LEITARTIKEL Al­les neu und doch alt

In den USA wird wie­der ein neu­er Wind we­hen. Es wird ein Wind sein, der Ve­rän­de­rung bringt, aber si­cher kei­ne neu­en Ide­en – son­dern Al­tes wie­der frisch aus­se­hen lässt.

Kleine Zeitung Steiermark - - MEINUNGEN 17 - Da­mir Fras re­dak­ti­on@klei­ne­zei­tung.at

Ba­rack Oba­ma geht. Do­nald Trump kommt. Die USA ste­hen vor ei­ner Zei­ten­wen­de. Wenn heu­te der New Yor­ker Ge­schäfts­mann den Amts­eid ab­legt und zum 45. Prä­si­den­ten der USA wird, dann stellt sich mit Recht die Fra­ge, was die­ser Mann mit sei­nem Land und der Welt kon­kret an­stel­len will. Die Ant­wort kann vor­erst nur lau­ten: Nichts Ge­nau­es weiß man nicht. Denn noch nie in der Us-ge­schich­te hat es ei­nen so un­be­re­chen­ba­ren Prä­si­den­ten ge­ge­ben. Er lässt selbst je­ne im Un­ge­wis­sen, die für ihn ge­stimmt ha­ben.

Ziem­lich si­cher ist je­doch, dass sich das ge­sell­schaft­li­che Kli­ma im Land ein­trü­ben wird. Der Gr­a­ben zwi­schen den ein­zel­nen Be­völ­ke­rungs­grup­pen wird sich ver­tie­fen. Dass ihm das of­fen­bar egal ist, hat Trump an je­dem ein­zel­nen Tag seit sei­ner Wahl am 8. No­vem­ber be­wie­sen. Oh­ne Not hat er nach dem Wahl­sieg sei­ne Pro­vo­ka­tio­nen aus dem Wahl­kampf fort­ge­setzt, hat wei­ter Wahr­heit und Wunsch­vor­stel­lung mit­ein­an­der ver­wo­ben, An­ders­den­ken­de be­han­delt wie Aus­sät­zi­ge. Er hat afro­ame­ri­ka­ni­sche Bür­ger­recht­ler vor den Kopf ge- sto­ßen. Er hat wie ein klei­nes Kind mit Wu­t­aus­brü­chen auf Kri­tik re­agiert.

Sei­ne Aus­sa­ge aus der Wahl­nacht, die Ame­ri­ka­ner müss­ten nach dem schmut­zigs­ten Wahl­kampf al­ler Zei­ten wie­der zu­ein­an­der­fin­den, klingt heu­te noch wie Hohn. Trump selbst hat da­zu nichts bei­ge­tra­gen, ob­wohl es ge­wis­ser­ma­ßen zu den Pflich­ten ei­nes de­si­gnier­ten Prä­si­den­ten ge­hört, ver­söh­nend zu wir­ken. Doch Trump kann of­fen­bar nicht aus sei­ner Haut. Er ist un­be­herrscht und schnell be­lei­digt. Ein Vor­bild da­ge­gen ist er nicht.

Der Po­pu­list führt ei­ne Mas­sen­be­we­gung an, die sich an­schi­cken wird, An­ders­den­ken­den die Luft zum At­men zu neh­men. Mehr Gleich­be­rech­ti­gung für Frau­en, mehr Schutz für Min­der­hei­ten, Ho­mo-ehe in al­len 50 Bun­des­staa­ten, mehr Rech­te für Trans­gen­der, Kran­ken­ver­si­che­rung – die li­be­ra­len

TEr­run­gen­schaf­ten aus acht Oba­ma-jah­ren sind in Ge­fahr. Das muss den Rest der Welt nicht wei­ter be­küm­mern. Für je­ne, die Trump nicht ge­wählt ha­ben, ist das aber ein Pro­blem.

Und es soll nicht un­er­wähnt blei­ben: Das ist die Mehr­heit. Hil­la­ry Cl­in­ton hat Trump un­ter­schätzt wie fast al­le. Aber Cl­in­ton hat drei Mil­lio­nen Stim­men mehr er­hal­ten als Trump, der im Grun­de we­gen ei­nes aus der Zeit ge­fal­le­nen Wahl­sys­tems Prä­si­dent wird. In den USA wird künf­tig ein neu­er Wind we­hen – es wird kein fri­scher sein, der neue Ide­en her­an­bläst. Es wird ein Wind sein, der aus der Ver­gan­gen­heit kommt. rump hat es nun in der Hand. Er ist der mäch­tigs­te Mann im Staat. Es liegt an ihm, Prä­si­dent al­ler Ame­ri­ka­ner zu wer­den oder sich mit der Rol­le des Prä­si­den­ten der Wut­bür­ger zu be­schei­den. Sein Ge­ba­ren gibt al­ler­dings we­nig An­lass zur Hoff­nung, dass er die ers­te Op­ti­on wäh­len wird. So ist es tat­säch­lich ei­ne Zei­ten­wen­de, die sich in den USA voll­zieht. Ein al­ter Prä­si­dent geht in Wür­de. Ein neu­er Prä­si­dent kommt. Doch was dann ge­sche­hen wird, kann nie­mand sa­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.