Ein Ur­teil mit Sym­bol­kraft

Schwimm­un­ter­richt ist auch für mus­li­mi­sche Schü­le­rin­nen Pflicht, ur­teilt der Eu­ro­päi­sche Men­schen­rechts­ge­richts­hof.

Kleine Zeitung Steiermark - - THEMA DES TAGES - Von Ma­nue­la Swo­bo­da

Kei­ne mus­li­mi­schen Son­der­wün­sche, die Schul­pflicht und die In­te­gra­ti­on der Kin­der ha­ben Prio­ri­tät.

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in Straß­burg hat am Di­ens­tag ein rich­tungs­wei­sen­des Ur­teil ge­fällt: Mus­li­mi­sche El­tern aus Ba­sel woll­ten sich da­ge­gen weh­ren, dass ih­re Töch­ter in der Schweiz zum ge­mein­sa­men Schwimm­un­ter­richt mit Bu­ben müs­sen.

Sie ar­gu­men­tier­ten, dass ihr Glau­be das ver­bie­te. Dar­auf­hin wur­den sie zu ei­ner Straf­zah­lung in der Hö­he von um­ge­rech­net 1300 Eu­ro ver­ur­teilt – ih­rer An­sicht nach ein un­ge­recht­fer­tig­ter Schritt.

Das Ehe­paar be­rief sich auf den Ar­ti­kel 9 der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on. Er hält fest: „Je­de Per­son hat das Recht auf Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens­und Re­li­gi­ons­frei­heit.“

Doch die Re­li­gi­ons­frei­heit en­det, wo die In­te­gra­ti­on be­gleich­heit ginnt, ur­teil­te nun Straß­burg: Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te lehn­te die Be­schwer­de der mus­li­mi­schen El­tern ab.

Die Rich­ter be­fan­den ein­stim­mig, dass die In­ter­es­sen der bei­den Mäd­chen vor­ran­gig zu be­han­deln sei­en. Sie sol­len am Schul­un­ter­richt voll­stän­dig teil­neh­men und im Ver­band mit ih­ren Klas­sen­ka­me­ra­den das Schwim­men prak­ti­zie­ren dür­fen und sich auf die­se Wei­se so­zi­al in­te­grie­ren kön­nen. Der Fall geht be­reits auf das Jahr 2008 zu­rück. Das Schwei­zer Bun­des­ge­richt hat­te die Be­schwer­de der El­tern laut „Bas­ler Zei­tung“vor vier Jah­ren un­ter Be­ru­fung auf die Recht­spre­chung von 2008 ab­ge­wie­sen.

Da­mals hielt das obers­te Ge­richt fest, dass die mul­ti­kul­tu­rel­le Schul­rea­li­tät ver­lan­ge, dass Kin­der aus al­len Kul­tu­ren in die in der Schweiz gel­ten­den ge­sell­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ein­ge­bun­den wür­den – auch, um die Chan­cen- zu ga­ran­tie­ren und den so­zia­len Frie­den zu si­chern. Nach­dem schließ­lich al­le Schwei­zer In­stan­zen ge­ur­teilt hat­ten, dass die bei­den Mäd­chen am ge­misch­ten Schwimm­un­ter­richt teil­neh­men müss­ten und das ver­häng­te Buß­geld rech­tens ge­we­sen sei, wand­ten sich die tür­kisch­stäm­mi­gen El­tern an den Ge­richts­hof in Straß­burg, das die Ur­tei­le aus der Schweiz nun be­stä­tig­te.

Die Straß­bur­ger Rich­ter wie­sen dar­auf hin, dass die Schwei­zer Schul­be­hör­de den El­tern oh­ne­hin sehr weit ent­ge­gen­ge­kom­men sei, weil den Mäd­chen, da­mals sie­ben und neun Jah­re

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