Ver­tei­di­gung ei­nes Ver­rä­ters

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR | 55 -

wird“, sagt der Salz­bur­ger Re­gis­seur Mar­kus Ku­besch, der selbst ein ka­tho­li­sches In­ter­nat be­sucht hat. Er hievt im Auf­trag des Schau­spiel­hau­ses Graz „Ju­das“als Ein-mann-stück auf die Büh­ne. Ge­nau­er ge­sagt in 24 ver­schie­de­ne ka­tho­li­sche und evan­ge­li­sche stei­ri­sche Kir­chen von Graz bis Ram­sau, von Frei­tag bis Ju­ni des Jah­res. Der Thea­ter­ort Kir­che birgt vie­le Her­aus­for­de­run­gen: ein trans­por­tier­ba­res, schnell auf­zu­bau­en­des Büh­nen­de­sign zum Bei­spiel. Vi­be­ke An­der­sen hat da­für ei­nen nach sechs Sei­ten of­fe­nen Ku­bus ent­wor­fen. „So­zu­sa­gen ei­nen Ort im Ort“– so wer­de die Ge­schich­te der je­wei­li­gen Kir­che sicht­bar, Ju­das ha­be dar­in aber auch ei­nen Rück­zugs­ort.

Fre­drik Jan Hof­mann, der­zeit am Gra­zer Schau­spiel­haus in „Der Re­vi­sor“oder „Se­cond­hand-zeit“zu se­hen, schlüpft in die Rol­le des Ver­rä­ters Ju­das und for­dert die Zu­schau­er zum Per­spek­ti­ven­wech­sel auf – mit Sät­zen wie: „Schon seit 2000 Jah­ren ver­sucht die Mensch­heit, mich zu be­grei­fen, und ich kann euch eins ver­si­chern – dann ha­ben wir das schon mal ab­ge­hakt: Sie hat es nicht ge­schafft.“

Für die Spal­tung zwi­schen Je­sus und Ju­das ge­be es laut Ku­besch ei­nen kla­ren Mo­ment: „Je­sus ent­schei­det sich für die Er­fül­lung ei­ner alt­tes­ta­men­ta­ri­schen Pro­phe­zei­ung. Wäh­rend Ju­das’ re­al­po­li­ti­sches An­lie­gen der Kampf ge­gen die Fremd­herr­scher ist. Die Kir­che fei­ert nun den von Je­sus ein­ge­sch­la- ge­nen Weg, wäh­rend sie Ju­das’ Han­deln ver­dammt.“

Re­gis­seur Ku­besch sieht in der Ju­das-fi­gur auch ei­nen bril­lan­ten Po­li­ti­ker am Puls der Zeit: Er sagt von An­fang an, es ge­he ihm nicht um ei­ne Ent­schul­di­gung, es ge­he ihm nicht um Recht­fer­ti­gung, auch nicht um Beich­te oder Rein­wa­schung. Muss man bi­bel­fest sein, um das Stück zu ver­ste­hen? Mar­kus Ku­besch sagt „jein, weil ei­nem der klu­ge Text sehr leicht­fü­ßig ent­ge­gen­kommt. Je mehr man sich aber mit der Ma­te­rie be­schäf­tigt, des­to in­ten­si­ver spürt man, wie vie­le The­men mit heu­ti­ger Spra­che auf­ge­grif­fen wer­den.“Klei­ner Tipp: Warm an­zie­hen, im Mau­so­le­um ist es bit­ter­kalt.

Jan Hof­mann schlüpft in Kir­chen in die Rol­le des Ver­rä­ters Ju­das LUPI SPUMA (2)

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