Nicht ver­leum­det: Po­li­zis­tin hat­te Me­di­ka­men­te ge­nom­men

Kleine Zeitung Steiermark - - FRONT PAGE - Der Ge­richts­gut­ach­ter Tho­mas Rossa­cher

Zu Un­recht be­schul­dig­ter Stei­rer zeig­te Be­am­tin we­gen Ver­leum­dung und fal­scher Aus­sa­ge an. Leo­be­ner Ge­richt sprach An­ge­klag­te frei.

Weil ei­ne Po­li­zis­tin un­ter dem Ein­fluss star­ker Schmerz­mit­tel ge­stan­den hat­te, wur­de sie kürz­lich am Lan­des­ge­richt Leo­ben frei­ge­spro­chen. Die Be­am­tin hat ei­nen heu­te 56Jäh­ri­gen be­schul­digt, er wä­re 2016 mit dem Au­to auf sie zu­ge­rast. Nur ein Sprung zur Sei­te ha­be sie ge­ret­tet. Das stell­te sich als un­rich­tig her­aus, wor­auf der Be­schul­dig­te durch sei­nen An­walt Marc Sim­bür­ger in die Of­fen­si­ve ging. Er zeig­te die Be­am­tin we­gen fal­scher Aus­sa­ge und Ver­leum­dung an.

Am Mon­tag fand die Ver­hand­lung am Straf­lan­des­ge­richt in Leo­ben statt. Dass die An­ge­klag­te bei zwei Ein­ver­nah­men er­klärt hat, der Au­to­fah­rer wä­re da­mals oh­ne zu brem­sen auf sie los­ge­fah­ren, war nicht mehr strit­tig. Die zen­tra­le Fra­ge lau­te­te viel­mehr: Wuss­te die An­ge­klag­te, die we­gen ei­ner Ver­let­zung star­ke Me­di­ka­men­te ge­gen die Schmer­zen ge­nom­men hat­te, was sie da sag­te?

kam zum Schluss, die Ne­ben­wir­kun­gen des Me­di­ka­ments könn­ten die Ur­teils­fä­hig­keit der Be­am­tin be­ein­träch­tigt ha­ben. Des­halb wur­de die Frau frei­ge­spro­chen. Das Ur­teil ist nicht rechts­kräf­tig. Rechts­an­walt Sim­bür­ger mel­de­te Be­ru­fung und Nich­tig­keit an, zu­mal sein Man­dant „auf ei­nem Teil der Pro­zess­kos­ten sit­zen bleibt“.

Der Fall hat in ei­ner Tief­ga­ra­ge sei­nen An­fang ge­nom­men: Von dort soll der Pkw-len­ker auf die Po­li­zei­be­am­tin, die da­mals au­ßer Di­enst stand, zu­ge­fah­ren sein. Und zwar, oh­ne sein Tem­po zu zü­geln. „Ich muss­te zur Sei­te sprin­gen“, gab die Po­li­zis­tin da­mals zu Pro­to­koll. Der Au­to­fah­rer wur­de an­ge­zeigt und lan­de­te vor dem Bru­cker Be­zirks­ge­richt – we­gen des Vor­wurfs der Ge­fähr­dung der kör­per­li­chen Si­cher­heit.

Bei der Ver­hand­lung mein­te die Zeu­gin je­doch sinn­ge­mäß, sie hät­te sich ei­gent­lich doch nicht ge­fähr­det ge­fühlt. Der Ober­stei­rer wur­de dar­auf­hin frei­ge­spro­chen (rechts­kräf­tig).

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