan­gen­heit ge­droht wor­den, es auf ei­ne schwar­ze Lis­te mit je­nen Staa­ten zu set­zen, die die Geld­wä­sche­richt­li­ni­en nicht so genau neh­men. „Dies wür­de schwe­re wirt­schaft­li­che Kon­se­quen­zen für Ös­ter­reich be­deu­ten“, ist See­wann über­zeugt.

Der Kapo des Spar­ver­eins muss den Kopf hin­hal­ten

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