LEITARTIKEL Ei­ne Re­de zum Fürch­ten

Do­nald Trump hat in sei­ner In­au­gu­ra­ti­ons­re­de jeg­li­che In­spi­ra­ti­on ver­mis­sen las­sen. Er ruft zur Ver­söh­nung und Ein­heit auf, aber gleich­zei­tig Po­li­ti­kern zu: Schert euch zum Teu­fel!

Kleine Zeitung Steiermark - - MEINUNGEN 17 - In­go Ha­se­wend in­go.ha­se­wend@klei­ne­zei­tung.at

Nun ist Do­nald Trump al­so der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Wer je­doch ge­glaubt hat, dass mit dem Ge­löb­nis ein neu­er Trump vor die Welt tritt, der wur­de ent­täuscht – oder eben be­frie­digt, wenn man denn mit die­sem neu­en Po­li­tik­stil tat­säch­lich Hoff­nung auf et­was Bes­se­res ver­bin­det. Sei­ne ers­te Re­de an die Na­ti­on war nichts an­de­res als ei­ne Wahl­kampf­re­de. Be­kann­te Stand­punk­te, kein kon­kre­tes Pro­gramm, nur lo­se An­kün­di­gun­gen. Und kein An­satz von prä­si­dia­ler Mä­ßi­gung. Tat­säch­lich ver­setz­te er der auf dem Po­di­um ver­sam­mel­ten po­li­ti­schen Staats­spit­ze ei­nen kräf­ti­gen Tritt in den Hin­tern, rief der Elite im über­tra­ge­nen Sin­ne zu: Schert euch zum Teu­fel!

Und den­noch schwang in sei­nen Wor­ten ei­ne neue Bot­schaft mit, die er in sei­ner ers­ten Re­de in der Wahl­nacht hat an­klin­gen las­sen. Es ist das Ver­spre­chen, al­le Men­schen zu­sam­men­brin­gen zu wol­len, das Volk zu ei­nen, es zu ver­söh­nen. Frei­lich, er will es, um da­mit der Na­ti­on je­ne Kraft zu ge­ben, sei­ne Bot­schaft, Ame­ri­ka wie­der groß zu ma­chen, auch mit Le­ben er­fül- len zu kön­nen. Doch mit die­ser un­ver­söhn­li­chen An­sa­ge an po­li­ti­sche Mit­strei­ter – schließ­lich galt der Satz „Wir wer­den kei­ne Po­li­ti­ker mehr ak­zep­tie­ren, die nur re­den und nicht han­deln“auch für sei­ne Kol­le­gen aus der re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei – dürf­te die Be­reit­schaft zur Ver­söh­nung ge­ring sein.

Sein bis­he­ri­ger Stil er­in­nert stark an Richard Ni­xon. Auch der 37. Prä­si­dent pro­vo­zier­te und po­la­ri­sier­te. Das ließ sich schon 1969 bei sei­ner In­au­gu­ra­ti­on ab­le­sen. Er ver­folg­te ei­nen kon­ser­va­ti­ven Po­pu­lis­mus, wie es Bio­graf Da­vid Gre­en­berg nann­te. Sei­ne Wor­te und Ta­ten mo­bi­li­sier­ten Ab­leh­nung und Zu­stim­mung glei­cher­ma­ßen, nur nie mo­de­rat. Ni­xon war – nach al­lem, was man durch Bio­gra­fen wie Tim Wei­ner weiß – von Wut und Rach­sucht ge­trie­ben, von Miss­trau­en ge­lei­tet, im stän­di­gen Kampf mit Geg­nern, Ge­heim­diens­ten und sei­nem

IUm­feld, be­rüch­tigt für Flü­che und Skru­pel­lo­sig­keit. Er hat das Us-sys­tem mit sei­nem Han­deln, das bis heu­te nach­wirkt, stark be­schä­digt. Er wur­de der ers­te Prä­si­dent, der ab­tre­ten muss­te. st die­se Ana­lo­gie ei­ne Pro­gno­se für Trump? Si­cher nicht. Schließ­lich gilt es nun, ganz in de­mo­kra­ti­scher Tra­di­ti­on, sei­ne ers­ten Ta­ten ab­zu­war­ten. Doch die Re­de hat viel­fach un­gläu­bi­ges Kopf­schüt­teln aus­ge­löst – nicht nur bei den vier an­we­sen­den Alt­prä­si­den­ten. Sein an­ge­kün­dig­ter Pa­ra­dig­men­wech­sel – er will die Macht von der Po­li­tik wie­der an das Volk zu­rück­ge­ben – mag klang­voll sein in den Oh­ren sei­ner An­hän­ger, die sich ab­ge­hängt füh­len. Doch wenn er sagt: „Das ame­ri­ka­ni­sche Ge­met­zel en­det ge­nau hier und jetzt“, und da­mit die Schief­la­ge in der Ge­sell­schaft mit all ih­ren Dro­gen, ih­rer Kri­mi­na­li­tät und ih­ren Gangs meint, dann muss er auch ei­ne Ant­wort lie­fern, wie und mit wel­chen Mit­teln er das oh­ne das eta­blier­te Po­li­tik­sys­tem er­rei­chen will. Ei­ne Ant­wort dar­auf hat er mit kei­ner Fa­ser ge­lie­fert. Es fehl­te nicht nur die Hoff­nung auf ei­nen Wech­sel zum Bes­se­ren, es fehl­te je­de In­spi­ra­ti­on.

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