Haupt­ver­band ge­gen Ro­ta­ti­ons­prin­zip

Kleine Zeitung Steiermark - - ÖSTERREICH - Von Ernst Sit­tin­ger

So­zi­al­ver­si­che­rungs-chef Biach zur ge­plan­ten Kas­sen­re­form: „Da blu­tet mir das Herz.“

Die Kas­sen­re­form geht in die End­pha­se: Kom­men­de Wo­che läuft die Frist zur Stel­lung­nah­me ab. In der Wo­che drauf will die Re­gie­rung dann ih­re Vor­la­ge in den Na­tio­nal­rat brin­gen. Der So­zi­al­ver­si­che­rungs-haupt­ver­band (HV) selbst sieht die Re­form al­ler­dings kri­tisch und wird dies auch in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Ge­set­zes­ent­wurf fest­schrei­ben, wie Hv-vor­sit­zen­der Alex­an­der Biach ge­gen­über der Klei­nen Zei­tung be­stä­tigt.

Kon­kret sind es drei Punk­te, die Biach als nicht ak­zep­ta­bel ab­lehnt: ers­tens das Ro­ta­ti­ons­prin­zip in den Kas­sen und im Dach­ver­band, zwei­tens die Kom­pe­tenz­ver­tei­lung und drit­tens die fi­nan­zi­el­le Trans­pa- renz. „Wenn wir die­se drei Punk­te noch ver­bes­sern, dann be­kom­men wir ei­ne wirk­lich gu­te Re­form“, ap­pel­liert Biach an die Bun­des­re­gie­rung. Al­le drei

Punk­te wur­den üb­ri­gens ge­gen­über dem Mi­nis­ter­rats­vor­trag vom Mai noch nach­träg­lich ver­än­dert.

Das vor­ge­schla­ge­ne Ro­ta­ti­ons­prin­zip – Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer sol­len halb­jähr­lich an der Kas­sen-spit­ze­wech­seln – wür­de „kei­ne hand­lungs­fä­hi­ge Füh­rung“er­mög­li­chen, sagt Biach. Ver­trags­part­nern wie et­wa der Ärz­te­kam­mer sei das nicht zu­mut­bar. Im Dach­ver­band wür­den nach dem­mo­dell in­ner­halb von fünf Jah­ren so­gar sie­ben ver­schie­de­ne Per- so­nen an der Spit­ze ste­hen, was für wich­ti­ge Re­form­pro­jek­te ei­ne deut­li­che Er­schwer­nis be­fürch­ten las­se. Biach: „Es sol­len dort ja Pro­jek­te wie die neue E-card mit Licht­bild oder die Wei­ter­ent­wick­lung der Elek­tro­ni­schen Ge­sund­heits­ak­te (ELGA) vor­an­ge­trie­ben wer­den. Da­zu braucht man Kon­ti­nui­tät.“

Ab­ge­lehnt wird auch der Plan, dass mehr als 200 Mit­ar­bei­ter vom Haupt­ver­band an die künf­ti­ge Ge­sund­heits­kas­se aus­ge­la­gert wer­den sol­len, wäh­rend gleich­zei­tig aber die Auf­ga­ben beim Haupt­ver­band ver­blei­ben. Bi­achs Ge­gen­vor­schlag: Zu­erst sol­le man die Kas­sen fu­sio­nie­ren, spä­ter kön- Hv-chef Alex­an­der Biach ne man Per­so­nal und Auf­ga­ben auf die neu­en Trä­ger über­tra­gen. Ge­ne­rell sei es nicht gut, wenn ein­trä­ger für die an­de­ren mit­ver­hand­le. Bes­ser sei es, zen­tra­le Auf­ga­ben vom Dach­ver­band er­le­di­gen zu las­sen.

Be­son­ders kri­tisch sieht Biach die Fra­ge der fi­nan­zi­el­len Kos­ten bzw. Er­spar­nis durch die Re­form. In die­sem Punkt sei ei­ne „ehr­li­che­re De­bat­te“nö­tig. Man kön­ne nicht den Ver­si­cher­ten bes­se­re Leis­tun­gen in Aus­sicht stel­len, gleich­zei­tig aber mit ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro Er­spar­nis kal­ku­lie­ren.

All­ge­mein sol­le man aus der Re­form­de­bat­te „die Emo­tio­nen raus­krie­gen“, so der Hv-chef. Bis ins Früh­jahr sei die Re­form ex­zel­lent vor­be­rei­tet wor­den, „aber bei den drei ge­nann­ten Punk­ten blu­tet mir das Herz“.

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