Ein Ap­pell ist nicht ge­nug

Schutz vor Über­grif­fen for­dert mehr als Zi­vil­cou­ra­ge.

Kleine Zeitung Steiermark - - MEINUNGEN 11 - Tho­mas Gol­ser

Ein In­nen­mi­nis­ter ruft da­zu auf, bei se­xu­el­len Atta­cken Mel­dung zu er­stat­ten und für an­de­re die nö­ti­ge Zi­vil­cou­ra­ge auf­zu­bie­ten. Ers­te­res soll­te wohl je­dem mün­di­gen Bür­ger klar sein. Letz­te­res steht mit Em­pa­thie (heu­te eher ein Ex­tra denn Se­ri­en­aus­stat­tung) be­schla­ge­nen Mit­men­schen gut. Denn: Wür­de man nicht auf Glei­ches hof­fen, wä­re man ein­mal selbst Be­trof­fe­ne(r)?

Was aber, wenn nicht das heu­te lei­der all­ge­gen­wär­ti­ge Wursch­tig­keits­ge­fühl die Be­reit­schaft, an­de­ren zu hel­fen, von vorn­her­ein lähmt? Wenn ei­nen die dif­fu­se, aber greif­ba­re Angst, selbst drauf­zu­zah­len, zum Weg­schau­en be­wegt? ass nach den Über­grif­fen in Inns­bruck Tat­ver­däch­ti­ge frei her­um­spa­zie­ren, mag auf dem Amts­for­mu­lar halt­bar sein. Gr­und­ver­trau­en in po­li­ti­sches Pou­voir stärkt es nicht. Zi­vil­cou­ra­ge mit Au­gen­maß soll­te es oh­ne mi­nis­ter­li­chen Ap­pell ge­ben. Es soll­te aber auch nie­mand den Staat dar­an er­in­nern müs­sen, dass ei­ne sei­ner exis­tenz­be­rech­ti­gen­den Ker­na­gen­den wirk­sa­me Si­cher­heits­po­li­tik ist/wä­re.

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