269.000 Eu­ro im Kel­ler ge­bun­kert

Nach mys­te­riö­sem Geld­fund muss­te sich der 49-jäh­ri­ge Be­sit­zer ges­tern we­gen Geld­wu­chers vor dem Straf­lan­des­ge­richt Graz ver­ant­wor­ten.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Nach ei­nem rät­sel­haf­ten Geld­fund im Jän­ner in Graz nahm der Fall sei­nen An­fang: Ein neu­er Mie­ter hat­te in ei­nem Kar­ton in sei­nem Kel­ler­ab­teil ei­nen ver­meint­li­chen Schatz von 269.000 Eu­ro ge­ho­ben.

Das schlug Wel­len in den Me­di­en, die Schlag­zei­len über die in ein Hand­tuch ein­ge­wi­ckel­ten Geld­bün­del schaff­ten es bis über den Gro­ßen Teich nach Flo­ri­da, wo ein 49-jäh­ri­ger selbst­stän­di­ger Im­mo­bi­li­en­mak­ler weil­te und nach der Zei­tungs­lek­tü­re so­gleich ei­ne Be­fürch­tung hat­te: Es könn­te sich um sein Geld han­deln, das er ei­ni­ge Zeit da­vor im Kel­ler ge­bun­kert hat­te.

Jetzt lan­de­te der Fall vor Ge­richt. Aus­führ­lich wur­de ges­tern am Lan­des­ge­richt Graz aus­ge­leuch­tet, wie der Mann zu der enor­men Sum­me ge­kom­men war.

Die 269.000 Eu­ro wa­ren Teil ei­nes 700.000-Eu­ro-er­folgs­ho­no­rars, denn der Stei­rer hat­te für ei­ne Wit­we in ei­nem kom­pli­zier­ten Ver­las­sen­schafts­fall ei­ne Lie­gen­schaft ver­kauft. Das Geld ha­be er ein­fach un­be­darft in den Kel­ler ge­legt, er­klärt der An­ge­klag­te vor Ge­richt. Das Kel­ler­ab­teil sei sein ei­ge­nes ge­we­sen, der Ver­mie­ter ha­be es, oh­ne ihn zu in­for­mie­ren, wei­ter­ge­ge­ben.

„Wie­so ha­ben Sie das Geld nicht auf ein Gi­ro­kon­to oder in den Tre­sor ge­ge­ben?“, will Rich­te­rin Ju­lia Rif­fel wis­sen. „Ich ha­be kei­nen Tre­sor. Ich muss das Geld ja ir­gend­wo­hin ge­ben“, lau­te­te die ein­fa­che Ant­wort des sonst so elo­quen­ten An­ge­klag­ten.

kei­ne Rede, denn die Bar­aus­zah­lung des Ho­no­rars ha­be die Wit­we auf­grund ih­res schwie­ri­gen Ver­hält­nis­ses zu den Schwie­ger­el­tern ge­wünscht: „Bei ei­ner Über­wei­sung hät­ten sie et­was durch die Bank­mit­ar­bei­ter er­fah­ren kön­nen.“

Das Geld ha­be er spä­ter ver­an­la­gen wol­len. Doch es war eben im Kel­ler ent­deckt wor­den, und er woll­te es ret­ten, oh­ne in ein schie­fes Licht zu ge­ra­ten. Des­halb ha­be er die Wit­we zu ei­ner Fal­sch­aus­sa­ge bei der Po­li­zei über die Her­kunft des Gel­des an­ge­stif­tet, lau­tet ein Vor­wurf.

Die­se Fal­sch­aus­sa­ge drück­te dann aber doch auf das Ge­wis­sen der Frau und sie kon­tak­tier­te ei­nen An­walt.

Der mys­te­riö­se Geld­fund ist nur der Aus­lö­ser, dass der Im­mo­bi­li­en­mak­ler nun vor Ge- richt steht, denn ei­gent­lich wird ihm Geld­wu­cher vor­ge­wor­fen. Und das kam so: Die Wit­we stand nach dem Tod ih­res Man­nes da mit ei­nem Erb­bau­ern­hof, Schul­den und zwei min­der­jäh­ri­gen Kin­dern. Beim Er­be woll­te sie das Pfleg­schafts­ge­richt mit 37.000 Eu­ro ab­spei­sen, meint der An­ge­klag­te. Ihm sei der Kunst­griff ge­lun­gen, ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück, das noch da­zu im Hoch­was­ser­ge­biet liegt, aus dem Erb­bau­ern­hof her­aus­zu­lö­sen und um 3,7 Mil­lio­nen Eu­ro zu ver­kau­fen. „Ich ha­be das Grund­stück um 1,4 Mil­lio­nen mehr ver­kauft, als die ge­sam­te Lie­gen­schaft wert ist.“Trotz Aus­ge­din­ge, ei­nem Un­ter­halt für die Schwie­ger­el­tern, mit dem es be­las­tet war.

von Geld­wu­cher, der An­ge­klag­te selbst vom „ach­ten Welt­wun­der“, das ihm mit dem Ver­kauf ge­lun­gen sei. „Hät­te ich das nicht er­reicht, wä­re ich nach ein­ein­halb Jah­ren Ar­beit mit null aus­ge­stie­gen.“

Das will ihm die Rich­te­rin nicht ab­kau­fen. Mit wei­te­ren Be­fra­gun­gen wird ge­prüft, ob beim Er­folgs­ho­no­rar von 700.000 Eu­ro ein Miss­ver­hält­nis zur Leis­tung bestand. Der Pro­zess wur­de ver­tagt.

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